Kinderarbeit in Kobaltmine im Kongo
Kinderarbeit in Kobaltmine im Kongo
Rund die Hälfte des weltweiten Kobalt-Bedarf stammt aus dem Kongo
Rund die Hälfte des weltweiten Kobalt-Bedarf stammt aus dem Kongo

19.01.2016

​Smartphone-Hersteller profitieren laut Amnesty von Kinderarbeit Lebensgefährlicher Kobalt

Wer ein Smartphone kauft, denkt kaum daran: Für deren Herstellung ist laut Amnesty International Kinderarbeit an der Tagesordnung. Die Menschenrechtsorganisation sieht die Smartphone-Hersteller in der Pflicht.

Smartphones, Tablets, Notebooks: Schon für viele Kinder und Jugendliche in Deutschland gehören sie zum Standard. Handys werden alle ein, zwei Jahre gewechselt, wenn es neue Modelle gibt. Die weltweit steigende Nachfrage nach den elektronischen Geräte und den dafür notwendigen Batterien führt zu einen wachsenden Bedarf an Kobalt, einem Schlüsselmineral für wiederaufladbare Lithium-Ionen-Akkus.

Für die Altersgenossen der deutschen Kinder und Jugendlichen in der Demokratischen Republik Kongo eine verhängnisvolle Entwicklung. In kleinen Kobaltminen im Süden des Kongos schuften Tausende Minderjährige, manche von ihnen nur sieben Jahre alt, unter prekären Bedingungen und ohne Sicherheitsausrüstung, wie die Menschenrechtsorganisation am Dienstag in einem neuen Bericht mitteilte. Viele zögen sich für einen Hungerlohn von ein bis zwei US-Dollar pro Tag unter anderem dauerhafte Lungenschäden zu. Die Kinder erhielten höchstens ein bis zwei Dollar pro Tag als Lohn, heißt es weiter. Viele würden lediglich mit Säcken voller Mineralien bezahlt und könnten gar nicht abschätzen, ob sie angemessen bezahlt würden.

Arbeiter setzen Gesundheit und Leben auf´s Spiel

Laut Bericht stammt mit 45.000 Tonnen mehr als die Hälfte des weltweiten Bedarfs an Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo. Amnesty verweist auf Schätzungen der kongolesischen Regierung, dass mehr als 20 Prozent davon von Arbeitern im Kleinstbergbau gefördert werden. Schätzungsweise 110.000 bis 150.000 von ihnen förderten das Metall abseits großer Minen mit den Händen oder primitiven Werkzeugen aus der Erde und grüben dazu gefährliche Tunnel, die mehrere hundert Meter lang sein können.

Mit tödlichen Folgen: Männer, Frauen und Kinder riskierten im Kleinstbergbau täglich ihre Gesundheit und ihr Leben, heißt es. "Allein im Südkongo starben zwischen September 2014 und Dezember 2015 mindestens 80 Bergleute", so Verena Haan, Expertin für Wirtschaft und Menschenrechte bei Amnesty International in Deutschland.

Kritik an kongolesischer Regierung und Konzernen

Amnesty fordert die Elektronik- und Autohersteller in dem Bericht auf, sicherzustellen, dass in Batterien kein Kobalt verarbeitet wird, das aus Minen mit Kinderarbeit stammt. Falls sie von Menschenrechtsverletzungen erführen, müssten sie sofort Abhilfe schaffen - so wie es die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte verlangten, betonte Haan. Die Regierungen der Länder, in denen die Unternehmen sitzen, also zum Beispiel die USA, China, Südkorea und Japan, müssten von den Konzernen mehr Transparenz einfordern. Notwendig seien auch strengere Gesetze. 

Die Menschenrechtsorganisation fordert auch eine effektivere Überwachung der kleinen Minen durch die kongolesischen Behörden, um Mindeststandards in Bezug auf Arbeitsrecht und Sicherheit zu gewährleisten. Die Regierung in Kinshasa wies die Vorwürfe des Amnesty-Berichts zurück. Diese seien nur eine Finte anderer Kobalt-produzierenden Länder, um ihren Marktanteil auszubauen, erklärte Regierungssprecher Lambert Mende.

"Der ganze Körper schmerzt"

"Millionen Menschen profitieren von den neuen Technologien, aber sie fragen nicht, wie sie produziert werden", sagte Amnesty-Experte Mark Dummett. "Die glamourösen Läden und das Marketing der neuesten Technologien stehen in starkem Kontrast zu Kindern, die Säcke mit Steinen schleppen, zu Minenarbeitern in mit der Hand geschlagenen Schächten und zu dauerhaften Lungenschäden", sagte er. Das UN-Kinderhilfswerk schätzte 2014, dass in den Minen im Süden des Kongos rund 40 000 Minderjährige beschäftigt sind.

Aus dem Kongo geht das Kobalt Amnesty zufolge über Zwischenhändler, zumeist Chinesen, vor allem an Congo Dongfang Mining (CDM), eine Tochter des chinesischen Unternehmens Huayou Cobalt. Von dort werde das Kobalt an Batterieproduzenten verkauft. Huayou Cobalt erklärte, Kinderarbeit bei Zulieferern auszuschließen. Bei dem Besuch von zwei Minen im Jahr 2014 sei keine Kinderarbeit festgestellt worden.

Amnesty interviewte für den Bericht rund 90 Arbeiter in den kleinen Minen. Viele der Jungen und Mädchen arbeiten demnach täglich zwölf Stunden in den Minen, schleppen schwere Lasten und sind gesundheitlichen Gefahren durch Kobaltstaub ausgesetzt. Die Studie zitiert den 14-jährigen Paul, der seit seinem zwölften Lebensjahr Kobalt schürft und häufig 24 Stunden in den Tunneln zubringt. Andere müssen in großer Hitze oder Kälte schuften. "Es gibt so viel Staub, man fängt sich leicht Erkältungen ein, und der ganze Körper schmerzt", erzählt der 15-jährige Dani.

(KNA, dpa)

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