Bischof Kurt Kardinal Koch: Präsident des Päpstlichen Einheitsrates
Kardinal Koch

25.01.2013

Eine ökumenische Bilanz zur Einheitswoche "Damit von dem Erreichten nichts verloren geht"

Die Weltgebetswoche für die Einheit der Christen endet am Freitag in Rom mit einem ökumenischen Vespergottesdienstes des Papstes. Eine Bilanz zum aktuellen Stand der Ökumene mit Kurienkardinal Kurt Koch, Präsident des Einheitsrates.

KNA: Herr Kardinal, die Weltgebetswoche für die Einheit der Christen ist Anlass für eine ökumenische Bilanz. Wo stehen wir heute?

Koch: Ich hoffe, dass wir nicht stehen, sondern dass wir gehen, dass wir in allen Dialogen, die wir pflegen, weitere Schritte tun können. Und in der Tat gehen die Dialoge weiter. Große neue Punkte sind nicht zu erwähnen. Die Ökumene braucht heute viel Geduld.

KNA: Was sind die ökumenischen Schwerpunkte und Initiativen 2013?

Koch: Wir werten derzeit unsere Vollversammlung vom November über die ökumenische Dimension der Neuevangelisierung aus und überlegen, welche Impulse wir hier setzen können. Dann suchen wir nach Wegen, wie das von meinem Vorgänger Kardinal Kasper betreute Projekt "Harvesting the fruits" weiter gehen kann. Es geht dabei um die Summe aller Früchte, die wir in den verschiedenen ökumenischen Dialogen erzielt haben. Wir müssen jetzt das Gespräch mit den Partnern wieder neu suchen und dafür Sorge tragen, dass von dem Erarbeiteten und Erreichten nichts verloren geht. Ich persönlich plane 2013 drei großen Reisen: In die Ukraine, nach Lettland und nach Russland.

KNA: Im vergangenen Jahr gab es eine Papstreise mit einem starken ökumenischen Akzent - in den Libanon. Steht etwas Ähnliches wieder bevor?

Koch: Ich weiß bisher nur von einer Reise des Heiligen Vaters nach Rio de Janeiro zum Weltjugendtreffen. Andere Reisen sind noch nicht klar.

KNA: Es war mal von einer Papstreise nach Serbien zum Konstantins-Jahr die Rede, in dessen Geburtsort Nisch. Ist das noch aktuell, ist es wahrscheinlich?

Koch: Ich glaube nicht. Ich hoffe, dass es dort gemeinsame Veranstaltungen gibt, vermutlich nicht mit dem Papst, aber mit anderen Repräsentanten der katholischen Kirche. Zudem dürfte es zum Konstantins-Jahr Treffen in Mailand geben sowie in Konstantinopel.

KNA: In Ägypten hat der neue koptische Patriarch Tawadros sein Amt angetreten. Wie ist das Verhältnis Roms zu dieser größten altorientalischen Kirche?

Koch: Sehr positiv. Ich war bei der Inthronisation des Patriarchen dabei und durfte eine Grußbotschaft des Heiligen Vaters sowie ein wunderbares Geschenk überbringen, einen Kelch. Dies hat den neuen koptischen Papst sehr gefreut, und meiner Ansicht nach wesentlich dazu beigetragen, dass die Beziehungen vertieft werden können.

KNA: In Ägypten steht ja jetzt auch die Gründung eines nationalen Kirchenrates bevor.

Koch: Die Christen in Ägypten befinden sich derzeit in einer schwierigen Situation. Es muss ein Anliegen sein, mit allen zusammenzuarbeiten. Dass sie da gemeinsame Wege suchen, halte ich für sehr positiv.

KNA: Für 2017 steht das 500-Jahrgedenken der Reformation bevor. Wie steht es mit der gemeinsamen Erklärung, die Sie dazu mit dem Lutherischen Weltbund erarbeitet haben?

Koch: Die Erklärung soll bald veröffentlicht werden, derzeit werden die Übersetzungen angefertigt. Der Text trägt den Titel «From conflict to communion». Er stellt auf dem Hintergrund der Geschichte den Konflikt dar, dann aber auch alles das, was der ökumenische Dialog in den vergangenen 50 Jahren auf dem Weg zu mehr Gemeinschaft hin erreicht hat: Wo wir Einheit feststellen konnten, wo wir Gemeinsamkeiten erreicht haben und wo noch Hindernisse bestehen.

KNA: Und für 2017 selbst sind schon Veranstaltungen angedacht?

Koch: Es ist noch nicht klar, was dann auf universaler Ebene geschehen wird. Sicher wird hier Vieles auf lokaler und regionaler Ebene geplant, gerade in Deutschland. Dort ist der ökumenische Partner freilich die Deutsche Bischofskonferenz.

KNA: Wie steht es um den neuen Anlauf im katholisch-orthodoxen Dialog? Worüber sprechen Sie?

Koch: Im Vordergrund dieses ökumenischen Dialogs steht weiterhin die Primatsfrage - freilich in einem größeren Kontext: Wie etwa das Verhältnis zwischen Synodalität und Primat gelebt werden könnte, wenn Kirchengemeinschaft und Eucharistiegemeinschaft bestünde. Das ist ein langer Prozess, der immer wieder auch mit Klippen versehen ist. Ich hoffe, dass wir Ende 2013 oder spätestens zu Beginn 2014 wieder eine Plenarversammlung veranstalten und dort einen wesentlichen Schritt weiter tun können.

KNA: Welche Auswirkungen hat der Arabische Frühling für die Situation der Christen in der Region - und auch für die Ökumene?

Koch: Ich habe Probleme, von einem Arabischen Frühling zu reden, manchmal habe ich eher den Eindruck, es sei ein islamistischer Winter. In vielen Ländern, etwa in Ägypten, Syrien, im Libanon und auch in der Türkei ist eine Re-Islamisierung festzustellen, die den dortigen Christen große Sorge bereitet. Sie befürchten, in Zukunft könnte ihre Situation noch schwieriger werden. In dieser Situation ist mehr Aufmerksamkeit und Solidarität von der Weltchristenheit gefragt. Wir müssen unseren Mitbrüdern in diesen Regionen sehr sensibel zuhören und sollten nicht unsere Vorstellungen in ihre Situation hineinprojizieren.

KNA: Sie sind auch Präsident der Vatikan-Kommission für die Beziehungen zum Judentum. Wie ist das Verhältnis, was planen Sie derzeit gemeinsam?

Koch: Zwischen dem Vatikan und seinen jüdischen Gesprächspartnern ist eine intensive Freundschaft gewachsen. Sie ist inzwischen so tief geworden, dass man auch Pannen, Schwierigkeiten und Konflikte positiv durchtragen kann. Wir wissen, dass wir aufeinander angewiesen sind und nur gemeinsam den Weg in die Zukunft gehen können. Ich höre von jüdischer Seite positive Signale über den Dialog und ich bestätige das gern.

Derzeit planen wird unser nächstes Treffen mit dem ILC, in dem alle großen jüdischen Organisationen vertreten sind. Zu unserem anderen großen Dialog - mit dem Oberrabbinat von Jerusalem - war ich im vergangenen Jahr in Israel. Derzeit planen wir für 2015 das 50-Jahr-Gedenken der Konzilserklärung "Nostra aetate", mit der die Kirche ihr Verhältnis zum Judentum neu ausgerichtet hat. Das wird ein wichtiges Ereignis, das wir intensiv angehen und gut vorbereiten müssen, um möglichst viel Positives daraus zu machen.

Das Gespräch führte Johannes Schidelko.

(KNA)

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