Fahne des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)
Fahne des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)
Marc Frings, ab dem 1. Januar 2020 neuer Generalsekretär des ZdK
Marc Frings, ab dem 1. Januar 2020 neuer Generalsekretär des ZdK

14.07.2019

Marc Frings über seine Zukunft als Generalsekretär des ZdK "Kirche muss dezentraler denken und handeln können"

Mit dem synodalen Weg stehen dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken große Aufgaben bevor. Am Freitag hat das Laiengremium seinen neuen Generalsekretär gewählt. Im Interview spricht Marc Frings darüber, was auf ihn zukommt.

DOMRADIO.DE: Aus dem Heiligen Land nach Bonn, das wird sicher eine ziemliche Umstellung, oder?

Marc Frings (Leiter des Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ramallah, gewählter Generalsekretär des ZdK): Das stimmt wohl. Der Nahe Osten ist eine Region, die mir schon seit vielen Jahren sehr am Herzen liegt, und daran wird sich auch nichts ändern. Gleichzeitig verlasse ich nach neun Jahren die Adenauer-Stiftung – insofern ist das eine große persönliche Zäsur. Die Themen in der Kirche sind mir nicht ganz unbekannt, aber die Perspektive wird sich deutlich verändern. Und deswegen bin ich mir sehr sicher, dass ich am Anfang einer gewaltigen Lernkurve stehe.

DOMRADIO.DE: Es gab auch Bewerber, die sich aus dem Gremium heraus beworben haben. Sie kommen direkt von außen und gehören mit 37 Jahren zur jungen Generation der Katholiken. Wie kommt man denn dazu, wenn man eigentlich Nahost-Experte ist und im Heiligen Land lebt, sich beim Laiengremium zu engagieren.

Frings: Als Altcusaner (Stipendiat des Cusanuswerks, Anm. d. Red.) ist mir die Struktur nicht völlig unbekannt, aber ich will nicht leugnen, dass mir der ausgeprägte Stallgeruch fehlt, den andere gewiss mitgebracht hätten. Umso mehr freue ich mich über das Vertrauen des ZdK. Denn ich bringe natürlich einen unvoreingenommenen Blick mit, der aufgrund meiner bisherigen Arbeit im In- und Ausland politisch geprägt ist.

Mir geht es konkret um zwei Aspekte. Zum einen will ich als Katholik weiterhin, dass diese katholische Kirche mein Zuhause ist. Kirche ist für mich nichts Statisches. Gerade jetzt beginnt eine sehr spannende Phase, um dieses Zuhause fit für die Zukunft zu machen.

Der zweite Aspekt: Das ZdK hat auch eine sehr ausgeprägte politische Stoßrichtung. Gerade jetzt, wo Populismus und Fragmentierung zunehmen, ist es wichtig, dass das ZdK, dass der Katholizismus gehört wird, und da will ich mich einbringen. Wir haben den ökumenischen Kirchentag im Kalender für 2021. Und es steht der Umzug des Generalsekretariats nach Berlin an. Auch da kann man wichtige – auch politische – Impulse setzen.

DOMRADIO.DE: Sie kennen sich aus mit interreligiösem Dialog und auch den Christen im Heiligen Land. Wird das auch bei Ihrer Arbeit im Laiengremium eine Rolle spielen?

Frings: Das hoffe ich sehr. Der Nahe Osten ist eine spannende Region, wenn es um Religion geht. Es ist oft konfus und widersprüchlich. Ich glaube, man kann hier sowohl seinen Glauben finden, als auch sehr leicht wieder verlieren. Aber so, wie ich hier die Ökumene erlebe, ist es eine sehr große Bereicherung. Wo, wenn nicht hier, sollte man darüber sprechen? Das ZdK spiegelt das mit zwei Gesprächskreisen wider, mit Juden und mit Muslimen.

Aber darüber hinaus ist es wichtig, dass wir über Religionsfreiheit und den Umgang mit christlichen Minderheiten weltweit sprechen. Für mich sind das beides sehr wichtige Indikatoren für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, weshalb das auch bislang für meine Arbeit sehr wichtig war.

Aber auch die Stellung der Ortskirche finde ich sehr spannend. Ich habe natürlich Kontakt zu meiner lokalen Kirche und da stelle ich fest, dass sie für die Probleme und Themen, die wir in Europa besprechen, überhaupt nicht anschlussfähig ist. Ich war neulich noch im Lateinischen Patriarchat von Jerusalem und habe dort über das priesterliche Ämterverständnis und die Rolle der Frau sprechen wollen. Aber ich bin da eher auf Unverständnis gestoßen. Ich nehme da den Impuls mit: Kirche muss dezentraler denken und handeln können.

DOMRADIO.DE: Nun kommen Sie mit Israel und Palästina aus einem Krisen- und Konfliktgebiet. Konflikte haben wir in der Kirche genug. Was können Sie sich da für die Arbeit im ZdK mitnehmen?

Frings: Nahost und Kirche bewegen sich beide im Krisenmodus. Was ich hier vor Ort gelernt habe, ist die Fähigkeit, trotz Untergangs- und Krisenszenarien immer wieder auch positive Botschaften zu übermitteln. In Palästina und auch in Israel sind es die beeindruckende Resilienzfähigkeit der Menschen und die vielen kreativen Initiativen, die von der Zivilgesellschaft ausgehen. Und wenn es um die Kirche in Deutschland geht, dann müssen wir einerseits über Krisen und Fehler sprechen, aber auch die Kraft des Glaubens betonen.

Ein anderer Aspekt, den ich hoffentlich auch mitnehmen kann, ist ein sehr offener und unvoreingenommener Kommunikationsstil. Wir erleben in Nahost und auch in Europa eine massive Polarisierung. Und ich glaube, statt Barrikaden zu vertiefen, sollte man gesprächsfähig und gesprächsoffen nach allen Seiten bleiben. Und da geht es nicht nur darum, die Leute kennenzulernen, die beeindruckende Arbeit in den deutschen Verbänden des Katholizismus leisten, sondern auch mit denen zu sprechen, die sich vom ZdK nicht vertreten fühlen. Und das ist gerade jetzt wichtig.

DOMRADIO.DE: Große Herausforderungen kommen auf Sie zu. Frauenweihe, Zölibat, Sexualmoral – all das steht zur Debatte. Was erhoffen Sie sich für Veränderungen von diesem Prozess?

Frings: Noch schaue ich ja von außen auf diese Herausforderung und ich weiß, dass in diversen Gremien daran gearbeitet wird, eine gute gemeinsame Arbeitsgrundlage für diesen synodalen Weg zu finden. Wichtig ist für mich, dass es überhaupt zu Veränderungen kommt. Nach den vielen Skandalen und Enttäuschungen, aber auch vor allem angesichts einer massiven Vertrauenskrise in der Frage des Missbrauchsskandals ist es von zentraler Bedeutung, dass die Kirche sich hier bewegt. Dass man wieder aus der Defensive herauskommt und allen Beteiligten klar sagt, dass die Ortskirche in Deutschland den großen Wurf alleine nicht schaffen kann. Dafür wird man Rom brauchen.

Aber so rechtlich unklar er auch sein mag, der synodale Weg kann diese Veränderung möglich machen und Forderungen formulieren, die auf weltkirchlicher Ebene aufgegriffen werden müssen. Dafür muss jetzt die Verbindlichkeit des Prozesses festgeschrieben werden. Beide Seiten haben ein großes Interesse am Miteinander. Die Bischöfe benötigen die Laien, um Vertrauen in der Breite zurückzugewinnen. Und das ZdK braucht die Bischofskonferenz, um für ihre Reformagenda zu werben und diese möglichst gut umzusetzen. Am Ende müssen sich beide Seiten im Ergebnis wiederfinden, das in zwei Jahren vorliegen soll. Ich bin aber hoffnungsvoll angesichts der bisherigen Entscheidungen und dem Brief von Papst Franziskus.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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