30.03.2013

Schnuckenlämmer für Naturschutz wichtig Wildwest in der Lüneburger Heide

Sie sind so süß, dass sie jedem Kind das Herz brechen: Auf dem niedersächsischen Tütsberghof blöken derzeit fast 400 Heidschnuckenlämmer um die Wette. Sie sind wichtig für den Naturschutz - und spielen Ostern eine Hauptrolle.

Was sich am späten Vormittag auf dem Tütsberghof in der Lüneburger Heide abspielt, braucht keinen Vergleich mit einem Western zu scheuen. Wenn Schäfer Uwe Storm das Stalltor zur Fütterungszeit öffnet, prescht seine Heidschnuckenherde mit donnernden Hufen und hoher Geschwindigkeit um die Ecke. "Da solltest du nicht zwischen stehen, sonst wirst du überrannt", warnt Storm, der seit mehr als 30 Jahren als Schäfer arbeitet. Kurze Zeit später stehen die Schnucken friedlich an den Futterraufen mit Kleegras und Heu in der Stallmitte.

"Siehe, das ist Gottes Lamm"

Seine Herde auf dem Bioland-Hof bei Schneverdingen zählt derzeit 880 Schnucken, darunter viele Lämmer, die von Geburt an alle schwarz sind. Die Tiere sind nicht nur wichtig für den Naturschutz, speziell die Lämmer zählen zu den bekanntesten Ostersymbolen. Sie stehen für die unschuldige Hingabe, für das Sterben Jesu am Kreuz. Im Johannes-Evangelium wird Jesus Christus selbst als Lamm bezeichnet:

"Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt". Auch in Erinnerung daran kommt in vielen Familien zu Ostern ein Lammbraten oder ein aus Kuchenteig gebackenes Lamm auf den Tisch.

390 Lämmer sind in den zurückliegenden Wochen auf dem Tütsberghof zur Welt gekommen, alle im Stall. Bis zum Beginn der Lammzeit war die Herde noch draußen in der Heide unterwegs und hat "geschnickert", was hochdeutsch soviel wie "naschen" bedeutet. Daher kommt der Name der genügsamen Tiere, die ursprünglich von Mufflons, den südeuropäischen Wildschafen, abstammen. Frost kann den robusten Heidschnucken mit ihrem dichten grauen Fell nichts anhaben. Selbst bei Schnee sind sie mit dem Schäfer unterwegs. Denn ihr Hauptzweck ist es, 800 Hektar Heidefläche zu pflegen.

Zur Pflege der Heide

"Die Heidschnucken erhalten die Heide als Kulturlandschaft, indem sie ihr Nährstoffe entziehen", sagt Andreas Koopmann, Fachbereichsleiter Landwirtschaft und Naturschutz beim Verein Naturschutzpark Lüneburger Heide (VNP). Denn nur auf nährstoffarmen Böden gedeihen die Heidebüsche. Allein durch Luftschadstoffe, die über der Heide abregnen, ist der Boden mit Stickstoff überdüngt. Das Gras droht ständig, die Heide zu überwuchern. "Ohne die Pflege unserer vierbeinigen Mitarbeiter würde aus der Lüneburger Heide innerhalb weniger Jahre der Lüneburger Wald." Eine Schnucke exportiert täglich kiloweise Nährstoffe aus der Heide - und lässt sie als Kot größtenteils nachts im Stall. Der Dung landet dann auf ökologisch bewirtschafteten Ackerflächen.

Noch ist die Herde nicht unterwegs. "Mit drei bis vier Wochen können die Lämmer raus, aber dann ist das auch noch ein ziemlicher Kindergarten", meint Uwe Storm. "Bis April muss der Großteil der Herde soweit sein, dass ich ihn wieder in der Heide hüten kann. Man muss mit kurzen Strecken anfangen, weil die Lämmer natürlich von den Großen erst das Laufen in der Herde lernen."

Den Drang ins Grüne haben die Schafe schon jetzt, auch wenn der Frühling noch auf sich warten lässt. "Die laufen wie verrückt, sobald sie wieder raus in die Heide kommen. Da müssen die Hunde richtig Gas geben, weil die Schafe nur fressen wollen." Schäfer Storm setzt voll auf seine vier altdeutschen Hütehunde. Die laufen bis zu 80 Kilometer pro Tag. "Die Hunde müssen dann nach sechs Wochen Ruhezeit von null auf hundert wieder arbeiten. Deshalb fangen wir mit kleinen Wegen an, damit die Lämmer mitkommen und sich nicht aus Müdigkeit in die Heide werfen und verloren gehen."

Neben der Landschaftspflege hält der Verein die Heidschnucken auch zur Fleischproduktion. Das fettarme, sehr zarte Fleisch mit wildähnlichem Geschmack gilt als Delikatesse. Nach frühestens sieben bis neun Monaten gehen die Tiere zu Schlachtbetrieben, die das Fleisch regional in der Heide vermarkten. Wer zu Ostern Schnuckenfleisch kauft, bekommt als "Osterlamm" also kein in diesem Winter geborenes Tier, sondern einen "Jährling" aus dem vergangenen Jahr.

Nicht nur das Fleisch, auch die grobe Schnuckenwolle wird genutzt - für Düngerpellets oder zur Filzproduktion. "Das Scheren ist aber teurer als der Ertrag", erläutert Betriebsleiter Koopmann. Ohne Fördermittel von EU und Land sei der Naturschutz nicht machbar. "Wir bangen von Förderperiode zu Förderperiode. Deshalb sind auch Heidschnuckenpatenschaften, Spenden und Zustiftungen wichtige Bausteine, um unsere ökologische Arbeit für den Heideerhalt langfristig zu finanzieren."

Matthias Dembski
(epd)

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