Ansprache Kardinal Marx
Ansprache Kardinal Marx
Bischof Franz-Josef Bode
Bischof Franz-Josef Bode
Hamburgs Erzbischof Stefan Heße
Hamburgs Erzbischof Stefan Heße
Heinrich Bedford-Strohm
Heinrich Bedford-Strohm
Bischof Stephan Ackermann
Bischof Stephan Ackermann
Sozialbischof Overbeck
Sozialbischof Overbeck

27.03.2016

Osterbotschaften: Bischöfe rufen zu Zuversicht auf Hoffnung trotz Terror nicht verlieren

Die Osterbotschaften der Kirchen stehen in diesem Jahr unter dem Eindruck der Anschläge von Brüssel. Terror und Gewalt widersprechen dem Willen Gottes, mahnen die Bischöfe.

Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben in ihren Osterbotschaften angesichts der Terrorgefahr vor Resignation gewarnt. Viele Bischöfe verurteilten zugleich Terrorismus und Gewalt. Ostern sei ein Symbol für Optimismus, Zuversicht und Leben. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz mit Sitz in Bonn, Kardinal Reinhard Marx, rief die Christen dazu auf, Hoffnung in die Welt zu tragen. Angesichts der aktuellen Bedrohungen durch Terror und Gewalt sollten Christen als "Vorhut Gottes" aufstehen gegen die Angst und gegen die Rhetorik der Ausgrenzung, betonte Marx laut einem vorab verbreiteten Manuskript seiner Osterpredigt.

Der Münchener Kardinal fügte hinzu, Terror und Gewalt könnten jedoch nicht durch eine "einfache Hoffnungsrhetorik" überwunden werden. Deswegen müssten die Christen mit ihrem Leben einstehen für die Glaubwürdigkeit dieser Hoffnungsbotschaft. Dazu gehöre auch, dass sie sich aktiv in die gesellschaftlichen und politischen Debatten einmischen, erklärte er. Sie dürften nicht nur "kritisierend am Wegrand" stehen, sondern müssten Träger einer Kultur der Hoffnung sein, die vom Evangelium inspiriert ist.

Bischof Bode: Nicht resignieren

Angesichts des Terrors in Brüssel und der Herausforderungen durch Flüchtlinge hat der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode dazu aufgerufen, nicht zu resignieren. "Das Osterfest verbietet es uns, die Hoffnung aufzugeben, damit wir fähig bleiben, eine menschenwürdige Gesellschaft zu schaffen", sagte er in der Osternachtfeier am Karsamstagabend im Osnabrücker Dom.

Wer an die Auferstehung des gekreuzigten Jesus glaube, verstehe zwar auch Leid, Not und Tod nicht besser als andere. Aber er könne das Leben besser bestehen, weil er es in Glaube, Liebe und Hoffnung lebe.
"Nicht die, deren Wirklichkeit mit dem Tod alles aus sein lässt, sind die Realisten, sondern die, die der Realität des Lebens trauen, das nicht mit dem Tod endet", so Bode.

Bischof Heße: Österliche Dimension in den Alltag bringen

Ostern fordert uns auf, unsere Lebenszeit für die Qualität Ewigkeit zu öffnen", sagte Hamburgs Erzbischof Stefan Heße. Christen sollten wie die Jünger Jesu immer im "Jetzt" Gottes leben. Dieses österliche Konzept unterscheide sich grundsätzlich von den Brüsseler Terrorakten, sagte Heße. "Als Christen wollen wir so etwas gerade nicht. Wir stehen zu unserer europäisch-christlichen Tradition und wollen alles tun, um sie weiter zu gestalten, um sie weiter zu
leben." Es gelte, die österliche Dimension in das alltägliche Leben einzubringen und es so zu bereichern - zum Wohle aller Menschen.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann sprach sich für mehr Gesprächs- und Versöhnungsbereitschaft aus. "Die Anwendung von Gewalt kann der Gewalt und dem Bösen allenfalls eine Schranke setzen, aber nicht mehr", sagte er in der Osternacht im Trierer Dom. Nur die Liebe könne die Welt zum Guten verändern, auch wenn dies zunächst romantisch, weltfremd, unterkomplex und naiv erscheine. Gerade in der Kirche könnten die Menschen aber daran arbeiten, "dass mitten in einer Welt von Konflikten, Egoismen und Gewalt Inseln des Respekts, der Großzügigkeit und des Miteinanders entstehen", erklärte
Ackermann.

Overbeck: Mut zu Veränderungen

Der Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck warb in seiner Predigt in der Osternacht für mehr Offenheit und Mut zu Veränderungen. "Wir dürfen uns nicht in Angst verkriechen, nicht in Abschottung, nicht in Grenzschließungen, sondern wir dürfen offen sein für Neues", sagte Overbeck am Samstagabend laut Redetext im Essener Dom. Ostern sei in einer Welt mit unzähligen Veränderungsprozessen und der oft verständlichen Angst vor "unübersichtlicher Globalisierung, vor Verfremdung" ein Weckruf zu neuem Mut. "Ich bin der festen Überzeugung, dass unsere Kultur die Kraft und wir Menschen die innere
Energie zu solchen Veränderungsprozessen haben", betonte Overbeck.

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker sprach sich gegen den Missbrauch des christlichen Glaubens für "Stimmungsmache gegen Ausländer und Flüchtlinge" aus. "Für mich sind Fremdenfeindlichkeit und Rassismus mit dem christlichen Menschenbild unvereinbar", sagte er der Bielefelder "Westfalenpost" (Samstagsausgabe). Ängste, Befürchtungen, Ratlosigkeit und Überforderung müssten allerdings angesprochen werden.

Nach den Worten des Freiburger Erzbischofs Stephan Burger kann die Osterbotschaft "durch nichts und niemanden weggebombt werden". Sie nehme stattdessen Christen in die Pflicht, "dem menschlichen Elend abzuhelfen, ob bei uns oder in den Krisengebieten dieser Erde".

Bedford-Strohm: "Überseht die Zeichen der Hoffnung nicht!"

Es mache ihn "zornig, wenn sich Terroristen auf Gott berufen", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, in einem Interview der Zeitung "Die Welt" (Samstagsausgabe). Terrorismus im Namen der Religion sei "Gotteslästerung".

Der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm ermutigte in seiner Osterbotschaft, angesichts von Terror, Not und Gewalt auf hoffnungsvolle Zeichen zu achten. Dazu könnten der teilweise Waffenstillstand in Syrien, "den keiner für möglich gehalten hat", und die Ergebnisse der Klimakonferenz in Paris gehören. "Überseht die Zeichen der Hoffnung nicht!", mahnte Bedford-Strohm.

Der Lutherische Weltbund rief die Christen auf, für Flüchtlinge und andere Menschen in Not einzutreten. Christen sollten ihren bedürftigen Mitmenschen mit Respekt begegnen und auf alle «mögliche Weise helfen», erklärte der  Weltbund am Samstag in Genf. Der Lutherische Weltbund ist ein Netzwerk von 145 Kirchen in 98 Ländern.

(KNA, epd)

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