Warnung vor einem Minenfeld in der Westsahara
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Kamelführer zieht durch die Sahara
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10.12.2019

Blick auf die Westsahara zum Tag der Menschenrechte Ein vergessener Konflikt

Seit 40 Jahren schwelt der Konflikt um die Westsahara, großteils wurde das Gebiet von Marokko annektiert. Heute redet kaum noch jemand von diesem vergessenen Konflikt. Barbara Küppers vom Kinderhilfswerk "terre des hommes" erklärt warum.

DOMRADIO.DE: Ein Konflikt von über 40 Jahren in der Westsahara. Wie kann sowas denn in Vergessenheit geraten? 

Barbara Küppers (Kinderhilfswerk "terre des hommes", Politik und Kommunikation): Es gibt ja viele Konflikte, die in Vergessenheit geraten sind, nicht nur diesen. Ein ganz wesentlicher Aspekt dabei ist natürlich die Menschenrechtslage. Regierungen, die solche Konflikte in ihren Ländern haben, tun eine Menge dafür, dass keine Nachrichten nach außen dringen.

Zum Beispiel wird Journalisten verboten, überhaupt in dieses Gebiet zu reisen oder aber Journalisten werden gar bedroht. Menschenrechtsaktivisten wie zum Beispiel Laila Fakhouri und auch die Aktivistin Aminatou Haidar, die den Alternativen Nobelpreis diese Woche gekriegt hat, werden massiv bedroht, werden zum Teil willkürlich verhaftet. Einfach um die Leute zum Schweigen zu bringen.

DOMRADIO.DE: Was ist denn anders in der Westsahara als bei anderen geteilten Ländern, wie zum Beispiel bei Nordkorea und Südkorea oder früher bei der Bundesrepublik Deutschland und der DDR? 

Küppers: Es gibt auch da einen Wall. Der ist 2.500 Kilometer lang und befestigt und zum Teil auch mit Landminen gesichert. Die Polisario (Politische und militärische Organisation in der Westsahara, Anm. d. Red.) hat einen eigenen Staat ausgerufen, der von einigen Ländern anerkannt wird, von anderen nicht. Die Westsahara ist aber kein UNO-Mitglied.

Marokko hält bis heute einen großen Teil der Westsahara besetzt, vor allem den Teil, wo es massive wirtschaftliche Interessen gibt. Da gibt es nämlich Phosphat in großen Mengen, eines der größten Phosphatvorkommen weltweit. Da hat Marokko natürlich ein wirtschaftliches Interesse daran, das weiter unter seiner Kontrolle zu halten. Für die Bevölkerung ist die Situation sehr schwierig. Es leben ungefähr 170.000 Menschen in Flüchtlingscamps in Algerien, direkt an der Grenze. Und das tun die schon seit mittlerweile drei Generationen, da gibt es überhaupt keine Zukunftsperspektive für diese Leute. 

DOMRADIO.DE: Wie versucht "terre des hommes" dort, insbesondere den Kindern in diesen Flüchtlingslagern zu helfen? 

Küppers: Wir haben Jugendzentren für 2.900 Kinder und Jugendliche. Man muss sich vorstellen, dass es bei einem Camp mitten in der Wüste nichts gibt. Die Leute sitzen da schon seit drei Generationen fest und es gibt überhaupt keine Zukunftsperspektive. Die Kinder und Jugendlichen haben eigentlich nicht viel zu tun und sind darum auch ganz schnell anfällig für bewaffnete Gruppen, für Banden, für kriminelle Aktivitäten, weil das irgendwas ist, was sie tun können.

Wir versuchen mit Schul- und Berufsbildung dagegenzuhalten und versuchen, diese Jugendlichen zu motivieren, eine vernünftige Ausbildung zu machen, damit sie eine Perspektive haben. Das machen wir jetzt schon seit fast 30 Jahren und können da einige schöne Erfolge erzielen. Die Jugendlichen studieren sogar. Das müssen sie allerdings oft im Ausland tun, denn sobald man sich als Sahraui (Bewohner der Westsahara, Anm. d. Red.) in Marokko zu erkennen gibt, wird man diskriminiert und hat zum Beispiel keinen Zugang zu den Universitäten.

DOMRADIO.DE: Heute Nachmittag wird der Menschenrechtspreis der Stadt Weimar verliehen und ausgezeichnet wird Laila Fakhouri. Sie kämpft mit friedlichen und juristischen Mitteln für das Recht der Sahrauis. Wie bewerten Sie den Einsatz von Laila Fakhouri? 

Küppers: Das ist unglaublich mutig. Sie ist 25 Jahre alt und hat schon als Schülerin und dann als Studentin angefangen, sich zu engagieren, weil sie einfach die Ungerechtigkeit gesehen hat - also willkürliche Verhaftungen bei friedlichen Demos oder auch Polizeigewalt. Sie ist eine der wenigen Frauen, die da wirklich aktiv sind. Sie hat sich zum Beispiel entschieden, Englisch zu studieren, damit sie in einer Sprache, die international verstanden wird, über ihr Volk berichten kann. Das macht sie sehr erfolgreich.

Dieser Preis lenkt natürlich Gott sei Dank die öffentliche Aufmerksamkeit mal wieder auf diesen Konflikt und ist aber gleichzeitig auch für Laila Fakhouri ein Schutzwall, weil die marokkanische Regierung weiß, da ist öffentliche Aufmerksamkeit da und man kann diese Frau nicht einfach so verschwinden lassen. 

DOMRADIO.DE: Was muss denn passieren, damit dieser Konflikt in der Westsahara endet und sich insbesondere die Situation auch für Kinder verbessert? 

Küppers: Marokko und die Polisario müssten sich einigen. Es gibt seit dem Waffenstillstand von 1991 das Versprechen auf ein Referendum. Das heißt, dass die Sahrauis befragt werden sollen, was mit ihrem Gebiet passieren soll. Die Polisario und die marokkanische Regierung können sich aber nicht darauf einigen, was denn die Frage in diesem Referendum ist: Die Marokkaner bieten allerhöchstens Autonomie an - so eine Art Bundesland Westsahara. Und die Polisario will natürlich Unabhängigkeit - und seitdem hängt dieses Referendum in der Luft. Die UNO ist da ebenfalls zu Gange: Unser ehemaliger Bundespräsident Horst Köhler war bis vor kurzem mal Sonderbeauftragter, aber da bewegt sich relativ wenig.

Das Interview führte Martin Bornemeier.

(DR)

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