Frauen und Kinder flüchten vor Boko Haram in Nigeria
Frauen und Kinder flüchten vor Boko Haram in Nigeria

04.09.2018

Helferin zur Lage in der Tschadsee-Region "Der Bedarf ist bei Weitem noch nicht gedeckt"

In Berlin verhandelt die internationale Gemeinschaft gemeinsam mit den Anrainerstaaten des Tschads über weitere Hilfe für die afrikanische Krisenregion. Seit Jahren wütet dort die islamistische Terrorgruppe Boko Haram, Millionen leiden Not oder wurden vertrieben.

KNA: Frau Wandou, was sind derzeit die Hauptprobleme in der Tschadsee-Region?

Marthe Wandou (Direktorin der Caritas-Partnerhilfsorganisation Aldepa in Kamerun): Das Hauptproblem ist der Boko-Haram-Konflikt, der seit zehn Jahren andauert. Durch ihn gibt es viele Flüchtlinge, aber noch mehr Binnenvertriebene. Viele Häuser wurden verbrannt, viele Ernten vernichtet, die Straßen sind unsicher. Auch viele Schulen wurden zerstört oder aus Sicherheitsgründen geschlossen. Die medizinische Versorgung leidet darunter, dass viele Krankenhäuser ebenfalls zerstört wurden. Durch die Schließung der Grenzen leidet der Handel und damit die ganze Region.

KNA: Rund 2,4 Millionen Menschen wurden in der Region vertrieben. Was wird aus ihnen?

Wandou: Ein großes Problem ist der Zugang zu Land und Wasser. Dadurch, dass die Menschen vertrieben wurden und sich in bestimmten Bereichen konzentrieren, ist dann in diesen Bereichen zu wenig Land und Wasser für alle da.

KNA: Kann humanitäre Hilfe überhaupt alle erreichen, wenn die Straßen unsicher sind?

Wandou: Manche Orte sind aufgrund der Sicherheitslage unerreichbar. Der Staat stellt militärische Begleitung zur Verfügung, aber oft sind diese Eskorten begrenzt, so dass Hilfsorganisationen sich am Ende ohne Schutz bewegen müssen. Das stellt eine hohe Gefahr für die Mitarbeiter dar.

KNA: Boko Haram entführte 2014 in Nigeria 276 Schulmädchen. Ihr Schicksal erschütterte die Weltgemeinschaft. Wie ist die Situation für Frauen und Mädchen heute?

Wandou: Viele Frauen und Mädchen wurden Opfer von sexueller Gewalt oder sind traumatisiert, weil Männer oder Väter von Boko Haram ermordet wurden. Die Frauen stehen nun allein da und müssen ihre Kinder durchbringen.

KNA: In manche Gebiete kehren nun Menschen zurück, die bei Boko Haram waren. Werden sie wieder aufgenommen?

Wandou: Manche waren freiwillig als Kämpfer bei Boko Haram, andere als Gefangene oder Geisel. Beide Gruppen kehren jetzt zurück, aber die Gemeinden sind nicht bereit, sie aufzunehmen. Es gibt noch keinen klaren Ansatz, um dieses Problem zu lösen und die Wiedereingliederung der Menschen zu unterstützen.

KNA: In Oslo hat die internationale Gemeinschaft Anfang 2017 bereits 672 Millionen US-Dollar zugesagt. Inwiefern hat dieses Geld geholfen?

Wandou: Die Lage hat sich verbessert durch diese Unterstützung. Die Gelder haben bei der Wasserversorgung, medizinischer Versorgung und der Grundbildung geholfen. Auch psychologische Betreuung von Opfern des Konflikts konnte damit geleistet werden.

KNA: Was erwarten Sie von der aktuellen Geberkonferenz in Berlin?

Wandou: Ich erhoffe mir ein geschärftes Bewusstsein für den weiteren Bedarf an Geldern. Der Bedarf ist bei Weitem noch nicht gedeckt. Das Zusammengehen von humanitärer Hilfe, Entwicklungs- und Friedensarbeit muss weitergehen und noch gestärkt werden. Basisinfrastruktur wie Schulen, Wasserversorgung und das Gesundheitswesen muss mit neuem Geld weiter ausgebaut werden. In jetzt erst wieder zugänglich werdenden Gebieten ist weitere Hilfe nötig.

KNA: Gibt es Probleme mit Korruption in der Tschadsee-Region? Wer kontrolliert, dass das Geld auch tatsächlich bei denen ankommt, die es brauchen?

Wandou: Es ist schwierig für mich, mich dazu zu äußern. Aber ich stimme den Aussagen von Beobachtern zu, dass man an manchen Stellen zu wenig Wirkung sieht, dafür dass so viel Geld in die Region fließt.

Man stellt sich die Frage, wo das Geld hingeht. Grundsätzlich hat die Zivilgesellschaft zu wenig Einfluss auf Entscheidungen. Ich hoffe, dass auch durch die Konferenz die Regierungen die Zusammenarbeit zur Bekämpfung der Korruption verstärken werden.

KNA: In der Tschadsee-Region gibt es weitere Konflikte, zum Beispiel zwischen muslimischen Fulani-Hirten und christlichen Bauern. Welche Rolle spielt das?

Wandou: Die Spannungen haben sich durch den Boko-Haram-Konflikt eher noch verschärft. Sowohl Viehzüchter als auch Ackerbauern müssen fliehen und konkurrieren dann andernorts um die knappen Ressourcen. Beide Gruppen sind Opfer des Konflikts.

KNA: Wie können die Kirche oder Caritas dabei helfen, die Probleme zu lösen?

Wandou: Kirche und Caritas haben eine hohe Glaubwürdigkeit in der Region. Sie können sehr gut dazu beitragen, grenzübergreifend zu arbeiten und Programme zu entwickeln, die einen regionalen Ansatz haben. Damit können sie auch als Beispiel für größere staatliche Hilfe dienen.

Das Interview führte Alexander Riedel.

(KNA)

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