Während der Restaurierungsarbeiten in der Grabeskirche
Während der Restaurierungsarbeiten in der Grabeskirche
Renardo Schlegelmilch
Renardo Schlegelmilch

02.04.2017

domradio.de berichtet live vor Ort Ostern in Jerusalem

Das höchste Fest der Christenheit steht an. Zu Ostern berichtet domradio.de mit Reporter Renardo Schlegelmilch live aus Jerusalem. Ihre Gebetsanliegen nehmen wir mit. Ein Ausblick auf die Kar- und Ostertage in der heiligen Stadt.

domradio.de: Ostern in Jerusalem mit domradio.de, was heißt das?

Renardo Schlegelmilch (domradio.de-Reporter in Jerusalem): Wir haben uns überlegt, wir berichten so viel über die Feierlichkeiten des Osterfestes als höchstes Fest der Christenheit, dass wir dieses Jahr mal zum Ort des Geschehens wollen. Nach dem vergangenen Osterfest haben wir mit den Brüdern der Dormitio-Abtei auf dem Berg Zion gesprochen, mit denen wir guten Kontakt haben, und haben gefragt ob wir nicht mal vorbei kommen und mitfeiern können. Ein Gästezimmer war frei, dann haben wir das abgemacht und kommendes Wochenende mache ich mich dann auf den Weg nach Jerusalem und berichte von Palmsonntag bis Ostermontag von den Feierlichkeiten der Kar- und Ostertage im Radio und online.

domradio.de: In ein paar Tagen geht es für dich los, schon Vorfreunde oder Aufregung?

Schlegelmilch: Auf alle Fälle! Einerseits ist es sowieso schon ein Erlebnis ins Heilige Land zu fahren, ich war noch nie in Israel. Das alles dann noch zu Ostern, dem höchsten Fest der Christenheit wird sicher ein ganz besonderes Erlebnis. Der Kreuzweg auf der Via Dolorosa, Golgota, die Grabeskirche, das alles an den Tagen zu sehen wo auch noch Pilger aus der ganzen Welt kommen. Das wird ein großes Erlebnis.

domradio.de: Was wird das Besondere daran sein?

Schlegelmilch: Wir werden in Jerusalem das Osterfest genau so feiern wie im Rest der Welt, aber die Orte, die in den Lesungen und im Evangelium erwähnt sind, sind direkt ein oder zwei Straßen weiter. Die Geschichten die wir zu Ostern hören sind dort nicht nur Worte und Orte, sondern sind für Jerusalem historische Ereignisse, die sich wirklich hier vor 2000 Jahren zugetragen haben. Jesus hat auf der Via Dolorosa vor 2000 Jahren sein Kreuz getragen, heute ist da vielleicht ein Kiosk oder eine Würstchenbude. Das ist ein interessantes Spannungsfeld.

domradio.de: Du verbringst die Kar- und Ostertage in der Dormitio-Abtei auf dem Berg Zion, wie wird da dein Alltag aussehen?

Schlegelmilch: So wie der, der Benediktiner-Brüder, was in den Ostertagen sicherlich nicht unanstrengend sein wird. Die Osternacht geht von drei Uhr bis knapp sieben Uhr morgens, in der Nacht wird es dann auch noch Gebete geben, Schlaf wird es also in dieser Zeit wenig geben. Es wird sicher ein ruhiger Tagesablauf sein, zumindest in der Abtei selbst. Internet- und Telefonverbindung ist allerdings schon organisiert, dass ich zeitnah dann alle Eindrücke in die Redaktion schicken kann.

domradio.de: Was erwartest du von Jerusalem? Wird es voller als sonst? Zum Beispiel wurde die Grabeskirche ja gerade frisch renoviert.

Schlegelmilch: Es gibt sogar zwei Gründe, warum es in diesem Jahr wahrscheinlich besonders voll wird in den Straßen. Einerseits die Grabeskirche, die vor ein paar Tagen nach langen Renovierungsarbeiten wieder eröffnet wurde. Das erste Mal seit 70 Jahren wurde der Innenraum renoviert, steht jetzt ohne Gerüst da. Diese Renovierung war lange Zeit ein Politikum, da die Kirche von mehreren Konfessionen gemeinsam getragen wird. Da gibt es vielleicht Ärger mit den Orthodoxen, wenn die Katholiken jetzt sagen: Wir zahlen das alles. Da hat man sich allerdings geeinigt, nach fast einem Jahr Renovierung ist die Kirche jetzt wieder für alle geöffnet und sieht zum Osterfest das erste Mal wieder große Gruppen von Pilgern und Touristen. Es gibt aber noch einen zweiten Grund, warum es in Jerusalem voll werden wird. Das Osterfest der westlichen Kirchen und der orthodoxen fällt in diesem Jahr auf den gleichen Termin. Das wird erst wieder 2025 der Fall sein. Die orthodoxen Christen sind sowieso etwas pilger-freudiger, das heißt viel mehr orthodoxe Christen werden das Stadtbild prägen. Gemeinsam mit den Katholiken, Protestanten und anderen Konfessionen wird es sicher voll werden.

Das Interview führte Matthias Friebe.

(dr)

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