Bischöfe beklagen zu Ostern Lage der Christen im Nahen Osten

Unter traurigen Vorzeichen

Die Ostkirchen gedenken an diesem Wochenende der Auferstehung Jesu. Im Nahen Osten sei eine störungsfreie Ausübung des christlichen Glaubens allerdings kaum mehr möglich, beklagen auch auf dem Kirchentag Kirchenvertreter.

Ostern / © vladischern
Ostern / © vladischern

Christen in Syrien würden vertrieben, bedroht, entführt und ermordet, Kirchen würden angegriffen und zerstört, beklagte der Bischof der syrisch-orthodoxen Kirche für Deutschland, Philoxenus Matthias Nayis, am Freitag beim Evangelischen Kirchentag in Hamburg. Die störungsfreie Ausübung des christlichen Glaubens sei in seinem Heimatland kaum mehr möglich. Am Karfreitag seiner Kirche - das orthodoxe Osterdatum fällt in diesem Jahr auf den 5. Mai - bitte er Christus darum, dass diese Zeit des Leidens bald ein Ende haben möge, sagte der Bischof in der vollbesetzten syrisch-orthodoxen Kirche in Hamburg. Er äußerte sich bei der Veranstaltung "Bleiben oder Fliehen? Die Lage der christlichen Gemeinschaft im Nahen Osten".

Ähnliches berichtete der koptisch-orthodoxe Bischof für Deutschland, Anba Damian, über Ägypten. Hier habe die Aggression gegen Christen ein enormes Maß angenommen. Angriffe auf Kirchen und Gläubige seien an der Tagesordnung. Oft würden die muslimischen Angreifer von Imamen in der Moschee aufgehetzt. "Leider haben wir keinen Assad. Er ist den Christen sehr gesonnen", sagte Damian mit Blick auf Syrien. Dort seien das Problem aber die Gegner des syrischen Präsidenten, die Waffen und andere Unterstützung aus Europa erhielten. Deshalb forderte Damian, das Gespräch mit Politikern in Europa zu diesem Thema zu suchen.

An die Europäische Union appellierte der koptische Metropolit in Deutschland, "die Tür nicht ständig zu verriegeln"."Selbstverständlich wollen wir unser Land nicht entleeren", betonte Damian. Er bitte Gott, dass die Christen weiter in Ägypten leben könnten. Anderenfalls bete er um die Barmherzigkeit von "Schwestern und Brüdern in anderen Ländern, damit wir dort bleiben können, bis sich die Lage hier verbessert".

Papst: Christen werden heute mehr verfolgt

Papst Franziskus äußerte sich grundsätzlich besorgt über Diskriminierung und Verfolgung von Christen . Heute seien mehr christliche Gemeinschaften Verfolgungen ausgesetzt als in den Anfangszeiten des Christentums, sagte er am Samstag in einer Frühmesse mit Schweizergardisten in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses Santa Marta. Zugleich rief er dazu auf, sich durch den "Hass der Welt" nicht einschüchtern zu lassen und den Dialog zu suchen.

Die Waffen des Christen seien "Demut" und "Milde", so Franziskus. Jesus Christus habe die Menschen durch seine Auferstehung von der "Macht der Welt, von der Macht des Teufels, von der Macht des Fürsten dieser Welt" erlöst. Doch dieser Fürst wolle nicht, dass die Menschen erlöst seien, dies sei die Ursache für den Hass auf Christen.

Feuerwunder in Jerusalem

Orthodoxe Christen haben in der Jerusalemer Grabeskirche das traditionelle Feuerwunder gefeiert. Unter lautem Jubel der Gläubigen wurde am Samstagmittag während der orthodoxen Zeremonie das "Heilige Feuer" aus dem Grab Jesu an die Wartenden weitergereicht. Nach dem Volksglauben entzündet sich die Flamme alljährlich auf übernatürliche Weise in der Kapelle, die als Ort des Begräbnisses und der Auferstehung Jesu verehrt wird. Während der Zeremonie riefen einheimische junge Christen mit Sprechchören und Transparenten zur Freilassung der beiden in Syrien entführten Bischöfe auf.

Die über 1.200 Jahre alte Feier gilt als Höhepunkt der alljährlichen Osterfeiern in Jerusalem, zu der jedes Jahr Tausende Besucher anreisen. Das Feuer wird anschließend an die Gläubigen in der überfüllten Kirche und in den Altstadtgassen weitergereicht. Wegen der beengten Verhältnisse in der Grabeskirche und fehlender Notausgänge war der Zugang zu der Feier streng reglementiert. Mehr als 2.000 israelische Sicherheitskräfte sind nach Polizeiangaben im Einsatz. Bereits in der Nacht zu Samstag errichteten israelische Sicherheitskräfte rund um die Grabeskirche sowie an den Zugängen zur Altstadt zahlreiche Sperren. Die Polizei hatte die erwartete Besucherzahl im Vorfeld mit über 20.000 angegeben.

Seit Donnerstag strömen Tausende orthodoxer Pilger zu den zentralen Feiern des Leidens und der Auferstehung Jesu, die in den West- und Ostkirchen in diesem Jahr wegen der unterschiedlichen Kalendersysteme mit fünfwöchiger Verschiebung gefeiert werden. Zu den Osterfeierlichkeiten wurden nach ägyptischen Medienberichten ein deutlicher Anstieg an koptischen Pilgern erwartet. Dies hänge möglicherweise damit zusammen, dass der neue Patriarch Tawadros II. keinen Bann für Reisen nach Jerusalem verhängt habe. Der im März vergangenen Jahres gestorbene Vorgänger Schenuda III. (1923-2012) hatte per Erlass Pilgerfahrten nach Israel untersagt.

Gemeinsames Fest, unterschiedliche Termine

Für Christen ist Ostern das wichtigste Fest - doch sie feiern es nicht alle am selben Datum. Um den Termin in Abhängigkeit von Frühlingsbeginn und Mondzyklus zu ermitteln, benutzen die Kirchen des Ostens und Westens verschiedene Methoden. Seit dem Konzil von Nizäa (325) galt die Faustregel: Ostern ist am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Der Teufel steckt im Detail, nämlich in der Berechnung der Tagundnachtgleiche.

Im Wesentlichen war man sich bis 1528 einig. Dann stellten Astronomen fest, dass der julianische Kalender etwa elf Minuten pro Jahr nachging, also etwa alle 130 Jahre einen Tag. Papst Gregor XIII. (1572-1585) korrigierte den Fehler - ohne die Ostkirchen. Erst als sich in den Ländern der Orthodoxie das gregorianische Modell für die bürgerliche Zeitrechnung durchsetzte, versuchten die Ostkirchen 1923 eine Reform des julianischen Kalenders.

Katholiken in Nahost feiern mit

Das Projekt endete in einer Spaltung: Einige Kirchen, etwa in Griechenland, Polen und den USA, befürworteten die Revision, andere wie die Russisch-Orthodoxen und Armenier lehnten sie ab. Ein Hauptzweck, nämlich ein gemeinsames Osterdatum mit dem Westen, blieb unerreicht; um der Einheit der Orthodoxie willen gilt weiter die alte Berechnung. Dessen ungeachtet nutzen orthodoxe Finnen und Esten den westlichen Kalender, während Katholiken auf der griechischen Insel Syros sich mit dem Osterfest nach den orthodoxen Nachbarn richten.

Die verschiedenen Berechnungen haben zur Folge, dass die Osterfeiern bis zu fünf Wochen auseinander liegen. Das ist in diesem Jahr der Fall: Die Westkirchen feierten am 31. März, die Ostkirchen am Sonntag.

In Zypern, Jordanien, Israel und Palästina - mit Ausnahme von Jerusalem und Bethlehem - feiern in diesem Jahr auch alle Katholiken Ostern erst am 5. Mai. Sie folgen damit einer vorläufigen Erlaubnis der Ostkirchenkongregation, die "aus pastoralen Gründen" erteilt wurde.


Quelle:
KNA , DR