Regensburger Domspatzen
Regensburger Domspatzen
Christian Heiß, Domkapellmeister
Christian Heiß, Domkapellmeister bei den Regensburger Domspatzen

17.06.2021

Regensburger Domspatzen sehen Mädchenchor als konsequenten Schritt "Wir haben den Mut"

Es ist eine kleine Revolution: Nach über 1.000 Jahren können sich ab dem Schuljahr 2022 auch Mädchen am Gymnasium der Regensburger Domspatzen anmelden. Für Domkapellmeister Christian Heiß der richtige Schritt im richtigen Moment.

DOMRADIO.DE: Was war der Grund für diese große Entscheidung? 

Christian Heiß (Domkapellmeister der Regensburger Domspatzen): Wir hatten in den letzten Jahren einen ziemlichen Prozess hier im Haus. Wir haben zum Teil kräftig renoviert, wir haben die Schule neu gebaut und wir haben Kapazitäten frei, auch in diesem neuen Gebäude. Und so kam es letztendlich zu der Entscheidung, dass wir sagen: All das, was wir jetzt an Voraussetzungen haben - auch unser tolles Angebot; schulisch, musikalisch, sängerisch - das wollen wir ab jetzt auch Mädchen zugute kommen lassen. 

DOMRADIO.DE: Sie haben selbst Ihre Schulzeit bei den Regensburger Domspatzen absolviert und als früherer Eichstätter Domkapellmeister schon Erfahrung in der Chorarbeit mit Mädchen. Wie ist das denn für Sie, eine so große Veränderung an Ihrer alten Schule mitzuerleben und auch mit zu prägen? 

Heiß: Das ist natürlich schon eine eigene Markierung auf dem Weg. Sowohl in meiner eigenen Erfahrung und natürlich jetzt vor allen Dingen für diese Institution. Denn es ist tatsächlich das Jahr 1047 nach Gründung, in dem wir diesen Schritt tun. Insofern ist es natürlich in einer gewissen Weise eine Revolution, wenn man so will. Aber wir denken, dass wir den richtigen Schritt tun, vor allen Dingen im richtigen Moment.

Denn das Thema Mädchen war in den letzten Jahren ja immer wieder präsent, auch bei meinem Vorgänger und bei den Gremien, die dieses Haus zusammenhalten. Insofern war es letztendlich dann auch eine Konsequenz. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt und wir tun es. Wir haben den Mut. 

DOMRADIO.DE: Der bisherige Chor wird ja ein Knabenchor bleiben, den Mädchenchor wird es zusätzlich geben. Ist die musikalische Ausbildung denn dennoch die gleiche? 

Heiß: Ja. Wr haben natürlich, wenn wir die Mädchen im Haus hier haben, allen Grund auch zu sagen: Das, was die Jungs bekommen, bekommen die Mädchen auch. Alles andere wäre ja auch nicht gerecht. Das muss man einfach so sagen. Insofern gehen die Mädchen in die Schule mit den Jungs. Und sie gehen dann nachmittags in die tägliche Probe, in ihre eigene Probe. Denn das ist eben ganz klar von uns auch so gewollt, dass der Knabenchor der Knabenchor bleibt und es eine neue Schiene gibt mit den Mädchen. 

DOMRADIO.DE: Den Chor und das Internat der Domspatzen hatte in den letzten Jahren ja auch ein Skandal erschüttert durch öffentlich gewordene Missbrauchsfälle. Die Missbrauchsfälle wurden eng mit den Betroffenen aufgearbeitet. Aber was ist Ihr Gefühl? Wie sehr hat der Ruf der Domspatzen darunter gelitten? 

Heiß: Vermutlich hat er schon gelitten, was sich ja in den Jahren danach auch an den Anmeldezahlen gezeigt hat. Aber ich denke, wir haben da schon ein wenig zurück- und aufholen können, eben durch diese gute und vorbildliche Aufarbeitung, die uns sogar der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung assistiert hat. Unser Bischof war ja da ganz vorn mit in der Lokomotive und hat das mit einem Gremium in einer vorbildlichen Weise getan.

Aber es ist Teil unserer Vergangenheit und ein Auftrag, es in jedem Falle in der Zukunft besser zu machen. Und das tun wir. Seit 2002 gibt es ein Präventionskonzept und es gibt auch Kontakt zu den Opfern und auch gemeinsame Projekte. Das ist etwas, was uns weiterhin begleiten wird. 

DOMRADIO.DE: Mit dieser Entscheidung, künftig auch Mädchen zuzulassen, zeigen die Regensburger Domspatzen ja auch Offenheit. Gibt es denn schon Rückmeldungen oder interessierten Mädchen? 

Heiß: Es gibt natürlich ein gewaltiges Echo, wie zu erwarten war. Und wir können feststellen, dass der allergrößte Teil sehr positiv ist. Übrigens ist das bei unseren Jungs natürlich jetzt noch alles ein bisschen zwiegespalten. Die Älteren, das kann man sich vorstellen, finden das natürlich sehr verlockend. Unsere Jüngsten sind noch ein bisschen skeptisch, haben allerdings auch noch ein Jahr, um sich da ein bisschen dran zu gewöhnen. Insofern wird es die Zeit mit Sicherheit bringen, dass es auch für unsere Jungs ganz normal wird. 

Das Interview führte Julia Reck.

(DR)

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