16.04.2017

In Oster-Gottesdienste an Syrien und Anschläge gegen Kopten erinnert Kirchen rufen zu Hoffnung trotz Terror auf

Ostern steht in christlicher Sicht für das Leben: So fordern die evangelische, katholische und orthodoxe Kirche an diesem Feiertag einen versöhnlichen Neuanfang in Syrien und rufen zu Furchtlosigkeit gegenüber dem Terrorismus auf.

Angesichts von Terroranschlägen und des brutalen Bürgerkriegs in Syrien haben die Kirchen an Ostern zu Hoffnung und Neubeginn aufgerufen. Das Fest der Auferstehung Jesu Christi sei die "Chance für einen Neubeginn", sagte Berlins evangelischer Bischof Markus Dröge. Wer davon höre, fange neu an zu vertrauen, Liebe zu üben und Gewalt und Hass zu überwinden. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx forderte einen Waffenstillstand in Syrien und Widerstand gegen Terroristen, die wie in Ägypten auch versuchten, Religionen gegeneinander aufzuhetzen.

Ostern sei "ein Aufstand Gottes gegen alle Mächte der Gewalt, ein Aufstand gegen den Tod", sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz im Interview der Woche des Deutschlandfunks, das am Ostersonntag gesendet wurde. Daher müsse angesichts des weltweiten Terrors niemand verzweifeln. Wenn man resigniere, hätten die Terroristen ihr Ziel erreicht. An die Großmächte appellierte er, die Konfliktparteien in Syrien "an einen Tisch zu zwingen". Zu Verhandlungen gebe es keine Alternative.

Bedford-Strohm: "Ostern will Mut machen"

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, erklärte, angesichts von Terror, Krieg und Krankheit seien Ermutigung und Stärkung in diesen Tagen besonders wichtig. Ostern wolle den Menschen Mut machen. Kern der Osterbotschaft sei, "dass am Ende nicht Hass und Tod siegen werden, sondern das Leben".

An verfolgte und bedrohte Christen weltweit erinnerte auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger kritisierte, dass einige wenige Menschen die eigenen Machtinteressen über das Leben unschuldiger Kinder, Frauen und Männer stellten. Er erinnerte an die Terroranschläge in St. Petersburg, Stockholm und auf Kirchen in Ägypten sowie an die Opfer der Hungerkatastrophe in Ostafrika und den Krieg in Syrien.

Ostern als Einladung für "Kultur des Humanen"

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße bezeichnete Ostern als "Begründung und Einladung dafür, die Kultur des Humanen zu bewahren und zu stärken". Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker rief dazu auf, sich für das menschliche Leben zu engagieren. Er nannte es wichtig, "sich stark zu machen für die Würde von Kindern, Behinderten, psychisch Kranken und ihren Angehörigen".

Berlins Erzbischof Heiner Koch würdigte die Erfolge der modernen Forschung. Sie würden jedoch von der Gefahr der Selbstüberschätzung und Selbstüberforderung begleitet. Die Lebenserfahrung lehre jedoch, "dass erfüllt zu leben nicht bedeutet, alles leben zu können, sondern in und mit seinen Grenzen erfüllt zu leben".

Fest bleiben in Glaube und Hoffnung

Der Bischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Anba Damian, rief dazu auf, auf die Terroranschläge in Ägypten nicht mit Hass zu reagieren. Die Anschläge sollten Aggression, Angst und Hass säen, sagte Damian in seiner am Sonntag in Höxter veröffentlichten Osterbotschaft: "Doch wir bleiben fest in unserem Glauben, in unserer Liebe und in unserer Hoffnung." Christen müssten ihre Welt vor Gewalt und Zerstörung bewahren.

Der Koptenbischof rief zum Gebet für die bedrohten Christen in Ägypten auf. Gebetet werden solle aber auch für die Gewalttäter, "dass ihre Herzen das Böse erkennen und sich zum Guten wenden", sagte Damian. Bei zwei Anschlägen auf koptische Kirchen waren am Palmsonntag in Ägypten 46 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden.

Becker: "Widerspruch gegen den Tod"

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker hat Ostern als Einladung zu einem Traum vom Leben bezeichnet. Es gehe um ein Leben, das angstfrei sein solle, in dem niemand mehr von bösen Blicken oder von Gewalt bedrängt werde, sagte Becker am Sonntag im Gottesdienst im Paderborner Dom. Dieser Traum sei keine Utopie, sondern Gottes Verheißung.

An Ostern werde nicht der Starke oder der Held geehrt, sagte Becker weiter laut Predigtext. Jesus sei gestorben und habe sich das Leben schenken lassen. Die grundlegende Botschaft von Ostern sei es, dass der Mensch das Leben nicht alleine schaffen müsse. Er werde zum Leben durch Gott getragen. Ostern öffne den Blick, betonte Becker. Das Leben sei nicht ein dauerndes Sterben: "Der ewige Gott legt in der Auferstehung Jesu Widerspruch gegen den Tod ein."

"Immer noch werden Menschen, ja Völker ans Kreuz geschlagen"

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat zu Ostern betont, dass der Tod aus christlicher Sicht nicht das Ende ist. "Selbst wenn in unserem Leben manches misslingen und schiefgehen mag, ein letztes Scheitern gibt es nicht", sagte Woelki in seiner Predigt am Ostersonntag im Kölner Dom. So wie Gott den Tod von Jesus Christus am Kreuz in Auferstehung verwandelt habe, so werde er auch das Sterben der Gläubigen in Leben verwandeln.

Jesus habe die Hölle durchgemacht und sei auferstanden, sagte der Kölner Erzbischof laut Predigttext. Er sei auch heute bei den Menschen, "nicht nur als ein über alles erhabener Gott aus der Höhe", sondern "auch als ein menschlicher Gott aus der Tiefe". "Mit dieser Botschaft von Ostern, der Auferstehung Christi und unserer Auferstehung in ihm, trägt das Christentum das größte Hoffnungspotenzial in sich", sagte Woelki.

"Gottes Liebe stemmt sich gegen den Terror"

Die Hoffnung nicht aufzugeben, mahnte auch der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad in seiner Predigt in der Speyerer Gedächtniskirche. Der christliche Glaube an Gottes Liebe stemme sich gegen den Schrecken von Terror, Tod und Gewalt. Der Terror in Europa wolle das friedliche Zusammenleben von Christen und Muslimen zerstören. Dem "Bann der Angst" dürfe sich die Gesellschaft nicht hingeben.

Ostern ist das älteste und wichtigste Fest der Christenheit. Es erinnert an die Mitte des christlichen Glaubens, die Auferstehung Jesu Christi von den Toten nach seinem Leiden und Sterben am Kreuz. Das Osterfest steht daher für den Sieg des Lebens über den Tod.

Rheinischer Präses: Von Ängsten nicht lähmen lassen

Der rheinische Präses Manfred Rekowski hat zu Ostern dazu aufgerufen, sich nicht von Ängsten und Gefahren lähmen zu lassen. Er habe den Eindruck, dass Angst für viele Menschen in Deutschland zum beherrschenden Lebensgefühl geworden sei, sagte er in seiner Predigt am Ostersonntag in Wuppertal. Er sprach von Ängsten vor einem Verlust eines sicher geglaubten Lebensstandards und davor, "im eigenen Land nicht mehr zu Hause sein zu können, wenn Flüchtlinge und Migranten in unser Land kommen".

Auch ihm selbst sei Furcht nicht fremd, sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland laut Predigttext. Als er kurz vor Weihnachten vom Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt erfahren habe, nur wenige Meter vom Arbeitsplatz seiner Tochter entfernt, habe auch ihn die Angst gepackt. "Ebenso wie bei den Nachrichten vom letzten Sonntag, als mehr als 40 Gottesdienst feiernde koptische Christen in Ägypten durch Anschläge getötet wurden", erklärte Rekowski.

Aufruf zu Mut und Lebensfreude

Die Osterbotschaft bedeute zwar nicht: "Alles ist in Ordnung, eure Ängste sind unbegründe", sagte er. "Damit wird nicht alles, was uns ängstigen mag, beiseite gewischt. Aber die neuen Lebensmöglichkeiten des Auferstandenen brechen die Starre unserer Angst auf und wir sehen Möglichkeiten eines neuen Miteinanders." Das "Wagnis eines offenen Lebens" werde möglich, und es entstehe Mut zu einem ersten Schritt.

Die Ostererfahrung lehre nicht, vor Gefahren die Augen zu verschließen, betonte der Präses: "Den Blick auf die Gräber müssen wir aushalten." Doch rufe sie zu Mut und Lebensfreude auf. "Wir werden gegen die Hoffnungslosigkeit in uns und um uns herum ankämpfen", sagte Rekowski. "Manchmal können wir nicht mehr tun, als nur in guter Hoffnung auszuhalten. Wir werden den Mut nicht auf Dauer verlieren."

Tod ist Realität

Münsters Bischof Felix Genn verwies am Ostersonntag auf den Gegensatz zwischen der Wirklichkeit und dem Osterglauben. In der Realität herrsche die Macht des Todes. "Wir brauchen nur an die Unzähligen zu denken, die in den letzten Jahren im Syrien-Krieg oder bis in die jüngste Vergangenheit hinein durch Terroranschläge umgekommen sind."

Mit Blick auf die Auferstehung Jesu sprach Genn von der großen Macht der Liebe, die den Tod in Leben umwandeln könne. "Wir haben den Trumps und Putins, den Erdogans und allen Machtpolitikern genau das gegenzuhalten." Nur durch diese Macht der Liebe werde die Welt wirklich gerettet.

(epd, KNA)

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