Rohingya-Rückführung vorerst gescheitert

Es fehlen die Freiwilligen

Eigentlich sollten in diesen Tagen die ersten Rohingya aus Bangladesch nach Myanmar zurückkehren. Doch der Plan scheitert zunächst - mangels Freiwilliger. Stattdessen demonstrieren in den Flüchtlingslagern hunderte Menschen gegen die Rückführung.

Flüchtlinge im Lager Kutupalong in Bangladesch / © Altaf Qadri (dpa)
Flüchtlinge im Lager Kutupalong in Bangladesch / © Altaf Qadri ( dpa )

Der Beginn der Rückführung von Rohingya-Flüchtlingen von Bangladesch nach Myanmar ist erst einmal nicht zustandegekommen. In den Lagern sei niemand zu einer Rückkehr bereit gewesen, sagte der Chef der Flüchtlingskommission von Bangladesch, Abul Kalam, dem asiatischen katholischen Pressedienst Ucanews (Donnerstag).

An den Transitpunkten des Lagers standen demnach Busse für 150 Rohingya bereit; "aber niemand ist gekommen", so Kalam. Seine Behörde werde aber in den kommenden Tagen weiter Transportmittel für den Fall bereitstellen, dass Angehörige der islamischen Minderheit doch freiwillig nach Rakhine in Myanmar zurückkehren wollten.

Warnungen vor Rückkehr

In den Flüchtlingslagern in Bangladesch demonstrierten mehrere Hundert Rohingya gegen die Pläne, sie Rückführungspläne. "Wir gehen nicht", riefen sie in einem der Camps im südbangladeschischen Cox's Bazar. Ohne eine Anerkennung ihrer Bürgerrechte wollten sie nicht zurück in ihre Heimat, erklärten die staatenlosen Flüchtlinge.

Die Vereinten Nationen sowie Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen hatten bis zuletzt eindringlich vor einer Rückführung gewarnt. Ohne eine Garantie der Staatsbürgerschaft, Reisefreiheit und Sicherheit für die Rückkehrer sei die Aktion für die Betroffenen zu gefährlich. Bangladesch hatte daraufhin erklärt, niemand werde gegen seinen Willen zurückgeschickt.

UNO spricht von Völkermord

Die Rückführung war bereits vor einem Jahr zwischen den asiatischen Nachbarländern vereinbart worden. Ende Oktober hatten sie dann den Beginn an diesem Donnerstag angekündigt. Die Länder hatten sich auf eine Liste von zunächst 2260 Rückkehrern geeinigt. Viele derjenigen, die auf der Liste standen, tauchten in dieser Woche aus Angst, zurückgeschickt zu werden, innerhalb der Flüchtlingslager unter.

Ab Ende August 2017 waren innerhalb kurzer Zeit mehr als 700.000 Rohingya vor Gewalt durch das Militär aus Myanmar nach Bangladesch geflüchtet. Die Angehörigen der muslimischen Minderheit werden seit Jahrzehnten im ehemaligen Birma diskriminiert. UN-Ermittler sprechen von einem "anhaltenden Völkermord" mit mindestens 10.000 Toten.

Aung San Suu Kyi in der Kritik

Unterdessen nimmt wegen der Rohingya-Krise die internationale Kritik an Myanmars Staatsrätin Aung San Suu Kyi zu. Die Friedensnobelpreisträgerin "rechtfertigt, was nicht zu rechtfertigen ist", sagte Malaysias Ministerpräsident Mahathir Mohamad laut örtlichen Medien beim derzeitigen Gipfeltreffen des südostasiatischen Staatenbundes ASEAN in Singapur. Suu Kyi wies vehement Kritik von US-Vizepräsident Mike Pence an "Gewalt und Morden" an den Rohingya zurück.​


Quelle:
dpa , KNA