Elena Gudz bereitet sich mit Pfarrer Thomas Bernards auf ihre Taufe vor
Elena Gudz bereitet sich mit Pfarrer Thomas Bernards auf ihre Taufe vor

12.03.2013

Die Erwachsenentaufe ist eine Chance für die Kirche "Nur ein Crashkurs reicht nicht aus"

An die eigene Taufe können sich die wenigsten Menschen erinnern. Wie denn auch? Meist ist der Täufling nämlich noch ein Baby. Doch auch Erwachsene können sich taufen lassen - traditionell findet die Taufe am Weißen Sonntag statt.

Den Weißen Sonntag 2013 wird Elena Gudz wohl nie vergessen. Für die 26-Jährige ist der Sonntag nach Ostern in diesem Jahr ein ganz besonderer: der Tag ihrer Taufe. "Ich hatte immer den Wunsch, mich taufen zu lassen", sagt die gebürtige Kasachin, die im Alter von acht Jahren nach Deutschland kam - und als Konfessionslose eine katholische Grundschule besuchte. Ihre bevorstehende Hochzeit war für sie der entscheidende Anlass, künftig als Katholikin zu leben. "Mein Partner und seine Familie sind sehr gläubig", erzählt Gudz. "Also wollen wir eines Tages auch unsere eigenen Kinder im Glauben erziehen."

Heirat als Anstoß zur Taufe

Heirat oder Geburt geben oftmals den Anstoß für Erwachsene, sich taufen zu lassen. "Manche lernen die Kirche auch über ein Hobby kennen, etwa den Kirchenchor", weiß Tobias Weismantel. Er ist Referent für Katechese beim Deutschen Katecheten-Verein. "Auf diesen äußeren Impuls folgt jedoch eine intensive innere Beschäftigung mit Glaubensfragen." Die Zeit, in der sich die Bewerber darauf vorbereiten, in die Kirchengemeinde aufgenommen zu werden, heißt Katechumenat. Laut den deutschen katholischen Bischöfen soll sie ungefähr ein Jahr dauern.

"Nur ein Crashkurs reicht nicht aus"

Elena Gudz bestätigt, dass eine intensive Vorbereitungszeit sinnvoll ist. "Vor meinem Glaubenskurs wusste ich einfach zu wenig, sowohl über theologische Fragen als auch über ganz Praktisches wie den Ablauf eines Gottesdienstes", erklärt sie. Gemeinsam mit ihr bereiten sich vier Bewerber auf die Taufe im Bonner Münster vor, zwei weitere werden zum katholischen Glauben konvertieren, drei die Firmung empfangen. Pfarrer Thomas Bernards begleitet die Gruppe. Auch ihm ist der regelmäßige Austausch untereinander wichtig: "Sonst besteht die Gefahr, dass sich jeder seinen Glauben selber zimmert. Nur ein Crashkurs reicht also nicht aus." Natürlich könne auch jeder Einzelne beten, lesen, sich mit dem Glauben auseinandersetzen. "Aber", so betont der erfahrene Priester, "manchmal braucht jeder eine Stärkung im Glauben. Andere Gläubige können helfen, eine Durststrecke zu überwinden." Und in guten Tagen setzt er ebenso auf Gemeinschaft: "Man muss den Glauben auch feiern."

Die Tauffeier am Weißen Sonntag bietet dafür eine Gelegenheit. In diesem Jahr wird Heiner Koch anreisen. Der neue Bischof von Dresden-Meißen lässt es sich nicht nehmen, seinen früheren Wirkungsort, das Erzbistum Köln, an diesem besonderen Tag zu besuchen. Dass die Taufen nicht, wie liturgisch vorgesehen, in der Osternacht stattfinden, hat organisatorische Gründe. "Viele Familien, die weiter entfernt leben, könnten zur frühen Stunde der Osternachtsfeier nicht anreisen", erklärt Pfarrer Bernards. Für ihn sind die Tauftermine - ein zweiter findet in Bonn an Christkönig statt - keine Routineveranstaltungen. "Es ist sehr eindrucksvoll, wenn Erwachsene vor den Altar treten", sagt er. "In diesem Moment spürt man etwas von der Urkirche."

Das "vererbte" Christentum ist brüchig geworden

Indes sind die Erwachsenentaufen nicht nur ein besonderer Anlass für die Täuflinge und ihre Lehrer, die Katecheten. Die Kirche sieht in aufgeschlossenen Erwachsenen inzwischen eine eigene Zielgruppe. Die Selbstverständlichkeit des "vererbten" Christentums, das Eltern und Großeltern an die nächste Generation weitergeben, sei brüchig geworden. Das schreibt der damalige Erfurter Bischof Joachim Wanke bereits im Jahr 2001 in einem Impulspapier der Deutschen Bischofskonferenz. Wanke war zu dieser Zeit Vorsitzender der Pastoralkommission und betont, welche Chance darin liege, wenn Erwachsene sich aus freien Stücken für die Kirche entscheiden: "Wenn Gott Menschen in ihrem Leben anspricht, auf welche Weise das immer geschehen mag, können sie den Weg zum Glauben finden."

Späte Taufe ist auch eine Chance

Auch Elena Gudz sieht ihre späte Taufe als Chance. "Es ist ein bisschen schade, was man als Kind alles nicht mitbekommen hat", sagt sie. "Andererseits kann ich mich jetzt bewusst entscheiden." Seit 1990 ist die Zahl der getauften Personen über sieben Jahre in Deutschland deutlich angestiegen: 6940 waren es damals, 9864 im Jahr 2011. Allein in Bonn haben vor zwei Jahren 29 Menschen das Taufsakrament empfangen. Für Katecheten wie Tobias Weismantel geht es darum, interessierten Erwachsenen die Freude am Glauben zu vermitteln. "Die Kirche kann diese Chance nutzen, um zu zeigen, dass der Glaube ein Leben in Fülle ermöglicht", sagt er: "Dafür ist es nie zu spät."

Paula Konersmann

(KNA, dr)

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