Griechisch-orthodoxe Osternacht (Archiv)
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Griechisch-Orthodox
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06.04.2021

Warum jeder Grieche dieses Osterlied kennt Christos anesti

Beim Osterfest der orthodoxen Christen, in diesem Jahr Anfang Mai, erklingt das Lied Christos anesti. Buchstäblich jeder Grieche kennt es. Warum, das erzählt uns die deutsche Musiklehrerin Nicole Katsaras, die auf Naxos lebt. 

DOMRADIO.DE: Was ist für die Griechen das wichtigste Osterlied?

Nicole Katsaras (diplomierte Lehrerin für byzantinische Musik): Für jeden Griechen, egal ob gläubig oder nicht gläubig, ist es die Auferstehungs-Hymne Christos anesti, Christus ist auferstanden.

DOMRADIO.DE: Warum kennt dieses Lied jeder?

Katsaras: Die Haupt-Ostermesse ist in der Nacht vom Samstag auf Sonntag. Kurz vor Mitternacht versammelt sich jeder, der laufen kann, vor seiner Dorfkirche, um dann um Punkt 12 Uhr die Hymnie Christos anesti zu hören. Dann läuten die Glocken Sturm und das Geböller geht los. Das Lied steht im Mittelpunkt. Es lautet übersetzt so: "Christus ist von den Toten auferstanden. Er hat durch den Tod den Tod besiegt und den in den Gräbern Liegenden das Leben geschenkt."

DOMRADIO.DE: Sie haben von Böllern gesprochen. Böllern die Griechen wie wir an Silvester?

Katsaras: Ja, aber ohne Feuerwerk, was den Himmel erhellt. Dafür haben wir ja das Osterfeuer und die Kerzen. Es wird ordentlich Krach gemacht.

DOMRADIO.DE: Das Lied singen auch ungläubige Griechen?

Katsaras: Ja, wirklich jeder. Und in den Tagen bis Christi Himmelfahrt fängt jeder Gottesdienst damit an. Und hört damit auch wieder auf.

DOMRADIO.DE: Was bedeutet das Stück musikalisch?

Katsaras: Zur Komposition dieses Liedes wurde die erste Tonart der byzantinischen Musik verwendet. Sie steht für ein freudiges, prachtvolles und sogar majestätisches Ausdrucksvermögen.

DOMRADIO.DE: Es gibt also nicht nur Dur und Moll?

Katsaras: Zunächst muss man wissen, dass die byzantinische Musik rein für den liturgischen Gebrauch verwendet wird. Sie kommt aus dem antiken Griechenland und hat einfach noch andere Hörvarianten. In unserer westlichen Musik gibt es Ganztöne und Halbtöne. In der byzantinischen Musik haben wir noch Zwischentöne zwischen dem Halbton und Ganzton. Töne, die kleiner sind als der Halbton und auch noch um einiges größer als der Ganzton. Das bringt eine ganz andere akustische Vielfalt rein. Es werden vier verschiedene Tonleitern gebildet und je nachdem, welche Tonleiter benutzt wird, gibt es acht verschiedene Tonarten. 

DOMRADIO.DE: Verschiedene Tonarten, mehr Zwischentöne, macht das auch etwas mit dem Gefühl?

Katsaras: Ja, bin ich in einem freudigen Text und habe eine freudige Tonart, die wachrüttelt, kann ich dennoch zwischendurch wechseln und etwas Trauriges einschieben.

DOMRADIO.DE: Das geht schon mal ans Gemüt, richtig?

Katsaras: Es gibt dabei drei verschiedene Grundmuster. Sie wirken auf der einen Seite beruhigend, dann aktivierend, belebend oder auch einfach tragend. Die chromatischen Tonleitern drücken Freude, Glanz, Ernsthaftigkeit, Traurigkeit, Wehmut aus. Die Intervalle erinnern auch an die anatolische Musik, die sehr tragend und wehleidig klingt. 

Das Gespräch führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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