Katholiken feiern Ostern in Jerusalem

"Die Welt erwartet viel von uns"

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, rief bei dem Gottesdienst in der Grabeskirche dazu auf, angesichts einer "Welt in Flammen", die Osterbotschaft an alle Menschen weiterzutragen.

Der Lateinische Patriarch Fouad Twal in der Grabeskirche / © Fadi Arouri (dpa)
Der Lateinische Patriarch Fouad Twal in der Grabeskirche / © Fadi Arouri ( dpa )

Die Osterbotschaft richte sich gleichermaßen an Christen, Juden, Muslime, Gläubige und Atheisten, betonte der Lateinische Patriarch von Jerusalem. Vor allem die Jugend leide unter Gewalt und Hoffnungslosigkeit und dürste "nach einer neuen Welt der Gerechtigkeit, der Würde und des Friedens für alle", so das Katholikenoberhaupt. Christen dürften nicht untätig bleiben. "Die Welt erwartet viel von uns", sagte Twal.

Der lateinische Patriarch Fouad Twal zelebrierte in der Grabeskirche in Jerusalem eine Messe zur Auferstehung von Jesus Christus. In seiner Osterbotschaft erinnerte er an die Terroranschläge in Belgien: Der Schmerz "über diese Tragödie durchbohrt unser aller Herzen, rund um die Welt", sagte Twal. Er bete, dass die Hoffnung der Auferstehung die "Wunden und gebrochenen Herzen" der Betroffenen heilen könne.

Messe am Ölberg und "Emmausmärsche"

An der Kapelle des Heiligen Grabes, wo der Überlieferung nach Jesus bestattet worden war, zelebrierte der für die christlichen Stätten im Heiligen Land zuständige katholische Franziskaner-Kustos Pierbattista Pizzaballa eine Messe. Die deutschsprachigen Lutheraner feierten ihren Ostergottesdienst in den frühen Morgenstunden auf dem Gelände auf dem der evangelischen Himmelfahrtkirche am Ölberg. Am Ostermontag bieten verschiedene christliche Gruppen "Emmausmärsche" an. Sie gehen dabei jenen Weg nach, auf dem sich nach einer biblischen Erzählung Jesus nach seiner Auferstehung zwei Jüngern zeigte.

"Keine Spannungen in Jerusalem"

Seit Donnerstag nahmen Tausende Pilger an den zentralen Feiern des Leidens und der Auferstehung Jesu in Jerusalem teil. Wegen unterschiedlicher Kalenderberechnungen begehen die Kirchen der Orthodoxie Ostern in diesem Jahr fünf Wochen später als die Westkirchen.

Der Benediktinerpater Nikodemus Schnabel aus der Jerusalemer Dormitio-Abtei spüre aus genau diesem Grund keine Spannungen vor Ort, betonte er im domradio.de-Interview. "Tatsächlich können wir sagen, dass es jetzt ganz gut ist, dass es sich entzerrt. Die Ostchristen, die erst fünf Wochen später feiern, kommen mit viel mehr Pilgern nach Jerusalem und sind im Stadtbild viel stärker präsent. Das heißt Ende April wird es das ganz große Wallfahrtsfest der Juden geben, bei dem auch viele jüdische Pilger kommen werden. Also Jerusalem ist gerade ehrer erschreckend leer, aber dadurch ist die Lage auch sehr entspannt und ich spüre momentan keine Spannungen in der Luft.“


Pater Nikodemus Schnabel (KNA)
Pater Nikodemus Schnabel / ( KNA )
Quelle:
KNA , dpa , DR