Islamisten protestieren gegen Freispruch für Asia Bibi
Islamisten protestieren gegen Freispruch für Asia Bibi
Ashiq Masih, Ehemann der in Pakistan zum Tode verurteilten Christin Asia Bibi
Ashiq Masih, Ehemann der in Pakistan zum Tode verurteilten Christin Asia Bibi
Petition für die Freilassung von Asia Bibi
Petition für die Freilassung von Asia Bibi
Pakistanische Christinnen beten für Asia Bibi
Pakistanische Christinnen beten für Asia Bibi

06.11.2018

Forderungen aus Deutschland nach Hilfe für Christin Asia Bibi Schutz für Asia Bibi?

Das Schicksal der Christin Asia Bibi in Pakistan bewegt: Neben Politikern ruft das Hilfswerk missio Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu auf, sich persönlich für die Freiheit, Sicherheit und Ausreisemöglichkeiten Bibis einzusetzen.

Der Ehemann der in Pakistan verurteilten Christin Asia Bibi hat Italiens Regierung um Hilfe für eine Ausreise und um Asyl gebeten. Das teilte das katholische Hilfswerk "Kirche in Not" in Rom am Dienstag unter Berufung auf ein Telefonat mit Bibis Ehemann Ashiq Masih mit.

Die Aufhebung des Todesurteils gegen die Christin durch Pakistans Obersten Gerichtshof hatte zu massiven Protesten radikaler Muslime geführt. Aus Angst um ihr Leben halte sich die Familie versteckt, sagte Asia Bibis Ehemann Ashiq Masih laut "Kirche in Not".

Vergangenen Februar reisten Ashiq Masih und eine gemeinsame Tochter nach Rom, wo sie unter anderem von Papst Franziskus empfangen wurden.

Richter von Islamisten bedroht worden

Das Oberste Gericht von Pakistan hatte in der vergangenen Woche zwar ein Blasphemie-Todesurteil gegen Asia Bibi aufgehoben, die seit fast zehn Jahren in Haft ist, und die sofortige Freilassung der etwa 50-Jährigen angeordnet. Unter dem Druck islamistischer Demonstranten verhängte die Regierung aber eine Ausreisesperre gegen Bibi. Die pakistanische Regierung hatte der radikalislamischen Partei TLP zugesichert, Asia Bibi dürfe das Land nicht verlassen. Zudem könne es einen Antrag auf Neueröffnung des Verfahrens geben.

Die religiösen Hardliner fordern den Tod von Bibi und der verantwortlichen drei Richter. Außerdem verlangen sie, dass der Fall vor Gericht mit anderen Richtern neu verhandelt wird. Derzeit ist die Frau noch weiter im Gefängnis. Sie war 2009 wegen Blasphemie angeklagt und 2010 zum Tode verurteilt worden.

Der Anwalt der Familie, Saif ul-Malook, der selbst Muslim ist, verließ Pakistan vergangenen Freitag aus Furcht vor Übergriffen. Der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" sagte der Jurist, er räume einer Neueröffnung des Verfahrens keine großen Chancen ein. Allerdings fürchte er um die Sicherheit der Familie Asia Bibis sowie um die seiner eigenen.

"Die Regierung hat einfach nicht den Mut"

Der pakistanische Religionsexperte Waheed Yousuf kritisierte derweil die Regierung seines Landes wegen der bislang nicht erfolgten Freilassung Asia Bibis. "Die Frau kommt nicht frei, weil die Regierung fürchtet, dieser Schritt werde der Regierung schaden", sagte er am Dienstag im Interview der "Süddeutschen Zeitung".

"Die Regierung hat einfach nicht den Mut, gegen diese Leute vorzugehen, die Bibis Tod fordern", so Yousuf. Mit religiösen Gefühlen werde in Pakistan Politik gemacht. Gehe man gegen die islamistischen Gruppen vor, werde sofort behauptet: "Du hast den Islam oder den Propheten beleidigt." Man müsse zudem berücksichtigen, dass mehrere Politiker ermordet worden seien, die sich für die angebliche Gotteslästerin eingesetzt hätten. Nun gebe es eine Fatwa gegen die Richter, die sie freisprachen. Dies komme einem Todesurteil gleich.

"Unser Land ist vergangene Woche in eine sehr gefährliche Lage geraten", so der Experte. Sogar der Armeechef befinde sich in Bedrängnis. Ihm werde von den Radikalen vorgeworfen, das Gericht gedrängt zu haben, Asia Bibi freizulassen. Nun sei der Bedrohte sehr darauf bedacht, öffentlich seinen Glauben zu zeigen. Das verdeutliche, "wie stark die Bewegung gegen Bibi und die obersten Richter ist". Man dürfe in Pakistan als Angehöriger einer Minderheit nicht frei sprechen; das wisse jeder. Für Christen sei die Lage "besonders schrecklich".

Deutsche Unterstützung für Asia Bibi

Unterdessen sprechen sich deutsche Politiker und Hilfsorganisationen für eine Aufnahme von Asia Bibi aus. Das katholische Hilfswerk missio Aachen fordert mit einer E-Mail- und Briefaktion die Bundeskanzlerin zur Unterstützung der pakistanischen Christin Asia Bibi auf. Angela Merkel (CDU) solle sich persönlich für die Freiheit, Sicherheit und Ausreisemöglichkeiten Bibis einsetzen, verlangte missio am Dienstag in Aachen.

Die Bundeskanzlerin solle gegenüber der pakistanischen Regierung unter Ministerpräsident Imran Khan auf die dauerhafte Sicherheit von Asia Bibi, ihrer Familie und auch ihrer Unterstützer bestehen, hieß es weiter. Eine sofortige Ausreise Bibis und ihrer Familie in ein Land ihrer Wahl müsse ebenso gewährleistet werden, wenn nötig auch mit diplomatischer oder logistischer Hilfe der Bundesregierung, so missio.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, begrüßte die Aufhebung des Urteils durch die höchsten pakistanischen Gerichte und auch die anschließenden Worte des neuen Premierministers. "Das Blasphemie-Gesetz dient inzwischen allenfalls einer radikalen Gruppe im Lande, die Religion für ihre machtpolitischen Ränkespiele zu instrumentalisieren versucht. Traurig aber wahr, zu viele sind dadurch zu Tode gekommen. Das darf niemals mehr passieren", sagte Mazyek der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

"Es ist Gefahr in Verzug"

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, erklärte am Montagabend in seinen Social-Media-Kanälen: "Was der pakistanischen Christin Asia Bibi gegenwärtig widerfährt, ist grauenhaft. Trotz ihres Freispruchs von dem unsinnigen Vorwurf der Gotteslästerung wird sie noch immer bedroht von religiösen Fanatikern." Er hoffe, dass sie bald in Sicherheit sein werde. Bereits am Wochenende äußerten sich auch die deutschen katholischen Bischöfe besorgt über die Proteste in Pakistan.

Der menschenrechtspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Brand (CDU) sagte am Dienstag in Berlin: "Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, dass Asia Bibi in Freiheit und in Sicherheit leben kann". Brand erklärte, obwohl die obersten Richter Asia Bibi Freiheit zugesprochen hätten, sei ihr Leben jetzt auf das Höchste bedroht. "Es ist Gefahr in Verzug", betonte der CDU-Politiker. "Aus dem hoffnungsvollen Richterurteil für mehr Religionsfreiheit ist jetzt eine dramatische Hiobsbotschaft geworden: Trotz Aufhebung des Todesurteils wollen radikale Islamisten diese mutige Christin wieder in der Todeszelle sehen."

(KNA, epd)

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