Unicef: "Die Lage in abgeriegelten Orten ist besonders düster."
Unicef: "Die Lage in abgeriegelten Orten ist besonders düster."
Ninja Charbonneau
Ninja Charbonneau

16.11.2017

Unicef zur Situation in Syrien "Ein Wettlauf gegen die Zeit"

Kurz vor dem siebten Kriegswinter in Syrien warnt Unicef vor einer Winterkatastrophe. Sechs Millionen Kinder seien auf humanitäre Hilfe angewiesen, betont Kinderhilfswerk-Sprecherin Ninja Charbonneau. Die Kälte mache die Lage noch dramatischer.

domradio.de: Sie sind am Wochenende erst aus Syrien zurückgekehrt. Wie leben denn die Kinder im jetzt siebten Kriegswinter?

Ninja Charbonneau (Pressesprecherin von Unicef Deutschland): Die Situation ist wirklich dramatisch. Es gibt kein Kind, das nicht direkt oder indirekt von diesem Krieg betroffen ist. Man muss sagen, das Bild ist nicht ganz einheitlich.

Es gibt Regionen Syriens, die relativ friedlich sind. Es gibt andere Regionen, die nach wie vor heftig umkämpft sind. Aber insgesamt gibt es eine große Zahl von Kindern - sechs Millionen - die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, die Unterstützung brauchen bei Lebensmittelversorgung und Wasser. Es gibt viele Kinder, die nicht zur Schule gehen können, weil nur noch jede dritte Schule in Betrieb ist. Es sind auch nur noch wenige Krankenhäuser in Betrieb.

Und jetzt steht der Winter bevor. Es wird jetzt langsam auch in Syrien und der Region empfindlich kalt. Und das ist wirklich die konkrete Sorge, die uns gerade umtreibt.

domradio.de: Zudem gibt es nicht zu allen Kindern einen Zugang. Viele sind von Hilfen abgeschnittern.

Charbonneau: Das ist richtig. Es gibt noch eine Reihe von belagerten und von sogenannten schwer zugänglichen Orten. In den belagerten Städten wie zum Beispiel in Ost-Ghuta in der Nähe von Damaskus ist die Situation wirklich verheerend. Es gelangt kaum Hilfe hinein. Uns ist im September und auch jetzt vor kurzem mit den Vereinten Nationen wieder gelungen, einen Hilfskonvoi reinzubringen. Aber das passiert immer nur sporadisch und ist nicht genug. Wir wissen, dass zahlreiche Kinder in diesen wirklich abgeriegelten Orten konkret Hunger leiden oder lebensbedrohlich erkrankt sind und nicht versorgt werden können. Für sie ist die Lage wirklich besonders düster.

 

 

domradio.de: Wie kann man verhindern, dass aus dieser Kriegskatastrophe eine Winterkatastrophe wird. Was können Sie tun?

Charbonneau: Wir stehen eigentlich in den Startlöchern. und haben alles soweit vorbereitet. Was uns jetzt - ehrlich gesagt - noch fehlt, ist das Geld, um das umzusetzen.

Wir lassen gerade die warme Winterkleidung vor Ort in Syrien produzieren und kaufen sie dann dort ein. Wir besorgen warme Winterdecken, Heizöfen und so weiter. Das ist gerade für die vielen Kinder und Familien, die wir jetzt zum Beispiel in Aleppo getroffen haben, ganz wichtig. Weil viele von ihnen in Ruinen leben oder in sehr notdürftigen Notunterkünften, die keine Fenster haben. Dort sind sie Kälte und Nässe wirklich fast schutzlos ausgeliefert sind. 

domradio.de: Wenn Sie sagen, es fehlt am Geld, wie und wo kann man spenden?

Charbonneau: Am liebsten natürlich gerne direkt auf unicef.de oder auch per Überweisung an Unicef Deutschland. Wir stehen in direktem Kontakt mit unseren Kollegen vor Ort und leiten das so schnell wie möglich weiter. Es ist wirklich ein Wettlauf gegen die Zeit, denn die Temperaturen sinken. Im vergangenen Winter sind in einer Notunterkunft zwei Babys erfroren. Und wir wollen jetzt wirklich alles tun, um zu verhindern, dass es zu so einer Katastrophe kommt. 

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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