14.02.2013

Das Kloster der Vatikanischen Gärten Einsiedler im Herzen des Vatikan

Das Herz der Kirche sei dort, wo gebetet wird, predigte Benedikt XVI. immer wieder. Dieser Mahnung folgt er jetzt: Nach seinem Amtsverzicht zieht er sich in das Kloster des Vatikans zurück. Es heißt "Mater Ecclesiae", "Mutter der Kirche".

Sein Refugium sah Joseph Ratzinger früher oft beim Spazierengehen auf dem Hang des Vatikanhügels. Als Papst pflegte er nachmittags nahe der Lourdes-Grotte ein paar Schritte an frischer Luft zu tun, den Rosenkranz betend und begleitet von seinen Privatsekretären Georg Gänswein und Alfred Xuereb.

Das Kloster liegt praktisch inmitten der Vatikanischen Gärten und doch in einem ruhigen Winkel. Abends leuchtet über den Zypressen die Kuppel des Petersdoms im letzten Sonnenlicht, und nach hinten heraus erstreckt sich der kleine vatikanische Wald, dessen Bäume im Herbst buntes Laub tragen, fast wie in Deutschland.

Johannes Paul II. (1978-2005) hatte einen Konvent im Vatikan gewünscht, eine Stätte für Klausurschwestern, die strengste, abgeschiedenste Form katholischer Frauenorden. Es sollte eine Erinnerung sein, dass die Zentrale der Kirche nicht in Verwaltung aufgehen darf. Das Kloster war nicht als "Nice-to-have" gedacht, sondern als ein Herzstück. Es war ein Appell zur Entweltlichung, lange bevor Benedikt XVI. in seiner Freiburger Konzerthausrede dieses Programmwort ausgab.

1992 bauten die Technischen Dienste des Vatikan das ehemalige Gärtnerhaus um: eine nüchterne Fassade aus braunen Ziegeln und weißen Travertinbändern, ein flacher Giebel über der Kapelle, den ein Aufsatz mit Glocke krönt. Eine Loggia gestattet ein paar geschützte Schritte auch bei Regen, und eine Hecke schirmt vor Blicken ab. Italienische Zweckarchitektur, unaufregend, aber angemessen für eine Einsiedelei.

"Zentrum der Stille, der Buße und des Gebetes"

Als ein "Zentrum der Stille, der Buße und des Gebetes" weihte Johannes Paul II. den Komplex 1994 ein. Es war der 13. Mai, Jahrestag des Ali-Agca-Attentates von 1981 und Jahrestag der ersten Marienerscheinung von Fatima 1917. Sieben bis acht Nonnen unterschiedlicher Nationalität übten seitdem hier ihren schweigenden Dienst aus. Die Gemeinschaften wechselten alle fünf Jahre - Klarissen, Benediktinerinnen, zuletzt Salesianerinnen. Als sie im Herbst 2012 auszogen, stand die Frage der Neubesetzung im Raum. Sie blieb unbeantwortet.

Seit dem Winter sind wieder Handwerker zugange, um das Haus mit seinen zwölf Klosterzellen und 450 Quadratmetern Nutzfläche zum Alterssitz des Ratzinger-Papstes umzugestalten. Krankenzimmer, Vorratsraum, eine große Küche, Speisesaal, Büro und Archivraum bestanden bereits. Ob es ein Klavierzimmer oder einen Fitnessraum geben wird; was für eine Bibliothek sich der frühere Theologieprofessor wünscht; inwieweit die Wohnung senioren- und behindertengerecht mit Aufzug und breiten Türen ausgestattet wird - darüber liegt noch der Schleier der Diskretion.

Alles in allem keine Luxussanierung: "Das neue Haus des Papstes wird kostengünstig", erklärte Vatikansprecher Federico Lombardi. "Er hat in diesen Jahren gezeigt, dass er keine besonderen Ansprüche hat." Natürlich wird der bald 86-Jährige Haushälterinnen haben. Aber offen ist, ob seine bisherigen vier Mitarbeiterinnen der "Memores Domini" aus dem Apostolischen Palast mit ihm umziehen.

Für die frugalen Mahlzeiten kann sich Benedikt XVI. bald aus dem eigenen Garten bedienen: Vor kühlen Winden geschützt, gedeihen in den Beeten entlang der alten leoninischen Vatikanmauer Zucchini, Kürbisse und Auberginen, alles ohne Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel. Schon früher, heißt es, schätzte der Papst selbstgemachte Orangenmarmelade aus dem Klostergärtlein auf dem Frühstückstisch. Im Frühling schon, wenn es mit dem Umbau klappt, wird der alte Papst sich an den Blüten vor dem Fenster freuen. Der Name der Rose: "Papa Giovanni Paolo II".

 

Burkhard Jürgens
(KNA)

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