Archivbild: Aborigines in Sydney bei der traditionellen "Smoking Ceremony" anlässlich des "Australia Day"
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Archivbild: Das Fährenrennen "Ferrython" in Sydney zum australischen Feiertag "Australia Day"
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26.01.2021

Der lange Kampf der Aborigines um Anerkennung als "First Nation" Debatte um Australiens Nationalfeiertag

Australien streitet über den Nationalfeiertag. Den Aborigines, die seit langem um eine Anerkennung als "First Nation" kämpfen, ist an dem Tag, an dem 1788 die "Erste Flotte" Australien erreichte, nicht zum Feiern zumute.

In Australien mehren sich die kritischen Stimmen gegen den 26. Januar als Datum des Nationalfeiertags. An jenem Tag vor 233 Jahren erreichte die sogenannte Erste Flotte mit britischen Sträflingen an Bord den Kontinent - die Besiedelung Australiens durch die Weißen begann. "Invasion Day" nennen die Aborigines und zunehmend auch weiße Australier den "Australia Day".

Sie wollen trotz Corona am Dienstag (26. Januar) für die Rechte der Aborigines auf die Straßen gehen. Die Politikerin der konservativen Liberalen Partei und ehemalige Parlamentspräsidentin Bronwyn Bishop hingegen bezeichnete die Kritiker des Nationalfeiertags jüngst als "radikale Sozialisten, die Australien hassen".

Ungerechtigkeiten gegen ein Volk

Empört reagierte die Sportlegende und Aborigine-Angehörige Cathy Freeman auf die Aussage von Premierminister Scott Morrison, der 26. Januar 1788 sei auch für die Sträflinge an Bord der Schiffe kein angenehmer Tag gewesen. Man könne das nicht damit vergleichen, "was deren Ankunft für die vielen Generationen der 'First Nation' Australiens bedeutet hat", twitterte Freeman am Freitag.

Lidia Thorpe, Aborigine und Senatorin der Grünen, betont: "Die zahllosen Ungerechtigkeiten gegen das Volk der Aborigines begannen am 26. Januar 1788 - und sie dauern bis heute an."

Kultur und Heiligtum

Ein Beispiel dafür war 2020 die Sprengung zweier Höhlen in der Juukan-Schlucht in Westaustralien durch den Bergbaumulti Rio Tinto.

Die Höhlen dienten den Aborigines schon vor 40.000 Jahren als Unterkunft und Heiligtum. In der Region besitzen Bergbaufirmen Schürfrechte an mehr als 27.000 ethnographisch und kulturell bedeutsamen Stätten, von denen einige hundert in den kommenden Jahren das gleiche Schicksal erleiden könnten.

Ureinwohner seit 60.000 Jahren

Bis in die 1970er Jahre hinein galt die Doktrin "Australien nur für Weiße". Mischlingskinder wurden ihren Familien weggenommen, um in Missionsschulen zu "weißen Werten" erzogen zu werden. Mit dieser grausamen Praxis der "gestohlenen Generation" war selbst nach einem historischen Referendum 1967 nicht sofort Schluss, durch das die seit 60.000 Jahren in Australien lebenden Ureinwohner die Staatsbürgerschaft erhielten.

Opfer von Missbrauch durch Kirchenvertreter

Die "Stolen Generation" war oft körperlicher und sexueller Gewalt ausgesetzt. Mitte November reichten drei indigene Männer Klage ein.

Sie geben an, als Jugendliche von einem katholischen Priester sexuell missbraucht worden zu sein. Sie klagten auf Schadenersatz gegen die Erzdiözese Melbourne und - ein Novum - gegen Papst Franziskus.

Protokollgerecht schickte Rechtsanwältin Angela Sdrinis die Klageschrift auch an den päpstlichen Nuntius in Canberra. Eine Antwort habe sie bis heute nicht erhalten, sagte Sdrinis der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Kinder der Ureinwohner waren überdurchschnittlich häufig Opfer von Missbrauch durch Kirchenvertreter. Nur 3,3 Prozent der Australier sind Indigene; der Anteil der sexuell missbrauchten Aborigine-Kinder betrug laut der staatlichen Missbrauchskommission aber 14,8 Prozent.

Als "First Nation" anerkennen

In ihren Kolonien hatten die Engländer Verträge mit den Ureinwohnern geschlossen - die damals allerdings nicht das Papier wert waren, auf dem sie standen. Heute haben sich die indigenen Völker in Ländern wie Neuseeland oder Kanada ihre Rechte erstritten. Australien aber hatten die Briten zur "Terra nullis" erklärt - also einem Land ohne Besitzer.

Seit langem fordern die Ureinwohner ihre Anerkennung als "First Nation" in der Verfassung sowie einen Vertrag. Immer wieder finden Australiens Regierungen neue Gründe zur Verzögerung einer Volksabstimmung darüber.

Respekt oder Symbol

Mit der Änderung eines Wortes in der Nationalhymne zollte die aktuelle Regierung den Ureinwohnern jetzt ein wenig Respekt. So heißt es seit 1. Januar in der zweiten Zeile der Hymne "dass wir eins und frei sind" und nicht mehr "dass wir jung [Anm d. Red.: als Nation] und frei sind".

Eine symbolische Geste, die den Aborigines bei weitem nicht genügt.

Michael Lenz
(KNA)

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