Für die Düsseldorfer Atheisten ist Ostern nur ein "Hasenfest"
Für die Düsseldorfer Atheisten ist Ostern nur ein "Hasenfest"
Kirchenaustritt
Kirchenaustritt

16.04.2014

Atheisten locken zum "Hasenfest" mit Geldprämie bei Kirchenaustritt "Mittelschwer geschmacklos"

Mit 30 Euro wollen Düsseldorfer Atheisten am Gründonnerstag den Kirchenaustritt honorieren. Warum die Kirche vor Ort keine Gegenaktion plant, erklärt Michael Hänsch vom katholischen Gemeindeverband im domradio.de-Interview.

domradio.de: Da wird am Donnerstag vor dem Düsseldorfer Amtsgericht der sogenannte "Düsseldorfer Aufklärungsdienst" stehen und versuchen den Kirchen die Mitglieder "wegzuwerben". Wie finden Sie das?

Michael Hänsch (Theologe und Geschäftsführer des katholischen Gemeindeverbandes Düsseldorf): Das ist eigentlich eine ganze Aktionswoche dieses Düsseldorfer Aufklärungsdienstes und der Donnerstag wird dann mittelschwer geschmacklos "Hasenfest - wir hoppeln uns frei" genannt. Ich bin eigentlich über diese Aktion eher traurig.

Ich ärgere mich darüber nicht, sondern ich bin traurig darüber, dass man nicht, auch wenn man eine Konfessionslosigkeitssicht vertritt, probiert, in den Dialog zu kommen. Wir als Christen treten dafür ein, dass jeder Mensch Religionsfreiheit hat und die Kehrseite dieser Religionsfreiheit ist auch, dass Menschen sich gegen eine Konfessionszugehörigkeit entscheiden. Ich finde, das könnte doch in einem Dialog passieren.

domradio.de: Wie reagieren Sie jetzt auf die Aktion des "Aufklärungsdienstes"?

Hänsch: Wir haben das diskutiert in den kirchlichen Gremien, auch im Dechantenkapitel. Wir sagen, einer kleinen Aktion soll man nicht noch durch Gegenaktionen unnötige Aufmerksamkeit schenken.

Allerdings tippt diese Aktion natürlich auch einen gesellschaftlichen Punkt an. Man kann ja gar nicht bestreiten, dass größere Teile unserer Gesellschaft, sowohl in Düsseldorf als auch in Deutschland, keiner Konfession mehr angehören. Da muss man doch auch fragen dürfen, wie tritt Kirche missionarisch auf? Also dass wir ein Angebot der frohen Botschaft von Jesus von Nazareth den Menschen geben - wie treten wir da auf? Ich finde, bei aller Kritik und aller Traurigkeit dieser Sache ist das auch eine Anfrage an Kirche.

domradio.de: Das klingt ja fast so als wäre das eine Chance für die Kirchen, die wir nützen können?

Hänsch: Ich sage mal, diese konkrete Aktion nicht, das ist ein kleiner Kreis von Leuten, die vermeintlich witzig auftreten wollen. Aber wir sind natürlich in Düsseldorf mit unserer Initiative "Missionale Düsseldorf" seit vielen Jahren in eine solche Richtung unterwegs und manches ist natürlich auch leichter gesagt als getan.

domradio.de: Glauben Sie denn, dass diese Initiative Menschen vom Kirchenaustritt überzeugen kann, die bisher gar nicht aus der Kirche austreten wollten?

Hänsch: Ich sage mal, wenn das clevere Organisatoren vom "Aufklärungsdienst" sind, werden sie zumindest für einige Menschen gesorgt haben, die ein Pressefoto abgeben. Darauf zielen ja solche AKtionen: durch eine provokante Aktion auch Medienwirksamkeit zu erzielen, deshalb werden da einige wenige stehen und sich für 30 Euro den Kirchenaustritt bezahlen lassen.

domradio.de: Aus der Düsseldorfer Presse gab es sehr viel Kritik gegen die Aktion. "Die Gottlosen spalten Düsseldorf" titelte zum Beispiel der Express. Und auch die Rheinischen Post und die Westdeutschen Zeitung haben sich eher kritisch geäußert. Hätten Sie mit dieser Unterstützung der Kirchen aus der Presse gerechnet?

Hänsch: Ich glaube, dass die Medien da sehr feinfühlig eine Stimmungslage aufgenommen haben. Ich glaube schon, dass diese Aktion für viele Düsseldorfer mit einer Bewertung versehen wird "Da sind die einen Schritt zu weit gegangen". Deshalb glaube ich, dass das auch von Zeitungen so gespürt worden ist. Man hat ja auch Umfragen gemacht. Daran waren wir nicht beteiligt waren, sage ich ganz deutlich. Wir wollen diese Aktion nicht noch zusätzlich befeuern.

Das Interview führte Verena Tröster

(dr)

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