Alois Glück
Alois Glück

28.03.2016

Ex-ZdK-Präsident Glück zur Flüchtlingssituation "Schicksalsfrage der EU"

Die Flüchtlingssituation hat sich nach den Worten des CSU-Politikers Alois Glück zur Schicksalsfrage der Europäischen Union entwickelt. Eine anhaltende Lähmung oder gar ein Auseinanderbrechen der EU hätte laut Glück dramatische Folgen.

Das schreibt der frühere Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) in einem Beitrag für die Jesuiten-Zeitschrift "Stimmen der Zeit" (April). Für die weitere Entwicklung in Deutschland wiederum werde prägend werden, "wie wir die große Aufgabe der Integration gestalten" und ob dafür im Hinblick auf die Ziele, die Maßstäbe und Maßnahmen der notwendige Grundkonsens gefunden werde.

"Selbstvergewisserung über unsere eigenen Maßstäbe"

Nach den Worten Glücks beginnt Integration mit der "Selbstvergewisserung über unsere eigenen Maßstäbe". Allgemeine Formulierungen wie "christliche Werte" oder "westliche Werte" führten nicht weiter. Wie hohl die Wortwaffen "christliches Abendland" und "Islamisierung" seien, zeige sich bei den Pegida-Demonstrationen.

Grundlegende Aussagen des Grundgesetzes müssten gegenüber Menschen aus anderen Kulturen klar markiert werden, erinnert Glück. Dafür sei die Übersetzung in die jeweilige Landessprache hilfreich, sie reiche aber nicht aus. Entscheidend werde auch sein, "dass wir diese Werte auch überzeugend vertreten und leben", so der CSU-Politiker.

Verbindung von Fordern und Fördern wichtig

Ebenso wichtig sei es, die Schwierigkeit und Dimension der Aufgabe ehrlich zu benennen, schreibt Glück. Dies hätten schon die Erfahrungen mit den Flüchtlingen vom Balkan und später der Zuwanderung der Russlanddeutschen gezeigt. Für ein Gelingen der Integration sei die richtige Verbindung von Fordern und Fördern, von Rechten und Pflichten wichtig. Die Integrationsbereitschaft werde aber auch wesentlich davon abhängen, dass die Menschen für sich Zukunftsperspektiven sähen.

Weiter plädiert Glück für eine Bekämpfung der Fluchtursachen. Das werde viel Anstrengung und Geld kosten. Wer jetzt aber fabuliere, dass es nicht zumutbar sei, so viel von "unserem Geld" für die Flüchtlinge auszugeben, wo doch auch hier viele Aufgaben zu erledigen seien, der habe nicht begriffen, "dass ein Fundament unseres Wohlstandes auch die Situation der Armen in der Welt ist". Die wachsende Zahl von Flüchtlingen konfrontiere letztlich mit den Fehlentwicklungen der Globalisierung und mit den Schwächen der internationalen Politik.

(KNA)

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