Hinweisschild mit der Aufschrift "Whites" auf Englisch und Afrikaans aus einer öffentlichen Einrichtung in Johannesburg
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Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa
Machtwechsel in Südafrika - der neue Präsident Cyril Ramaphosa

27.04.2019

25 Jahre Demokratie und Ende der Apartheid in Südafrika "Von der Vision Mandelas sind wir weit entfernt"

Nach mehr als vier Jahrzehnten der Unterdrückung durch das Apartheid-System geben 1994 schwarze Südafrikaner zum ersten Mal ihre Stimmen bei demokratischen Wahlen ab. Doch wie steht es heute mit der Demokratie in dem afrikanischen Land?

DOMRADIO.DE: 25 Jahre Demokratie und Ende der Apartheid: Ich würde sagen, die Bilanz fällt gemischt aus in Bezug auf Versöhnung und Entwicklung. Wie sehen Sie das?

Stefan Hippler (Pfarrer in Kapstadt und Gründer der Hilfsorganisation Hope Cape Town Trust): Das ist richtig: Auf der einen Seite haben sich Dinge in Bezug auf mehr Freiheit und mehr Lebensqualität gut entwickelt. Auf der anderen Seite haben wir nicht das erreicht, was wir wollten, nämlich eine Regenbogennation, in der jeder mit jedem leben kann und will. Von der Vision Nelson Mandelas sind wir noch ein weites Stück entfernt.

DOMRADIO.DE: Auch wenn sich Nelson Mandelas Regenbogennation durchaus als Vielvölkerstaat versteht, gibt es besorgniserregende Rückschläge. Zum Beispiel sorgten in den vergangenen Jahren wiederholt rassistische Vorfälle für Schlagzeilen. Wie müssen wir uns die Situation konkret in dem Land vorstellen?

Hippler: Momentan ist die Situation in Südafrika sehr spannungsreich. Das liegt vor allem daran, dass am 8. Mai Nationalwahlen sind. Jede Partei versucht zu punkten. Da geht es um das Verhältnis von Schwarz und Weiß, aber auch von Schwarz und Schwarz. Man sieht es auch bei der Vergangenheitsbewältigung: Wurde genug Vergangenheit bewältigt? Sind die Weißen genug bereit, sich auf die schwarze Mehrheitsbevölkerung einzulassen? All diese Fragen kommen wieder hoch und werden politisch ausgenutzt. Das führt unter anderem auch zu politischer Gewalt und es führt dazu, dass Menschen, die wenig haben und am Rande der Gesellschaft leben, Dinge mit Gewalt versuchen zu ändern.

DOMRADIO.DE: Zu Jahresbeginn herrschte nationale Empörung, nachdem eine Schule die Schüler am ersten Schultag offenbar nach Hautfarbe getrennt hat. Hat Sie das überrascht?

Hippler: Das hat mich nicht überrascht. Solche Bilder oder solche Vorwürfe tauchen immer wieder auf. Man ist sehr sensibel. Sobald es irgendetwas gibt, was darauf hindeutet, dass da Rassismus im Spiel sein kann, wird das auch veröffentlicht und wird dementsprechend auch öffentlich diskutiert. Auch wenn es Fragen gibt, bei der man verschiedener Meinung ist, muss man sehr vorsichtig sein, weil der Vorwurf, dass das Rassismus ist, sofort aufkommt. Da muss man in der Bewertung solcher Vorfälle sehr vorsichtig sein.

DOMRADIO.DE: Trotzdem gilt Südafrika als eines der fortschrittlichsten Länder auf dem Kontinent. Was muss in Ihren Augen passieren, damit Versöhnung und Entwicklung weiter voranschreiten?

Hippler: Was fehlt, ist eine politische Führung, die auch moralisch führt. Wir haben die Truth and Reconciliation Commission (Wahrheits- und Versöhnungskommission) mit dem damaligen Vorsitzenden Erzbischof Tutu. Wir wissen, was damals während der Apartheid passiert ist, aber es hat keine Heilung stattgefunden. Menschen sind nicht zusammengeführt worden. In den letzten neun Jahren der Regierung Jacob Zumas ist alles andere passiert als Versöhnung. Das heißt, das Thema Versöhnung muss wieder aufgegriffen und der Traum Nelson Mandelas muss vor allen Dingen von den Politikern, die das Sagen haben, weiter gelebt und vorgelebt werden.

DOMRADIO.DE: Hoffnungen werden jetzt auch in die Parlamentswahlen gesteckt, die am 8. Mai stattfinden werden. Einige Beobachter sagen dem Afrikanischen Nationalkongress (ANC) trotz Bestechungsskandal einen Sieg mit über 60 Prozent voraus. Wie ist das zu erklären?

Hippler: Die ältere Generation hängt noch vollkommen an dieser Befreiungsorganisation und wird nicht anders wählen, egal was der ANC macht. Von daher erwarten wir einen Wahlsieg des ANC. Die Frage ist, wie stark er ausfällt. Man wünscht sich, dass Cyril Ramaphosa so viele Stimmen erhält, dass er im Prinzip alleine weiterregieren kann. Am meisten fürchten die Südafrikaner, dass Ramaphose in eine Koalition gehen muss, sollte er nicht genug Stimmen bekommen.

(DR)

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