23.02.2013

Bulgariens Orthodoxie wählt erstmals seit 1971 neues Oberhaupt Schwierige Patriarchenkür

Wenn Bulgariens orthodoxe Kirche an diesem Sonntag ihr neues Oberhaupt kürt, ist das die erste Wahl seit 1971 – und damit seit dem Ende der kommunistischen Herrschaft. Der Ausgang der Wahl gilt als offen.

Auch Erzpriester Nedialko Kalinov ist am Sonntag mit von der Partie. Der Münchner Geistliche, einer von sechs Konzilteilnehmern aus Deutschland, ist sich fast sicher, wem er seine Stimme gibt. "Metropolit Neofit - das wäre mein Wunsch. Er hat eine gute Seele", sagt Kalinov. "Er ist mein Vorbild." Als Geistlichen und Menschen lernte der Erzpriester den heute 67 Jahre alten Metropoliten von Russe an der unteren Donau Anfang der 90er Jahre in der bulgarischen Hauptstadt Sofia schätzen. Damals leitete Neofit dort die Theologische Fakultät der Universität, an der Kalinov studierte. Der Münchner bezweifelt allerdings ein wenig, ob der Metropolit genügend Erfahrung für das Patriarchenamt mitbringt.

Es ist die erste Wahl eines bulgarischen Kirchenoberhaupts seit 1971 und damit auch die erste seit dem Ende der kommunistischen Herrschaft. Patriarch Maxim war Anfang November im Alter von 98 Jahren nach 41-jähriger Amtszeit gestorben. Trotz eines mehrere Jahre lang amtierenden Gegenpatriarchen war es ihm gelungen, die Einheit der Kirche zu wahren.

Insgesamt drei Kandidaten stehen für das Leitungsamt der Kirche zur Wahl. Die aus allen Metropoliten bestehende Heilige Synode brauchte vor einer Woche zwei Tage und mehr als 20 Abstimmungen, um sie zu nominieren. Mit 10 von 13 Stimmen der Anwesenden schnitt Metropolit Galaktion (63) von Stara Sagora am Balkangebirge am besten ab. Zwei Kandidaten, Neofit und Metropolit Gavrail (62) aus dem nordbulgarischen Lowetsch, erhielten lediglich 9 von 13 Stimmen.

Kyrill und die Auto-Affäre

Auch das mit sieben Stimmen unterlegene Interims-Oberhaupt, Metropolit Kyrill (58) aus der Schwarzmeerstadt Warna beanstandete, sie hätten die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit der eigentlich 14 Wahlberechtigten verfehlt. Bulgarische Medien spekulierten deshalb bereits über eine Klage vor dem obersten Verwaltungsgericht.

Kyrill, der als größter Verfechter des ökumenischen Dialogs gilt, hatte 2011 mit dazu beigetragen, dass die bulgarische Kirche an Ansehen verlor. Er segnete damals am Nikolaustag die Gläubigen aus einem Luxusauto. Nur er und US-Präsident Barack Obama verfügten über so einen Wagen der Marke Lincoln, erklärte der Metropolit. Gleichwohl bestritt er, im ärmsten Land der EU nach Luxus zu gieren. "Es ist kein Überfluss, als Geschenk ein Auto zu bekommen, das nicht luxuriös ist." Es koste lediglich 35.000 US-Dollar (Tageskurs 26.500 Euro); außerdem sei es sparsam. Von Warna sei er mit nur einer Tankfüllung ans Mittelmeer gefahren. "1.200 Kilometer mit nur 60 Litern. Welches andere Auto schafft das?", verteidigte er sich.

Offene Wahl

Ablesen lässt sich der abnehmende Einfluss der orthodoxen Kirche in Bulgarien etwa daran, dass bei der Volkszählung 2011 nur noch 76 Prozent zu ihr bekannten. Bei diesem Wert ist jedoch unberücksichtigt, dass fast 22 Prozent der mehr als sieben Millionen Einwohner gar keine Angaben zur Religion machten. Früher hatten sich rund 85 Prozent als orthodox bezeichnet.

Den Patriarchen küren mehr als 30 Bischöfe, mehrere Äbte sowie 45 Priester und 30 Laien, die von den Diözesen entsandt wurden. Wem die insgesamt rund 140 Konzilsteilnehmer ihre Stimme geben, gilt als völlig offen. Nach Ansicht bulgarischer Kommentatoren wird die Geheimdienstzusammenarbeit der Kandidaten keine entscheidende Rolle spielen. Auch ihre Stellung zur Ökumene sei von keiner großen Bedeutung. Alle drei gelten als offen für den Dialog mit den anderen Konfessionen.

Oliver Hinz
(KNA)

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