Ein Banner mit der Aufschrift „UEFA Euro 2020“ hängt vor der Allianz Arena in München.
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Schwester Katharina
Seit 2017 ist Schwester Katharina Hartleib aus Olpe bei DOMRADIO.DE on air. Mit Interviews, geistlichen Impulsen und als Fußball-Expertin

19.06.2021

Schwester Katharina will mehr Elan der deutschen Mannschaft "Power-Fußball mit viel Lust und Ideen"

Nach dem ersten Spiel der Nationalmannschaft bei dieser Fußball-Europameisterschaft hat sich Schwester Katharina über die Lustlosigkeit der Spieler beschwert. Gegen Portugal wünscht sie der Mannschaft mehr Kraft.

DOMRADIO.DE: Wie zuversichtlich sind Sie denn, dass die Deutschen nach der Niederlage gegen Frankreich gegen Portugal anders auftreten werden?

Schwester Katharina Hartleib (Franziskanerin im Konvent San Damiano in Olpe und Fan des 1. FC Köln): Ich bin ja ein grundsätzlich hoffnungsvoller Mensch. Aber nach dem Spiel gegen Frankreich denke ich jetzt: "Jungs, macht was ihr wollt, das wird wohl nix."

DOMRADIO.DE: Also sie waren sehr enttäuscht?

Sr. Katharina: Ja, manche haben gesagt "so schlecht waren sie nicht", ja, aber gut waren sie auch nicht. Was soll dieses Ballgeschiebe? Da fehlte jegliche Power und jeder Überraschungsmoment. Da war keine Idee. Sie waren nicht flink. Man hatte das Gefühl, die hatten keine Lust. Die mussten das ausführen, was Jogi Löw gesagt hat. Also so kann man nicht Fußball spielen.

DOMRADIO.DE: Aber ist es da nicht erstaunlich, dass ja fast alle sogenannten Fußballexperten, die da im Radio und im Fernsehen seit Tagen diskutieren, das ganz anders sehen und sagen "Nein, eigentlich stimmte alles, die Franzosen haben sich hinten reingestellt und wir sind nur nicht durchgekommen"?

Sr. Katharina: Ja, aber ich habe das anders gesehen. Die haben schon besser gespielt als manches der letzten Spiele. Aber es fehlt jegliche Inspiration. Ich meine, man weiß natürlich nicht, was passiert wäre, wenn Hummels nicht das Eigentor geschossen hätte. Ich gebe ihm aber keine Schuld. Sowas kann einfach passieren. Aber wenn die Spieler immer die gleichen Züge spielen, muss doch mal irgendwas kommen. Es kam aber nichts.

DOMRADIO.DE: Ich mache sie jetzt mal zur Bundestrainerin. Was würden Sie heute Abend anders machen oder wie würden Sie es heute Abend machen?

Sr. Katharina: Ich würde auf alle Fälle diese komischen Fünfer- und Dreierreihen ändern. Ich würde die so spielen lassen, wie sie es gewohnt waren mit der Viererkette und mit zwei Stürmern vorne. Ich würde Kimmich nach rechts stellen und von Anfang an Stürmer reinnehmen. Ich würde Musiala reinsetzen, weil den kennt kein Mensch, der ist frisch und jung und der hat Lust. Und dann los. Das würde doch gehen.

DOMRADIO.DE: Wenn man jetzt Wales gesehen hat oder die Dänen oder auch die Italiener, da hat man das Gefühl von Motivation. Die wollen irgendwie das Spiel an sich reißen und in jedem Falle gewinnen. Auch das hab ich irgendwie ein bisschen vermisst.

Sr. Katharina: Ja, ich auch. Es hat mich ein bisschen an 2018 erinnert, wo man das Gefühl hatte, die dachten, wir schaffen das sowieso. Wir sind die Weltmeister. Wir kriegen das hin. Und bei den anderen hatte man das Gefühl, sie wollen das unbedingt schaffen: "Wir kriegen das unbedingt hin und wir machen sonst was, um voranzukommen." Das verwundert mich jetzt total bei dieser Mannschaft und fehlt mir.

Eigentlich ist es eine gute Kombination zwischen den Alten und den Jungen. Aber wenn die nicht auf den Positionen eingesetzt werden, wo sie am besten spielen und wo sie am besten auch eingespielt sind, dann kann das nichts werden.

DOMRADIO.DE: Ich habe aber schon die Hoffnung, dass muss ich schon sagen. Bei aller Kritik, dass gerade so Herren wie Müller und Hummels intern zumindest auch wenn sie es öffentlich nicht gemacht haben oder auch ein Manuel Neuer schon ein bisschen auf den Putz gehauen haben und den anderen Jungs gesagt haben: "Pass mal auf, heute geht es um alles. Deswegen müssen wir anders auftreten." Haben Sie da nicht auch Hoffnung?

Sr. Katharina: Ich hoffe das wirklich, weil sonst ist es wahrscheinlich vorbei, denke ich. Das wissen die genau. Wenn ich an die letzte EM denke, da hat Portugal immer nur schlecht gespielt. Sie haben sich mit drei Unentschieden ins Achtelfinale gerettet und eigentlich haben wir nur ein einziges gescheites Spiel gespielt. Das war das Finale und das haben sie dann gewonnen. Da hätte ich auch keine Lust mehr, muss ich gestehen.

Ich habe lieber so richtig schönen Power-Fußball mit viel Lust und mit vielen Ideen. Und das haben die doch. Ich verstehe das nicht. Ich verstehe es echt nicht. Und ich muss gestehen, ich freue mich auf den neuen Bundestrainer.

DOMRADIO.DE: Wie ist denn Ihr Tipp für heute Abend?

Sr. Katharina: Mein Wunsch wäre 2:1 für Deutschland. Mein Tipp ist im allerletzten Fall unentschieden.

Das Interview führte Martin Mölder.

(DR)

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