Laien künftig mehr in der Verantwortung?
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20.06.2018

Viele Bistümer testen Modelle mit Laien in der Pfarreileitung Der Priester hat das letzte Wort

In vielen katholischen Bistümern in Deutschland wird verstärkt darüber nachgedacht, ob und wie Laien an der Leitung von Pfarrgemeinden beteiligt werden können. Das ergab eine aktuelle Umfrage unter allen 27 Diözesen.

Laut Kirchenrecht ist die Letztverantwortung bei der Leitung einer Pfarrei auf Priester beschränkt. Allerdings sieht es auch die Möglichkeit der Beteiligung von Laien vor, "wenn der Diözesanbischof wegen Priestermangels glaubt, einen Diakon oder eine andere Person, die nicht die Priesterweihe empfangen hat, oder eine Gemeinschaft von Personen an der Wahrnehmung der Seelsorgeaufgaben einer Pfarrei beteiligen zu müssen". Auch dann muss aber ein Priester die Seelsorge leiten.

Unterschiedliche Modelle

Zu den Bistümern, die laut Umfrage des Internetportals katholisch.de in Bonn bisher am stärksten Laien an der Leitung von Pfarrgemeinden beteiligen, gehören Aachen, Essen, Limburg, Magdeburg, München-Freising, Osnabrück und Rottenburg-Stuttgart. Dabei kommen sehr unterschiedliche Modelle zum Tragen.

Im Erzbistum München und Freising etwa soll unter anderem bald ein Pilotprojekt anlaufen, bei dem Teams aus Haupt- und Ehrenamtlichen die Pfarrei leiten. Im Team ist auch ein Priester vertreten, doch die Letztverantwortung liegt beim Gesamtteam, wobei jedes Mitglied gleichberechtigt ist.

In Osnabrück startet laut Umfrage das erste Leitungsmodell mit einem hauptamtlichen Laien an der Spitze im Dezember. Diesem stehe ein "moderierender Priester" zur Seite. In Essen, Limburg, Magdeburg und Aachen werden zum Teil mehrere Modelle nebeneinander ausprobiert.

Unter anderem teilen sich hier ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter die Leitungsaufgaben mit Priestern.

Rottenburger Modell

In Rottenburg-Stuttgart werden laut der Umfrage derzeit vier Pfarreien durch hauptamtliche Laien geleitet, denen ein zuständiger Priester vorgesetzt ist. Zudem existiert mit dem "Rottenburger Modell" seit 50 Jahren ein Leitungsmodell mit starker Beteiligung der Laien: Alle Pfarreien des Bistums werden von einer Doppelspitze aus Kirchengemeinderat und Pfarrer geleitet, wobei alle Entscheidungen kooperativ von beiden Parteien getroffen werden müssen.

Die Bistümer Hildesheim und Mainz gaben an, man werde mit den neuen Bischöfen Heiner Wilmer und Peter Kohlgraf eventuell in Zukunft über neue Wege der Pfarreileitung und der Beteiligung von Laien nachdenken.

In vielen anderen Bistümern gibt es laut Umfrage bisher keine Pfarrei - oder Gemeindeleitung durch Laien. Manche ergänzten ihre Antwort um die Aussage, es gebe auch keine Überlegungen in dieser Richtung.

Viele Bistümer verwiesen zudem auf Stellen für Laien als Verwaltungsleiter, die die Priester von Verwaltungsaufgaben entlasten sollen, damit diese mehr Zeit für die Seelsorge haben. Darüber hinaus wiesen einige Bistümer ausdrücklich darauf hin, dass Laien wichtige Aufgaben in Gremien wie Pfarrgemeinderäten und Kirchenvorständen übernähmen, um die Priester bei der Leitung der Gemeinden zu unterstützen.

(KNA)

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