15.03.2013

Papst will Kollegialität mit Kardinälen stärken "Wir sind Brüder"

Papst Franziskus will enger mit dem Kardinalskollegium zusammenarbeiten. "Wir sind Brüder", sagte er am Freitag im Vatikan in einer Ansprache an die Kardinäle - und zitierte Hölderin.

Franziskus hat am Freitagmorgen das Kardinalskollegium im Apostolischen Palast empfangen. Der neue Papst, der ohne Stola und Mozzetta auftrat, wich bei seiner Ansprache an einigen Stellen vom Redetext ab. „Cari fratelli, forza!“, „Liebe Brüder, los!“ - mit lebhaftem Blick und ausladenden Gesten rief er die Kardinäle zu neuer Verve bei Verkündigung des Christentums auf. Dazu gelte es vorhandenes Potenzial neu zu nutzen, so Franziskus, der in freier Rede ein Hölderlin-Zitat einfügte:der in freier Rede ein Hölderlin-Zitat einfügte:

"Die Hälfte von uns sind alt. Das Alter ist, so drücke ich es gern aus, Sitz der Weisheit im Leben. Die Alten haben die Weisheit, dass sie im Leben gegangen sind, wie der alte Simon, die alte Anna vom Tempel. Und diese Weisheit ist es gerade, die sie Jesus hat erkennen lassen. Schenken wir den Jungen diese Weisheit: schenken wir ihnen die Weisheit des Lebens, wie der gute Wein, der mit den Jahren immer besser wird. Mir kommt in den Sinn, was ein deutscher Dichter über das Alter sagte:, Es ist ruhig, das Alter, und fromm’ (Anm. d. Red.: Friedrich Hölderlin: Meiner verehrungswürdigen Großmutter zum 72. Geburtstag): es ist die Zeit der Ruhe und des Gebetes. Und auch die Zeit, den Jungen diese Weiheit zu geben."

Ausgehend von der intensiven Erfahrung des Konklaves rief der Papst die Kardinäle zur Einheit auf. "Wir haben zusammen gebetet und brüderlich unsere Gefühle, Erfahrungen und Gedanken geteilt", so Franziskus. Der Papst blickte auf die intensiven Tage des Vorkonklaves und Konklaves zurück: "In diesem Klima großer Herzlichkeit haben wir uns besser kennengelernt und sind einander gegenüber offen geworden, und das ist gut, denn wir sind Brüder. Jemand sagte mir: die Kardinäle sind die Priester des Heiligen Vaters. Aber wir sind diese Gemeinschaft, diese Freundschaft, diese Nähe, die allen gut tun wird."

Dieses "Offenwerden", diese "Brüderlichkeit" hätten die Kardinäle für die Lenkung durch den Heiligen Geist geöffnet, blickt Franziskus auf das Konklave, das "voll von Bedeutung nicht nur für das Kardinalskollegium, sondern auch für alle Gläubigen" gewesen sei. Er verwendet hier den Begriff "Paraklet" aus dem Johannesevangelium – den beistehenden, tröstenden Heiligen Geist: "Der Paraklet schafft alle Unterschiede in der Kirche, und es scheint, er sei ein Apostel von Babel. Aber andererseits ist er es, der die Einheit dieser Unterschiede nicht in der Gleichheit, sondern in der Harmonie schafft. Ich erinnere mich an den Kirchenvater, der das so fasste: ,Ipse harmonia est’. Dieser Paraklet, der jedem von uns andere Charismen gibt, vereint uns in dieser Gemeinschaft der Kirche, die den Vater, den Sohn und Ihn, den Heiligen Geist, anbetet."

Nicht dem Pessimismus nachgeben

Ausgehend von der "authentischen und kollegialen Zuneigung", die das Kardinalskollegium vereine, gab der neue Papst seinem Willen Ausdruck, "dem Evangelium mit erneuerter Liebe" zu dienen. Der Argentinier rief hier zu einer erneuerten Evangelisierung mit vereinten Kräften auf: "Geben wir nie dem Pessimismus nach, der Bitterkeit, die uns der Teufel jeden Tag anbietet: geben wir nicht dem Pessimismus nach und der Entmutigung: Wir haben die feste Gewissheit, dass der Heilige Geist der Kirche – mit seinem mächtigem Atem – den Mut gibt, beharrlich neue Wege der Evangelisierung zu suchen, um das Evangelium bis an die letzten Enden der Welt zu tragen (At 1,8)."

Die Wahrheit der christlichen Botschaft sei bis heute unumstößlich: "Die Wahrheit des Christentums ist anziehend und überzeugend, weil die auf das tiefe Bedürfnis der menschlichen Existenz antwortet und auf überzeugende Weise verkündet, dass Christus der einzige Erlöser des ganzen Menschen und aller Menschen ist. Diese Botschaft bleibt heute wie zu Beginn des Christentums gültig, als die große missionarische Expansion des Evangeliums stattfand."

Franziskus dankte den Kardinälen für ihre Arbeit während der Zeit der Sedisvakanz und allen Vatikanmitarbeitern, die für einen reibungslosen Ablauf der Papstwahl gesorgt haben. Namentlich nannte er Kardinaldekan Angelo Sodano, den Camerlengo Tracisio Bertone und Giovanni Battista Re, der das Konklave leitete. Besonders gedachte der Papst hier den Kardinälen, die aus gesundheitlichen oder Altersgründen nicht am Konklave teilnehmen konnten wie etwa Kardinal Mejia, der am Mittwoch einen Herzinfarkt erlitten hatte und in einem römischen Krankenhaus liegt.

Besonderer Dank des neuen Papstes ging an seinen Vorgänger: "Besonders denke ich mit großer Zuneigung und tiefer Dankbarkeit an meinen ehrwürdigen Vorgänger Benedikt XVI., der in diesen Pontifikatsjahren die Kirche mit seinem Lehramt, seiner Güte, seinem Glauben, seiner Demut und seiner Milde – die ein geistliches Erbe für alle bleiben werden – bereichert und neu gestärkt hat. Er hat das Petrusamt, das er mit totaler Hingabe lebte, weise und demütig ausgeübt, mit einem immer fest auf Christus gerichteten Blick, den auferstandenen Christus, der anwesend und lebendig in der Eucharistie ist. Wir werden ihn immer mit unserem inbrünstigen Gebet begleiten, mit unserem nicht abreißenden Erinnerung und unserer unvergänglichen Anerkennung voller Zuneigung. Wir fühlen, dass Benedikt XVI. in der Tiefe unserer Herzen eine Flamme entzündet hat: sie wird weiter brennen, denn sie wird durch sein Gebet genährt, das die Kirche und ihren spirituellen und missionarischen Weg weiter unterstützen."

 

(rv)

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