Kardinal Meisner zum Konklave und zum neuen Papst

Joachim Kardinal Meisner (* 25. Dezember 1933 in Breslau, Niederschlesien) war von 1989 bis 2014 Erzbischof von Köln und Metropolit der Kölner Kirchenprovinz. Zuvor war er von 1980 bis 1989 Bischof von Berlin.

14.03.2013

Kardinal Meisner über Konklave und den neuen Papst "Ein unendlicher geistlicher Reichtum"

Es war sein zweites Konklave. Mit dem Ergebnis hat er nicht gerechnet. Es waren anstrengende Tage: Erzbischof Joachim Kardinal Meisner im Interview über das Konklave und den neuen Papst.

domradio.de: Wie haben Sie das Konklave erlebt?

Kardinal Meisner: Zuerst möchte ich einen dankbaren Gruß an das Volk Gottes in der Erzdiözese Köln ausrichten. Ich fühlte mich wirklich getragen durch das Gebet und die Fürbitte in diesen wichtigen entscheidenden Tagen! Ich habe zum zweiten Mal ein Konklave miterlebt, und ich muss sagen: In meiner fast 38-jährigen bischöflichen Tätigkeit fand ich keine Zeit so anstrengend und intensiv, wie die Konklavetage. Hier trägt man wirklich Verantwortung für die Weltkirche. Wir sind in das Konklave vielleicht mit anderen Optionen gegangen, jedenfalls hatte ich nicht die Vorstellung, dass wir einen Papst Franziskus bekommen. Der Heilige Geist hat uns wirklich bewegt, den Richtigen zu wählen und darum bin ich heute sehr, sehr dankbar, dass diese Tage hinter uns liegen, und dass so viel für uns gebetet worden ist.

domradio.de: Wie spürt man den Heiligen Geist?

Kardinal Meisner: Das ist sehr schwer rational auszudrücken. Sagen wir es so: Der Mensch denkt, Gott lenkt. In diesen Tagen habe ich das ganz deutlich erfahren. Das kann man gar nicht beschreiben. Es ist wie so oft im Leben: Man hatte Pläne und dann kommt es ganz anders, und am Ende ist es genau richtig gewesen. Am Schluss kann ich sagen: Herr, ich glaube, dass du wirklich alles richtig machst, und bin so dankbar, dass ich mitwirken durfte an dieser Papstwahl.

domradio.de: Wie haben Sie die Verwandlung von Jorge Mario Bergoglio zu Franziskus erlebt?

Kardinal Meisner: Das ist so radikal! Und zwar nicht nur im äußeren Habitus und der Kleidung, sondern so plötzlich: Der arme Mann, jeder Augenschlag und jede Handbewegung wird jetzt registriert, der kann doch jetzt gar nicht die Seele baumeln lassen und mal in den Himmel gucken, ohne dass er dabei fotografiert wird. Das ist schon eine Last, dass man so eine öffentliche Person wird. Auch innerhalb der Kirche. Da muss er sich sicherlich erst noch dran gewöhnen. Ich habe im Konklave mit ihm im Gästehaus auf dem gleichen Flur gewohnt. Das war ganz normal und jetzt, wo er Papst geworden ist, stehen zwei Schweizer Gardisten vor der Türe.

domradio.de: Wie beurteilen Sie die Namenswahl?

Kardinal Meisner: Eigentlich ist er ja ein Jesuit, da hätte er sich eigentlich z.B. Ignatius nennen müssen. Aber er ist geprägt vom Lebensstil des Heiligen Franziskus, von einem unendlichen geistlichen Reichtum und von einer sehr großen innerweltlichen Armut. Das war wohl der Akzent, er ist kein Hungerkünstler der Liebe, sondern ein Mann der Fülle Gottes. Da braucht man keine äußere Fülle, da kann man sehr bescheiden leben. Das sieht ihm also ähnlich, dass er sich Franziskus nennt.

domradio.de: Der Heilige Franziskus hatte ja den Auftrag "Bau du meine Kirche neu auf". Was muss der neue Papst jetzt anpacken?

Kardinal Meisner: Er muss keinen Neubau der Kirche in Angriff nehmen. Der Papst muss jetzt Schwachstellen finden und anpacken. Was Papst Benedikt XVI. begonnen hat, das Jahr des Glaubens, muss er vollenden. Das ist nicht nur eine Jahresarbeit, sondern das Thema schlechthin: Unsere Welt hat Gott vergessen, und damit hat sie auch die Würde des Menschen vergessen. Wie hat schon Guardini gesagt: Nur wer Gott kennt, kennt auch den Menschen. Der wichtigste Dienst, den er den Menschen der Welt schenken kann, ist es, die Welt wieder an Gott zu erinnern. Das wird er sehr deutlich tun, das hat er schon gestern auf dem Balkon getan. Er hat als erster Papst in dieser Situation einfach schlicht das Vater Unser und das Ave Maria mit den Gläubigen auf dem Petersplatz gebetet. Dann hat er die Menschen gesegnet.

domradio.de: Wie gut kennen Sie Franziskus?

Kardinal Meisner: Menschlich gesehen kaum, ich bin ihm im vorigen Konklave begegnet und habe von ihm etwas gelesen. Ich habe ihn jetzt im Vorkonklave wieder erlebt. So nahe wie Johannes Paul II. und Benedikt XVI. steht er mir nicht. Das ist eine neue Erfahrung. Unser Treueversprechen hat er nicht auf der Kathedra entgegengenommen, sondern er stand unten und hat uns umarmt. Er hat auf deutsch zu mir gesagt: Herr Kardinal, beten Sie für mich, ich brauche das Gebet sehr. Ich habe ihm gesagt: Sie können sich auf mich verlassen, ich werde Ihnen die gleiche Zuneigung und Solidarität entgegenbringen, wie Ihrem Vorgänger.

domradio.de: Was geben Sie dem neuen Papst mit auf den Weg?

Kardinal Meisner: Das Versprechen, dass wir zu ihm stehen, weil er der Petrus ist, auf dessen Fundament Christus seine Kirche gestellt hat. Und ich lade alle Kölner am Samstag, den 13. April um 18.30, Uhr in den Kölner Dom ein zu einem Dank- und Bittgottesdienst für den Heiligen Vater. Ich habe ganz besonders alle unserer Kirchenchöre eingeladen. Wir wollen gemeinsam wieder die Krönungsmesse feiern. Ich freue mich schon darauf.

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