Die erste Konzertreise nach coronabedingter Zwangspause geht für den Mädchenchor nach Frankreich
Die erste Konzertreise nach coronabedingter Zwangspause geht für den Mädchenchor nach Frankreich
In der Kathedrale von Grenoble singen die Mädchen einen Gottesdienst und ein Konzert
In der Kathedrale von Grenoble singen die Mädchen einen Gottesdienst und ein Konzert
"Alle sind hochmotiviert", sagt Chorleiter Sperling über die Teilnehmerinnen der Konzertreise
"Alle sind hochmotiviert", sagt Chorleiter Sperling über die Teilnehmerinnen der Konzertreise
Auf dem Programm dieser Chorbegegnung stehen vor allem französische und deutsche Komponisten
Auf dem Programm dieser Chorbegegnung stehen vor allem französische und deutsche Komponisten
Endlich wieder reisen - die Sängerinnen des Mädchenchores können dieses Stück Normalität kaum erwarten
Endlich wieder reisen - die Sängerinnen des Mädchenchores können dieses Stück Normalität kaum erwarten
Konzertreisen seien wichtige pastorale und soziale Ereignisse, findet Domkantor Oliver Sperling
Konzertreisen seien wichtige pastorale und soziale Ereignisse, findet Domkantor Oliver Sperling

09.10.2021

Mädchenchor geht auf Konzertreise nach Frankreich "In totaler Vorfreude"

Anderthalb Jahre ging nichts: Keine Abschlussfahrt für die Abi-Jahrgänge, kein Klassenausflug, geschweige denn eine Konzertreise. Doch nun ist die coronabedingte Zwangspause zu Ende: Der Mädchenchor am Dom tritt in Grenoble und Lyon auf.

Drei Anläufe hatten die "Petits Chanteurs de Grenoble", der Kinderchor aus der französischen Alpenstadt, in den letzten anderthalb Jahren für einen Konzertauftritt am Kölner Dreikönigenschrein genommen. Denn eigentlich waren sie im Programm der Dommusik bereits für April 2020 fest gesetzt gewesen. Doch Corona machte alle Vorhaben eines Gastbesuchs im deutschen Nachbarland zunichte.

Selbst ein zweiter und auch ein dritter Versuch sollten nicht gelingen, zumal sich das Infektionsgeschehen – sowohl in Frankreich als auch in Deutschland – zunächst dramatisch entwickelte, nur allmählich entspannte und Projekte dieser Art erst einmal nicht realisierbar waren bzw. weiterhin vertagt werden mussten. Doch trotz dieser Planungsrückschläge blieben der Leiter des Mädchenchors am Kölner Dom, Domkantor Oliver Sperling, und sein Kollege Paul Clemens Steffens in Grenoble, in ständigem Kontakt – mit dem Ergebnis, dass Sperling nun kurzerhand in den Herbstferien mit knapp 50 Sängerinnen seines Chores für eine Woche Grenoble, Lyon und Umgebung besucht und das Konzert der jungen Franzosen in Köln wiederum nur verschoben, nicht aufgehoben, sondern konkret für die nächste Saison in den Blick genommen ist.

"Diese Möglichkeit, jetzt zum ersten Mal nach Corona überhaupt wieder eine Konzertreise machen zu können, hat sich eher spontan ergeben", erklärt Sperling. Umso glücklicher schätze er sich, dass er nun mit einem Teil des Mädchenchores, Sängerinnen ab der achten Klasse zwischen 13 und 19 Jahren, nach dieser pandemiebedingten Zwangspause endlich auch wieder unterwegs sein könne und ein solches Gemeinschaftserlebnis die vielen Entbehrungen der letzten Zeit wettmache. "Die Abiturjahrgänge hatten keine Kursfahrt. Das hat die Sängerinnen hart getroffen. Und alle für 2020 geplanten Chorwochenenden und Konzertreisen einschließlich Sommer 2021 wurden abgesagt, darunter allein zweimal eine Einladung zum Chorfestival ins oberitalienische Lecco am Comer See. Nun sind wir alle in totaler Vorfreude auf diese Frankreichfahrt."

Deutsch-französische Begegnung mit musikalischem Austausch

Die erste Station macht der Chor in Grenoble, wo er an diesem Sonntag in der Cathèdrale Notre-Dame im Gottesdienst singt. Im Anschluss gestalten die beiden Chorleiter, die sich gut kennen – Paul Clemens Steffens war einst langjähriges Mitglied im Kölner Domchor und Orgelschüler von Sperling – Workshops mit beiden Chören. An den Folgetagen geht es dann erst einmal von der Unterkunft in Autrans mitten in den französischen Bergen weiter ins Umland. Am Mittwoch bestreiten die Kölner Sängerinnen ein Abendkonzert in der Chapelle des Chartreux von Lyon. Und am Freitag gibt es schließlich noch einmal in Grenobles Kathedrale ein großes Abschlusskonzert gemeinsam mit dem Gastgeberchor "Petits Chanteurs".

Dabei singen beide Chöre unter anderem a cappella-Motetten von Francis Poulenc, André Caplet und Felix Mendelssohn-Bartholdy. "Sehr bewusst haben wir für diesen Anlass ein europäisches Programm mit einem deutsch-französischen Kern zusammengestellt", betont der Kölner Domkantor. "Schließlich geht es uns um eine intensive deutsch-französische Begegnung, auch wenn der musikalische Austausch zunächst im Zentrum steht." Aber natürlich sei das Ziel, auch Freundschaften zu schließen – wie das immer zu solchen Chorbegegnungen dazu gehöre. Schließlich seien beide Ensembles beim Verband "Pueri Cantores" assoziiert, wo nationale und internationale Chortreffen zu dessen Selbstverständnis gehörten.

Regelmäßige Konzertreisen gehören außerhalb Corona dazu

Für die Kölner soll es diesmal allerdings eher entspannt zugehen. "Es wird eine Mischung aus Probenarbeit, Besichtigungsprogramm und Wandern geben. Dafür sind die Bedingungen gerade ideal", stellt Sperling fest. "Die Sängerinnen sollen mit dieser Reise auch für ihr Durchhaltevermögen in der Lockdown-Phase belohnt werden." Die Hälfte der Gruppe habe noch nie an einer Konzertreise teilgenommen. Nun sollen auch die Jüngeren – laut Sperling – mal ein Gefühl für dieses Gemeinsam-Unterwegssein bekommen und sich an den Älteren orientieren, die ihnen bei solchen Erfahrungen einen Schritt voraus seien.

"Auf einer Konzertreise lernen die meisten mehr als in drei Monaten Chorarbeit zuhause. Von daher ist ein solches Erlebnis goldwert", findet der Dommusiker, "auch wenn die Vorbereitungszeit mit nur drei Sonderproben diesmal coronabedingt relativ knapp ausgefallen ist, so dass wir vorwiegend aus unserem Repertoire schöpfen. Aber alle sind hochmotiviert. Außerdem ist eine Reise immer auch ein großer Anreiz, sein Bestes zu geben."

Regelmäßige Konzertreisen innerhalb Deutschlands, aber auch ins internationale Ausland gehören für alle vier Chöre der Kölner Dommusik ganz selbstverständlich zu ihrem Jahresprogramm. Umso schmerzlicher haben alle Sängerinnen und Sänger für sich die lange Zeit erlebt, in der außer Online-Proben nicht viel ging. Sie haben ihren Einsatz in der Liturgie vermisst, den sozialen Kontakt miteinander und die vielen tollen Höhepunkte bei Konzert- oder Opernauftritten. "Zu solchen Highlights gehören auch Chorreisen. Allein schon aus sozialen, aber auch pastoralen Gründen sind sie ganz wesentlich, weil dann einfach auch mal mehr Zeit als sonst ist, sich über die geistlichen Aussagen dieser Musik, die wir machen, zu verständigen."

Sperling leitet seit 25 Jahren Mädchenchor am Kölner Dom

Und diese Reise sei ein Aufbruchzeichen in Richtung Normalität, freut sich Chorleiter Sperling sichtlich. Die Abstände zwischen den einzelnen Sängerinnen und Sängern bei der Aufstellung in den Proben würden allmählich kleiner, obwohl immer noch alle Vorgaben der Coronaregeln konsequent eingehalten würden. "Aber auf diese Weise – in größeren Formationen singen zu können – bekommen die Chormitglieder langsam wieder ein Gefühl für eine Gesamtprobe, wie wir sie lange nicht hatten. Das tut allen einfach unendlich gut."

Für ihn persönlich, so berichtet Oliver Sperling, habe die an diesem Samstag beginnende Frankreichreise noch einmal eine ganz besondere Note. Er betrachte sie als eine Art "Jubiläumsreise". Denn genau vor 25 Jahren hat der gebürtige Essener, zunächst Assistent in der Kölner Dommusik unter Domkapellmeister Eberhard Metternich, die Leitung des Mädchenchores am Kölner Dom übernommen und seitdem den heute 144 Sängerinnen starken Chor zu einem Spitzenensemble geformt – mit beachtlichen Erfolgen im In- und Ausland.

Beatrice Tomasetti
(DR)

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