06.05.2013

Der Evangelische Kirchentag und die Ökumene Streitthemen spielten keine Rolle

Die Ökumene war beim 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hamburg kein Hauptthema, wohl aber ein wichtiges Nebenthema. Die großen Streitthemen allerdings spielten keine Rolle.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, meinte, bisher habe noch kein Evangelischer Kirchentag eine so starke ökumenische Prägung gehabt wie das Treffen in Hamburg. Immerhin 8,7 Prozent der 117.000 Dauerteilnehmer waren Katholiken, damit etwas mehr als beim vorangegangenen Kirchentag in Dresden 2011. Auch Kirchentagspräsident Gerhard Robbers hob hervor, der Kirchentag sei sehr ökumenisch geprägt gewesen. Es sei inzwischen geradezu zu einer Selbstverständlichkeit geworden, gemeinsam zu feiern.

Theologischen Streitthemen zwischen den Kirchen spielten allerdings keine größere Rolle bei den rund 2.500 Einzelveranstaltungen. Gewiss, es gab den bereits traditionellen ökumenischen Gottesdienst am Donnerstag, ein ganztägiges "Forum Ökumene" am Freitag sowie einzelne weitere Runden, bei denen explizit über Ökumene gesprochen wurde, und natürlich den Bereich "Gelebte Ökumene" auf dem Markt der Möglichkeiten. Doch dies machte noch nicht die besondere Prägung aus.

Bemerkenswert in Hamburg war vielmehr, wie stark die Teilnehmer aus der Ökumene in das "allgemeine" Programm integriert waren. Katholische Bischöfe und Laien gestalteten Bibelarbeiten und diskutierten auf Podien mit, ebenso wie auch jüdische oder muslimische Referenten. Katholische und orthodoxe Gemeinden waren mit zahlreichen eigenen Angeboten dabei, das Erzbistum Hamburg lud zu Gebet, Begegnung und Dialog "Rund um den Sankt-Marien-Dom" ein und stellte die Kathedrale zudem für die "Gottesdienstwerkstatt" zur Verfügung. Insgesamt lag ein starker Akzent darauf, das gemeinsam zu tun, was möglich ist, und nicht an den ungelösten Kontroversthemen weiterzuarbeiten.

Konzentration auf Gemeinsamkeiten

So standen in den Predigten des katholischen Hamburger Erzbischofs Werner Thissen und der evangelisch-methodistischen Bischöfin Rosemarie Wenner die unterschiedlichen Namen und Bekenntnisformeln für Christus in der geistlichen Tradition im Mittelpunkt. Und der leitende Bischof der evangelischen Nordkirche, Gerhard Ulrich, sagte - ganz in der Linie der Erfurter Ansprache von Papst Benedikt XVI. bei seinem Deutschlandbesuch: "Je näher wir Christus sind, desto näher kommen wir einander." Als ein Feld, das gemeinsam weiter zu beackern ist, machten der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und die katholische Theologin Marianne Heimbach-Steins bei einer gemeinsamen Veranstaltung die Entwicklung einer übergreifenden christlichen Sozialethik aus. Dieses Anliegen unterstützte, aus einer anderen Perspektive kommend, Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse. Als Politiker wünsche er sich eine gemeinsame kirchliche Position bei ethisch kontroversen Fragen und nicht ein unverbindliches Nebeneinander von Positionen, wie es von protestantischer Seite nicht selten geboten werde.

Immer wieder nahmen - nicht selbstverständlich - Redner des Kirchentags Bezug auf den neuen Papst Franziskus. Es gibt offenbar große Erwartungen an ihn auch auf protestantischer Seite und ein gespanntes Interesse an seiner Amtsführung. Der Kirchentag hatte kurzfristig dazu eine eigene, gut besuchte Runde mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, dem Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf, Olav Fykse Tveit, sowie der muslimischen Hamburger Theologin Katajun Amirpur angesetzt.

Die Beteiligung der orthodoxen Christen stand unter dem Vorzeichen, dass der Kirchentag mit dem diesjährigen Osterfest der Orthodoxie am Sonntag zusammenfiel. Dies ermöglichte einerseits die Teilnahme von Kirchentagsgästen an der orthodoxen Liturgie, sorgte aber auch dafür, dass die Mitwirkung orthodoxer Würdenträger am Kirchentag begrenzt war. So war der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz, Metropolit Augoustinos, sonst Dauergast auf Kirchen- und Katholikentagen, gar nicht erst nach Hamburg gekommen. Einen kleinen Fauxpas leisteten sich die Veranstalter, indem sie den orthodoxen Erzpriester Radu Constantin Miron bei einem Begegnungsabend um ein Tischgebet baten. Dieser wies nicht ohne Ironie darauf hin, dass er selbst am Karfreitag, dem höchsten Fast-Tag in seiner Kirche, bei dem anschließenden Essen hungrig bleiben müsse.

Norbert Zonker
(KNA)

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