Gegend um die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba - mit grünen Feldern Ende 2012
Gegend um die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba
 Kardinal Berhaneyesus Demerew Souraphiel, Erzbischof von Addis Abeba
Kardinal Berhaneyesus Demerew Souraphiel, Erzbischof von Addis Abeba

28.10.2018

Kardinal Souraphiel über die Lage in seinem Heimatland Äthiopien "Fortgehen allein ist keine Lösung"

Äthiopien ist Schwerpunktland der diesjährigen missio-Aktion zum Monat der Weltmission. Im Interview spricht der äthiopische Kardinal Berhaneyesus Demerew Souraphiel über die Lage in seiner Heimat.

KNA: Herr Kardinal, was sind die drängendsten Probleme, mit denen Äthiopien zu kämpfen hat?

Berhaneyesus Demerew Souraphiel (Kardinal und Erzbischof von Addis Abeba): Armut und Arbeitslosigkeit zählen zu den zentralen Herausforderungen. Viele junge Menschen versuchen, woanders ein besseres Leben zu finden - etwa in Saudi-Arabien. Wir als katholische Kirche in Äthiopien sind der Meinung, dass Fortgehen allein keine Lösung ist. Wir wollen die Situation in unserem Land verbessern.

KNA: Was genau tun Sie dafür?

Souraphiel: Wir sind mit schätzungsweise 0,7 Prozent der Bevölkerung eine kleine Kirche, aber wir haben rund 400 katholische Bildungseinrichtungen und fast 90 Gesundheitszentren, mit denen wir vor allem die weniger entwickelten, entlegenen ländlichen Regionen erreichen. Bildung ist einer der Schlüssel zur Überwindung der Armut. Wenn die Menschen gut ausgebildet sind, öffnet das Wege für eine legale Migration. Dann werden unsere Leute im Ausland respektiert - und nicht ausgebeutet. Dann bekommen sie gute Löhne für sich, für ihre Familien und auch für ihr Land.

KNA: Ein weitere große Herausforderung ist die hohe Zahl der Flüchtlinge in Äthiopien. Wie gehen Sie damit um?

Souraphiel: Ja, das ist richtig. Es gibt rund eine Million Flüchtlinge, vor allem aus dem Südsudan, Somalia und Eritrea. Hinzu kommen Binnenvertriebene wegen der verschiedenen ethnischen Konflikte innerhalb des Landes. Es ist eine christliche Pflicht, Menschen in Not zu helfen - auch wenn das nicht immer einfach ist. Zum Beispiel wissen wir nicht genau, ob aus Somalia nicht auch Anhänger der islamistischen Shabaab-Miliz zu uns kommen. Das sorgt hin und wieder für Unruhe. Insgesamt jedoch ist es großartig, was gemeinsam mit den Vereinten Nationen und internationalen Hilfsorganisationen bei der Versorgung der Flüchtlinge geleistet wird.

KNA: Was halten Sie vom neuen Premierminister Abiy Ahmed?

Souraphiel: Er ist ein Hoffnungsträger. Wir haben in der Vergangenheit zu sehr die ethnischen Unterschiede betont. Nun steht das Streben nach Einheit wieder mehr im Vordergrund. Hoffentlich gelingt es ihm, den Aufbau demokratischer Institutionen voranzutreiben, damit alle Gruppen mit einbezogen werden.

KNA: Der jüngste Friedensschluss zwischen Äthiopien und Eritrea hat ebenfalls für neue Hoffnung gesorgt. Allerdings sind viele Experten skeptisch. Was meinen Sie: Wird dieser Friede von Dauer sein?

Souraphiel: Die Skepsis ist nicht unbegründet. Dennoch ist es eine große Errungenschaft, dass zwei afrikanische Regierungen vorangegangen sind und einen jahrelangen Konflikt selbst gelöst haben.

Das Interview führte Alexander Pitz.

(KNA)

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