Jesus-Bild auf einem Bett
Jesus-Bild in einer Gefängniszelle
Kardinal Christoph Schönborn
Kardinal Christoph Schönborn

16.09.2019

Kardinal Schönborn geißelt Anwendung der Todesstrafe Widerspricht der Menschenwürde

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat sich gegen die Todesstrafe ausgesprochen. Diese sei aus christlicher Sicht entschieden abzulehnen, da sie der Würde des Menschen widerspreche, sagte er im Wiener Stephansdom.

Schönborn äußerte sich am Sonntagnachmittag bei der Maria-Namen-Feier: "Die Todesstrafe, das geht nicht, weil jeder Mensch das Bild Gottes in sich trägt und daher unverlierbare Würde hat." Aus diesem Grund habe auch Papst Franziskus in diesem Punkt den Katechismus geändert und eine uneingeschränkte Ablehnung der Todesstrafe festgelegt, wie dies bereits schon Papst Johannes Paul II. gewollt habe.

Aufruf zu mehr Mitgefühl

Darüber hinaus rief der Kardinal zu mehr Mitgefühl auf. Dieses sei "jene stille Kraft, die die Welt verändert und sie menschlicher macht". Mitgefühl sei eine Art "Weltmuttersprache", die jeder verstehe und die nicht erst erlernt werden müsse, da sie bereits im Gehirn vorprogrammiert sei.

Ähnlich wie der gute Hirte im biblischen Gleichnis vom verlorenen Schaf sei es auch heute wichtig, sich um jeden einzelnen Menschen zu kümmern, betonte Schönborn weiter. Jesus erzähle vom Hirten, der die 99 anderen Schafe zurücklasse und sich auf die Suche mache nach dem einen verlorenen: "Für Gott ist keiner egal, keiner wird einfach abgeschrieben, sondern gerade die, die sich verirrt haben, die den Weg verloren haben, die in Gefahr sind, gerade die sind es, deren Gott sich besonders erbarmt."

Blick auf Kirchenaustrittszahlen

Das Gleichnis gelte auch, wenn es um die Kirchenaustrittszahlen gehe. Ähnlich wie sich der Hirte aufmache, um das eine Schaf zu finden, müsse auch die Kirche jedem nachgehen, der sie verlässt, so der Kardinal.

"Eine stille Kraft zur Veränderung der Welt" hieß das Motto der diesjährigen Feier, die von der Rosenkranz-Sühnekreuzzug-Gebetsgemeinschaft seit 1958 in Wien veranstaltet wird. In Verbindung mit dem kirchlichen Maria-Namen-Fest soll die Feier auch an die Befreiung Wiens von der osmanischen Belagerung im September 1683 erinnern.

(KNA)

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