Thomas Sternberg
Thomas Sternberg
ZdK-Präsident Sternberg im Interview
ZdK-Präsident Sternberg im Interview

10.05.2019

ZdK-Präsident Sternberg über Kirchenreform und Europawahl "Ergebnisse müssen her!"

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken bezieht klar Stellung: Keine Nationalisten ins Europaparlament, Frauen an die Macht in der Kirche, den Papst gegen "widerliche Angriffe" verteidigen. ZdK-Präsident Thomas Sternberg im Gespräch.

DOMRADIO.DE: Die Bischofskonferenz hat auf ihrer Frühjahrsvollversammlung einen synodalen Weg verabschiedet. Welche Rolle spielt das ZdK auf diesem Weg?

Prof. Dr. Thomas Sternberg (Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken / ZdK): Wir beteiligen uns natürlich an diesem Projekt. Laien und Bischöfe werden über Reformen sprechen in den Bereichen, die als die systemischen Ursachen des Missbrauchsgeschehens in der Kirche herausgestellt worden sind.   

DOMRADIO.DE: Es ist ja nicht der erste Gesprächsprozess. Da gab es schon einige in den letzten Jahren. Viele Laien haben da schon sehr viel Zeit und Leidenschaft investiert. Viel ist aber bislang nicht dabei herausgekommen, oder?

Sternberg: Das ist der Grund dafür, warum ich von Anfang an in dieser Frage immer eher skeptisch gewesen bin. Denn ich bin sicher, die vielen Gläubigen, die sich zum Teil in diesen Gesprächsprozessen der Bistümer sehr engagiert haben, sind frustriert darüber, dass nicht viel passiert ist. Nur über die Dinge zu reden, das wird künftig ganz sicher nicht mehr ausreichen. Da müssen Ergebnisse her.

Ich habe noch nie eine Situation in unserer Kirche erlebt, in der die Empörung so weit in den Kern unserer Gemeinden gereicht hat. Sie wurde durch die Studie über den sexuellen Missbrauch im Herbst ausgelöst. Aber ich glaube, es war doch nur der Tropfen, der eine aufgestaute Verärgerung über ausbleibende Reformen in der Kirche zum Überlaufen brachte. Ich denke, so notwendig es ist sexuellen Missbrauch mit lückenlosen Präventions- und Interventionskonzepten zu begegnen, das alleine reicht nicht aus! Es geht darum, unsere Kirche so zu verändern, dass sie keinen Nährboden für Missbrauch bietet.

DOMRADIO.DE: Was ist Ihnen dann ganz besonders wichtig im Sinne einer Nachhaltigkeit?

Sternberg: Wir müssen erst einmal einen sehr präzisen Zeitplan erstellen. Da sind wir uns mit den Bischöfen einig. Das soll zügig gehen, das soll wirklich schnell in Gang kommen.

Und wir werden uns über eine genaue Geschäftsordnung Gedanken machen müssen. Wir müssen uns einig werden, welche Themen wie behandelt werden sollen. Und natürlich auch darüber, wie die Ergebnisse dann auch zeitnah umgesetzt werden.

Das, was man in Deutschland umsetzen kann, muss in Deutschland umgesetzt werden. Die Dinge, die nur weltkirchlich zu lösen sind - das sind leider Gottes die meisten Themen – müssen klar als Botschaft der katholischen Kirche in Deutschland nach Rom weitergeleitet werden.

Die Frage ist, was macht man, wenn nicht alle 27 Bistümer einheitlich agieren? Das ist übrigens in keiner demokratischen Gruppierung jemals möglich, dass alle immer einstimmig agieren. Da wird man Wege finden müssen. Dann gibt es eben Bistümer, die nicht beteiligt sind, und andere, die beteiligt sind. Ganz sicher wird es nicht möglich sein, bei allem immer auf volle Einstimmigkeit zu setzen.

DOMRADIO.DE: Welche Themen stehen da im Mittelpunkt aus Sicht der Laien?

Sternberg: Das Wichtigste ist dieser große Komplex Macht - Partizipation - Beteiligung. Das ist das, was auch Papst Franziskus immer wieder den Laien und den Bischöfen mit auf den Weg gibt: Er möchte in Deutschland eine synodale Kirche mit Beteiligung von Laien, es soll gemeinschaftlich mit in demokratischen Prinzipien regiert werden. Das dumme Gerede, katholische Kirche vertrage sich nicht mit Demokratie, ist schon Unfug, wenn man sich nur einmal historisch damit beschäftigt. Heutzutage ist es völlig obsolet.

Und zum Thema Sexualität: Vielleicht sollte das Lehramt zu diesen Fragen auch einfach mal schweigen und all diese Themen der Theologie und dem Glaubenssinn der Gläubigen, vor allem den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den hoch geschätzten und wichtigen Ehe-, Familie- und Lebensberatungsstellen überlassen.

DOMRADIO.DE: Die Finanzhoheit liegt eindeutig bei den Bistumsspitzen. Wie können Sie sich da eine wirkungsvolle Mitsprache vorstellen?

Sternberg: Es gibt da ja auch jetzt schon durchaus wirkungsvolle Mitsprache. Die Kirchensteuerräte haben eine klare Funktion. Gerade im Bereich der Kirchenvorstände haben wir sogar ein durch staatliches Recht abgesichertes Mitwirkungsrecht. Aber das sind Dinge, die noch klarer diskutiert werden müssen - auch die Frage der alleinigen Verwaltung des Aufkommens der Kirchenbeiträge durch die Bistümer und durch die Bischöfe.

DOMRADIO.DE: Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass Frauen künftig eine angemessene Rolle in der Kirchenhierarchie spielen werden?

Sternberg: Das ist ganz zentrales Thema. In diesen Tagen sehen wir die Proteste Maria 2.0. Da gibt es ganz verschiedene Formen. Eines ist ganz klar: Das Gesicht der katholischen Kirche ist auf Gemeindeebene längst weiblich. Ohne Frauen läuft in unserer Kirche nichts. Das wird sich stärker spiegeln müssen in den Bereichen, die auch wirklich mit Macht und mit Leitung zu tun haben.

Wir setzen uns seit Jahren intensiv dafür ein, dass es ein Frauendiakonat gibt. Leider hat der Papst in dieser Woche den Bericht zu diesem Thema noch einmal in die Kommission zurückgewiesen. Das macht deutlich, dass er keine negative Entscheidung treffen will, aber offensichtlich zurzeit bei den unglaublichen und widerlichen Angriffen auf sich auch nicht die Kraft zu einer durchgreifenden Reform findet.

Aber das Diakonat und die Weihe ist ja nicht alles. Es geht um sehr viel mehr. Es geht um wirkliche Beteiligung. Da sind in Deutschland schon Fortschritte erzielt worden. Gerade auf der Vollversammlung der Bischofskonferenz in Lingen hat man solche Fortschritte präsentieren können. Es gibt auch kleine, aber wichtige Zeichen: Bei der Chrisammesse in Trier haben die Priester des Bistums Trier ihr Treueversprechen vor einer Frau aus dem Diözesanrat abgelegt. Das sind so kleine Symbole, die deutlich machen, die Signale sind angekommen. Trotzdem: Wir werden uns dieser Frauenfrage mit einer ganz neuen Intensität und Kraft stellen müssen.

DOMRADIO.DE: Wir stehen kurz vor der Europawahl. Was empfehlen Sie den Katholikinnen und Katholiken in Deutschland?

Sternberg: Wir stehen vor einer außerordentlich wichtigen Wahl. Bei den Problemen, die wir weltweit und auch in Europa haben, wäre es sträflich, populistischen Gruppen einen Zugang zum Europäischen Parlament zu verschaffen. Menschen, die glauben, man könnte heute noch mit nationalistischen Parolen Politik machen und die aus diesem Grunde die europäische Zusammenarbeit unterwandern, gehören nicht ins Europäische Parlament. Wir rufen also dazu auf, sich für Europa zu engagieren, wählen zu gehen und keine Parteien zu wählen, die nationalistische Parolen in dieses Parlament tragen wollen. Europa ist das große Friedens- und Freiheitsprojekt. Nur Europa kann uns den Wohlstand künftig sichern.

Das Interview führte Ingo Brüggenjürgen.

(DR)

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