Schaulustige bestaunen den größten Osterbaum
Schaulustige bestaunen den größten Osterbaum

26.03.2013

10.000 Eier zieren einen Baum in Thüringen Osterbaum der Superlative

Ein Mann mit festem Willen: Volker Kraft schmückt jedes Jahr den größten Osterbaum Deutschlands.

Fast die halbe Fastenzeit verbringt Volker Kraft mehrere Leitersprossen über der Wiese seines Schrebergartens im thüringischen Saalfeld. Vorsichtig und doch routiniert behängt er jeden Ast seines Apfelbaums mit einem Osterei. Bis zum Fest sollen 10.000 ausgeblasene und handbemalte Eier den Baum in seinem Garten schmücken. Sie machen ihn zu Thüringens wohl bekanntestem Apfelbaum.

Beklebt, umhäkelt oder einfach betupft

Kein Ei gleicht dem anderen. Mit Perlen beklebt, umhäkelt, marmoriert oder betupft ist die bunte Vielfalt. "Fast alle sind durch unsere Küche gegangen", sagt der 77-Jährige. Aber mehr Eier als in anderen Häusern würden bei ihnen deswegen nicht konsumiert, beteuert der Rentner. Nur pfleglicher behandelt werden sie - wobei das Ausblasen nur der Anfang ist. Alle Exemplare wurden von Krafts Gattin Christa und Tochter Gabriela im Laufe der Jahre bemalt, beklebt oder behäkelt. "Meine Frau kann nicht fernsehen, ohne dass die Finger etwas zu tun haben. Immer hat sie die Häkelnadel in der Hand."

10.000 Stück - "waren nie beabsichtigt"

Begonnen hat alles 1965, als Volker Kraft in seinem Schrebergarten das erste Mal den damals noch kleinen Apfelbaum der Sorte "Weißer Klarapfel" mit 18 Plastikeiern schmückte. Als Kind sah er einst einen mit Eiern geschmückten Fliederstrauch. Einen so bunten Osterbaum wollte er seinen Kindern auch im eigenen Garten bieten. 10.000 Stück freilich "waren nie beabsichtigt", sagt der rüstige Rentner über den Apfelbaum, der jetzt für Furore sorgt. "Der Baum ist einfach weitergewachsen."

Nach der Wende wurde die Tausendermarke geknackt

Noch vor der politischen Wende 1989 hingen vor Ostern wenige hundert ausgeblasene Eier in dem Saalfelder Garten. Schon 1996 wurde die Tausendermarke überschritten; fünf Jahre später waren es schon 5.000. Mehr als 10.000 Ostereier wie 2012 und 2013 können es allerdings nicht werden: Der Platz zur Überwinterung im heimischen Keller ist zu knapp. Beim Behängen des Osterbaums mit den Unikaten aus zarter Schale lässt sich Familie Kraft Zeit. Bis zu drei Wochen dauert das Schmücken. Dieses Jahr erschwerten der lange Winter und Schnee den Deko-Einsatz. Beim Abschmücken dagegen sputen sich die Krafts: Je nach Ostertermin blüht der Baum bereits. Die Arbeit fällt dann nicht nur schwerer, sondern kann auch eine dürftigere Apfelernte nach sich ziehen. Ohnehin finden sich am Ende der "Saison" weniger Eier in den Kartons zur Überwinterung ein. Durch die Wettereinflüsse gehen jährlich rund 250 der liebevoll gestalteten Unikate kaputt.

Ei als Symbol für die Auferstehung Christi

"Das ist Natur", sagt Kraft und erinnert sich an ein Unwetter, bei dem mehr als 700 Eier in die Brüche gingen. "Mir tut es nicht so leid wie meiner Frau oder der Tochter." Während die ausgefallene "Ostereier-Tradition" der Krafts kein halbes Jahrhundert alt ist, gilt das Ei bereits seit dem Mittelalter als Symbol für die Auferstehung Jesu Christi. Damals war es Volkssitte, Eier als Osterspeise weihen zu lassen. Die Färbung und Verzierung setzte sich in Deutschland in der Frühen Neuzeit durch.

Berichte aus allen Teilen der Welt

"Rekordversuche" mit Ostereiern stammen vornehmlich aus jüngster Vergangenheit. So steht das weltgrößte Osterei mit einer Höhe von fast zehn Metern in Betzdorf, und den Rekord um den größten Ostereierbaum hält der Zoo Rostock: 76.596 Eier hingen 2007 an einem Gewächs. Rekord oder nicht: Um zu wenig Öffentlichkeit braucht sich Volker Kraft nicht zu sorgen. Selbst Medien in Südafrika, den USA oder Japan berichten über seinen Baum. Tausende Besucher kommen jährlich, um sich die Farbenpracht im Garten anzuschauen. "Nur selten steht man hier alleine", sagt Kraft. Seine Motivation für die Mühe komme aber - wie schon vor fast 50 Jahren - nur vom Baum selbst. "Ich kann mich hinstellen und über Stunden reingucken. Da habe ich meine Freunde dran."

Von Markus Nowak

(KNA)

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