16.03.2013

Brasilien rechnet fest mit dem Besuch des argentinischen Papstes Der Weltjugendtag als großes Trostpflaster

Die erste Auslandsreise des neuen Papstes Franziskus wird den Argentinier möglicherweise im Juli zum Weltjugendtag (WJT) ins brasilianische Rio de Janeiro führen.

In Rio freut man sich bereits auf das Zusammentreffen mit dem ersten lateinamerikanischen Papst und rechnet mit einer großen Zahl an Teilnehmern aus dem südlichen Nachbarland. Dabei verbindet die beiden südamerikanischen Länder eine über den «heiligen» Fußball hinausgehende Rivalität, die auch vor der Papstwahl nicht Halt machte.

«Und wieder haben wir gegen Argentinien verloren,» kommentierte ein Student der katholischen Universität im brasilianischen Sao Paulo am Mittwoch spontan den Ausgang des Konklaves - nur um schnell hinzuzufügen, dass «die Nationalität des Papstes natürlich zweitrangig» sei. Schließlich seien die Argentinier lateinamerikanische «hermanos» (Brüder).

Ein Stachel in Brasiliens Selbstbewusstsein war die Wahl trotzdem.Nicht umsonst postete Argentiniens Fußballlegende Maradona umgehend ein Foto mit dem portugiesischen, für die Brasilianer bestimmten Wortlaut «Eu ja sabia» - «Das war doch klar!». Nun müsse man als Brasilianer mit Maradona, Messi und dem Papst klarkommen, kommentierte Brasiliens führender Humorist Jose Simao am Donnerstag landesweit in den Zeitungen. «Habemos tango», immerhin, so Simao.

Historisches Ringen

Über den Fußball hinaus verbindet die beiden Länder ein historisches Ringen um die Vormachtstellung in Südamerika. So war es stets ein Gradmesser der eigenen Bedeutung, ob ein US-Präsident bei Südamerika-Reisen Buenos Aires oder Brasilia besuchte. Seit Argentiniens Wirtschaftskollaps 2001 und dem gleichzeitig einsetzenden Höhenflug Brasiliens schien die Hegemoniefrage allerdings geklärt.

Deshalb rechneten die Brasilianer auch fest damit, den nächsten Papst zu stellen und mit ihm den Weltjugendtag begehen zu können. Nach der Austragung der Fußball-WM 2014, mit dem Endspiel in Rio, und der Olympiade 2016 schien die Wahl eines Brasilianers zum Nachfolger Benedikts XVI. nur noch Formsache. Immerhin, so wurde man in Brasilien nicht müde zu betonen, stellt man mit 130 Millionen die weltweit meisten Katholiken.

Die Organisatoren des Weltjugendtags vom 23. bis 28. Juli in Rio dürften jedoch auch mit der Wahl Bergoglios sehr zufrieden sein - können sie doch mit einem Massenansturm aus dem südlichen Nachbarland rechnen. Diese Pilger unterzubringen, könnte eine der größten Herausforderungen werden. Obwohl Franziskus' Heimatdiözese Buenos Aires und Rio de Janeiro mehr als 2.000 Kilometer auseinanderliegen, könnte es für den Argentinier eine Art Heimspiel werden.

Vier Auftritte?

Rios Erzbischof Orani Joao Tempesta betonte, wie nahe der Jesuit stets den Armen gewesen sei und wie sehr ihm die Evangelisierung Lateinamerikas am Herzen liege. Man fühle sich in Rio «privilegiert», diesen Papst willkommen heißen zu dürfen. Staatspräsidentin Dilma Rousseff ließ bereits erklären, dass sie den Papst in Rio persönlich begrüßen werde. Neben ihrer Teilnahme an der Abschlussmesse werde sie einen Empfang für Franziskus im Gouverneurspalast von Rio organisieren, wie am Donnerstag aus Regierungskreisen verlautete.

Reist Papst Franziskus tatsächlich zum Weltjugendtag nach Rio, wird es mindestens vier Programmpunkte mit ihm geben. Geplant ist, dass der neue Papst am 25. Juli am Strand der Copacabana die WJT-Teilnehmer offiziell begrüßt. Einen Tag später soll an gleicher Stelle eine Kreuzweg-Andacht stattfinden. Am Abend des 27. Juli wird er zu einer Gebetsveranstaltung erwartet, und am 28. soll der Papst auf einem 3,5 Millionen Quadratmeter großen Feld die große Abschlussmesse zelebrieren.

Erzbischof Tempesta, der Bergoglio aus der gemeinsamen Arbeit im Lateinamerikanischen Bischofsrat CELAM gut kennt, reist in den kommenden Tagen nach Rom, um weitere Vorbereitungen zu treffen. Im April wird in Rio eine päpstliche Delegation erwartet, die sich letzten Details widmen soll. Die Frage, ob Papst Franziskus die Reise dann auch tatsächlich antreten wird, ist für viele Brasilianer nur reine Formsache.

(KNA)

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