Pure Verzweiflung
Verzweifelte Rohingya-Flüchtlinge

11.10.2017

Myanmar will laut UN Rohingya-Rückkehr verhindern Gezielte Traumatisierung?

Kein Ende im Rohingya-Konflikt in Sicht: Die Sicherheitskräfte Myanmars wollen die muslimische Minderheit der UN zufolge offenbar mit Gewalt gezielt traumatisieren. Die Kampagne soll die Männer, Frauen und Kinder für immer vertreiben.

Die Sicherheitskräfte Myanmars haben nach einem UN-Bericht die muslimische Minderheit der Rohingya in organisierter und systematischer Weise angegriffen. Die Täter wollten die Rohingya aus Myanmar vertreiben und auch ihre Rückkehr unmöglich machen, erklärten Experten des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte in einer am Mittwoch in Genf veröffentlichten Studie.

Gezielte Traumatisierung?

Die Sicherheitskräfte wollten die Männer, Frauen und Kinder der Minderheit gezielt ängstigen und traumatisieren, so dass sie sich nicht mehr in ihre Heimat im Rakhine-Staat zurücktrauten. Bewaffnete buddhistische Aktivisten hätten den Soldaten und Polizisten bei der brutalen Verfolgung der Rohingya geholfen, hieß es. Die Experten der Vereinten Nationen hatten für den Bericht Mitte September mehrere Dutzend Rohingya in Bangladesch interviewt.

Seit August flüchteten nach UN-Angaben mehr als 520.000 Rohingya aus Myanmar nach Bangladesch. Die Vereinten Nationen sprechen von der am schnellsten eskalierenden Flüchtlingskrise weltweit. Die Rohingya werden im mehrheitlich buddhistischen Myanmar nicht als Minderheit anerkannt, haben keine Bürgerrechte und werden seit Jahrzehnten drangsaliert und verfolgt.

Interreligiöse Kundgebung

Unterdessen kamen in Myanmars früherer Hauptstadt Rangun Zehntausende Menschen zu einer interreligiösen Kundgebung zusammen, um die Einheit des Landes zu beschwören. Wie lokale Medien berichteten, nahmen daran am Dienstagabend Buddhisten, Christen, Muslime und Hindus teil. Mitorganisiert wurde die Demonstration von der Regierungspartei "Nationale Liga für Demokratie" (NLD) von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi.

In den sozialen Netzwerken beklagten Kritiker allerdings, die Veranstaltung habe vor allem nationalistischen Charakter gehabt. Vor den Teilnehmern, von denen viele Porträts der de-facto-Regierungschefin Suu Kyi in Händen hielten, verteidigten Redner die Friedensnobelpreisträgerin gegen internationale Kritik.

Appelle an Myanmars Regierung

UN-Generalsekretär António Guterres, der UN-Hochkommissar für Menschenrechte Seid Ra'ad al-Hussein sowie der UN-Sicherheitsrat verlangen seit Wochen von den Streitkräften und der Regierung Myanmars ein Ende der Offensive gegen die Rohingya.

Der Konflikt im Westen Myanmars war wieder aufgeflammt, nachdem sich die Miliz "Arakan Rohingya Salvation Army" (Arsa) am 25. August zu Angriffen auf Dutzende Polizei- und Armeeposten bekannt hatte. Die Armee reagierte auf die Attacken der schlecht bewaffneten Angreifer mit brutaler Gegengewalt, in deren Zuge nach offiziellen Angaben Hunderte Menschen getötet und zahlreiche Dörfer in Rohingya-Gebieten niedergebrannt wurden. Sowohl das Militär als auch Suu Kyi haben die Vorwürfe gezielter Gräuel und ethnischer Säuberungen zurückgewiesen.

(epd)

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