Jesiden demonstrieren für Jesiden
Jesiden demonstrieren für Jesiden

19.03.2015

Uno wirft Terrormiliz IS Völkermord im Irak vor "Jesiden sollten als Gruppe zerstört werden"

Die Vereinten Nationen werfen der Terrormiliz "Islamischer Staat" Kriegsverbrechen vor. In einem Bericht heißt es, die systematischen Angriffe auf die Jesiden seien als Völkermord einzustufen.

In ihrem Bericht schreiben die Vereinten Nationen, der IS habe die Absicht verfolgt, die "Jesiden als eine Gruppe zu zerstören". Die UNO beruft sich auf mehr als 100 Zeugen und Überlebende. Der Report des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte deckt den Zeitraum Juni 2014 bis Februar 2015 ab und entstand auf Initiative der irakischen Regierung.

Die IS-Milizen hätten Hunderte jesidische Männer zusammengetrieben und ermordet. Jesidische Jungen im Alter zwischen 8 und 15 Jahren seien vom IS verschleppt und zur Konvertierung zum Islam gezwungen worden. Danach habe man die Jungen für den Dschihad gedrillt. Mädchen und Frauen seien von den Terroristen vergewaltigt und als Sexsklavinnen verschleppt worden.

Forderung an Internationalen Gerichtshof

Als Konsequenz der IS-Verbrechen sei das Leben der jesidischen Religionsgemeinschaft in vielen Orten des Iraks erloschen, konstatieren die Autoren des Berichts. 

Die Ermittler appellieren an den gegenwärtig in Genf tagenden UN-Menschenrechtsrat, sich beim UN-Sicherheitsrat in New York für die strafrechtliche Verfolgung aller derartigen Verbrechen im Irak einzusetzen. Der UN-Sicherheitsrat müsse damit den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag beauftragen.

Zentralrat der Jesiden für Schutzzone

Der Zentralrat der Jesiden in Deutschland nannte die Bewertung der Verbrechen durch die Vereinten Nationen folgerichtig. "Alles andere hätte uns überrascht", sagte der Sprecher Holger Geisler in Oldenburg. Nun erwarte man mit Spannung die Reaktionen der internationalen Gemeinschaft. 

Nötig sei vor allem eine Schutzzone für Jesiden und orientalische Christen im Nordirak, sagte Geisler: "Damit Menschen dort in Ruhe leben können." Eine Schutzzone sei aber nur mit Hilfe von Bodentruppen möglich. Doch derzeit sei keine Nation dazu bereit, Truppen zu schicken, sagte Geisler. Deshalb müssten konkrete Alternativen zum Schutz der Jesiden erarbeitet werden.

UNO: Auch Verbrechen an anderen Minderheiten

Die UNO-Autoren berichten auch von schweren Verbrechen des sunnitischen IS an schiitischen Muslimen. Dazu gehört das Massaker an 600 Männern in einem Gefängnis im Juni 2014. Bis Anfang August 2014 seien rund 200.000 Christen und Angehörige anderer Minderheiten im Irak vor den anrückenden Terroreinheiten geflohen. Die marodierenden Milizen hätten Kirchen und andere Gebäude in den eroberten Gebieten zerstört.

Das UN-Hochkommissariat beschuldigt auch die irakischen Regierungstruppen und verbündete Einheiten, schwere Verbrechen im Kampf gegen den IS verübt zu haben. Zu den Taten zählten Folter, Entführungen, Vertreibungen und willkürliche Hinrichtungen, unter den Opfern seien auch Zivilisten gewesen. "Einige dieser Untaten könnten Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Kriegsverbrechen sein", heißt es von der UNO.

(KNA, dpa)

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