Christen feiern das Fest der Auferstehung bis Pfingsten

Ostern hat gerade erst angefangen

Die großen Feierlichkeiten der Kar- und Ostertage liegen hinter uns, und dennoch dürfen wir uns noch immer ein frohes Osterfest wünschen. Denn vorbei, sagt DOMRADIO.DE-Liturgieexperte Jan Hendrik Stens, ist Ostern noch lange nicht.

Leuchtende Osterkerze / © Harald Oppitz (KNA)
Leuchtende Osterkerze / © Harald Oppitz ( KNA )

DOMRADIO.DE: Wie lange feiern wir als Christen Ostern?

Jan Hendrik Stens / © Nicolas Ottersbach (DR)
Jan Hendrik Stens / © Nicolas Ottersbach ( DR )

Jan Hendrik Stens (Liturgieredaktion DOMRADIO.DE): Die Osterzeit dauert genau 50 Tage, also bis Pfingsten. Und in der Zeit kann man sich auch "Frohe Ostern" wünschen, wobei man sich gegen Ende eher "Frohe Pfingsten" wünscht.

DOMRADIO.DE: Ähnlich wie die Frage, wie lange man sich ein frohes neues Jahr wünscht...

Stens: Ja genau, der Übergang ist fließend.

DOMRADIO.DE: Die Liturgie sagt uns, dass jeder einzelne Tag bis zum Weißen Sonntag ein Hochfest ist. Es sind aber Wochentage – wie drückt sich das aus?

Stens: Das hängt damit zusammen, dass das große Vorbild des Osterfestes das jüdische Pessachfest ist. Das ist die historische Vorlage von den Geschehnissen, die in Jerusalem vor 2.000 Jahren stattgefunden haben. Und das jüdische Pessachfest dauert auch acht Tage. Es ist also ein Fest, das so wichtig ist, dass es acht Tage hindurch gefeiert wird.

Nach diesem Vorbild feiern wir unsere ganz großen Feste auch acht Tage, eine Oktav lang. Die Osteroktav dauert vom Ostersonntag bis zum sogenannten Weißen Sonntag. Eine ganze Woche lang dauert also dieser Ostersonntag oder diese Woche ist jeder Tag ein Sonntag. 

DOMRADIO.DE: Wie kann ich das begehen?

Stens: Da es eine liturgische Einheit ist, ist es sinnvoll, die Liturgie der Kirche mitzufeiern, zum Beispiel das Stundengebet. Da ist es tatsächlich so, dass jeden Morgen in den Laudes – im Morgengebet – die Psalmen und die Antiphonen immer identisch sind, immer gleich.

Ebenso verhält es sich mit den Psalmen und Antiphonen der Vesper, des Abendgebets, die auch eine Woche lang die gleichen sind. Und auch die Komplet (Nachtgebet) ist immer die gleiche, immer die vom Sonntag. Und in den Messfeiern in der Kirche wird immer der Gloria-Hymnus gesungen, jeden Tag. Jeden Tag hören wir eine andere Episode aus den Evangelien von der Auferstehung, wie Jesus dann auch den Zwölf oder Maria Magdalena begegnet ist. 

Ostern

An Ostern feiern Christen ihr wichtigstes Fest: die Auferstehung Jesu am dritten Tag nach dem Tod am Kreuz. Die Botschaft von Kreuz und Auferstehung ist das Fundament ihres Glaubens. Kerngehalt ist, "dass am Ende das Leben über den Tod, die Wahrheit über die Lüge, die Gerechtigkeit über das Unrecht, die Liebe über den Hass und selbst über den Tod siegen wird", so der katholische Katechismus.

Seit dem Konzil von Nizäa im Jahre 325 wird das älteste Fest der Christenheit am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert.

Osterkerzen / © Harald Oppitz (KNA)
Osterkerzen / © Harald Oppitz ( KNA )

DOMRADIO.DE: Bei orthodoxen Christen ist ja erst am kommenden Sonntag der Ostersonntag. Warum ist das so, dass die manchmal zu einem anderen Zeitpunkt als wir Ostern feiern?

Stens: Das hängt damit zusammen, dass wir in der Westkirche nach dem Gregorianischen Kalender feiern. Es hatte im 16. Jahrhundert eine Kalenderreform gegeben, und die Ostkirche, die zu diesem Zeitpunkt schon von uns getrennt war, die richtet sich noch nach dem alten Julianischen Kalender, der auf Julius Cäsar zurückgeht. Daher kommt es hier immer wieder zu unterschiedlichen Osterterminen.

Es gibt aber auch Jahre, da ist der Ostertermin zusammen. Das nächste Mal wird es wieder 2025 so sein. Das kann also tatsächlich um einige Wochen voneinander abweichen und in diesem Jahr ist es genau eine Woche, also wir begegnen uns am Weißen Sonntag. Das ist unser letzter Oktav-Tag, das ist dann bei den Orthodoxen der erste. Eine leichte Überschneidung haben wir also in diesem Jahr.

DOMRADIO.DE: Für uns ist dann der nächste Höhepunkt im Kirchenjahr, auf den wir uns freuen können, Christi Himmelfahrt. Was machen wir bis dahin?

Stens: Ostern feiern! Christi Himmelfahrt ist ja 40 Tage nach der Auferstehung. In dieser Zeit hören wir in den Lesungstexten sehr viel von den Abschiedsreden Jesu an seine Jünger. Das ist die Zeit, wo der Auferstandene noch leibhaftig auf dieser Erde weilt und den Jüngern dann am Himmelfahrtstag den Auftrag gibt, in alle Welt zu gehen und alle Völker zu Jüngern zu machen (vgl. Mk 16). Und Pfingsten kommt dann der Heilige Geist, den er aussendet.

Das Gespräch führte Uta Vorbrodt.

 

Quelle:
DR