Das Jüdische Museum in Berlin
Das Jüdische Museum in Berlin

12.05.2021

Architekt Daniel Libeskind wird 75 Lodz, Berlin, New York

Sein Name ist vor allem mit dem Jüdischen Museum Berlin und seinem Zickzack-Bau verbunden. Gezackte Formen finden sich auch in anderen Gebäuden von ihm. Jetzt wird Architekt Daniel Libeskind 75 Jahre alt.

Er lebte als Kind in Sozialwohnungen und entwarf später als Erwachsener berühmte Gebäude: Daniel Libeskind. Der Ruhm des Star-Architekten gründet auf dem spektakulären Entwurf des Jüdischen Museums Berlin. Doch eigentlich wollte er als Musiker arbeiten, schon als Junge spielte er Akkordeon. Vor 75 Jahren, am 12. Mai 1946, wurde Libeskind im polnischen Lodz als Kind von Schoah-Überlebenden geboren.

Biografie verlief nicht unbedingt geradlinig

Seine Biografie verlief nicht unbedingt geradlinig. 1957 wanderte Libeskind im Alter von elf Jahren mit seiner Familie nach Israel aus. "Israel war eine fantastische Erfahrung, dort habe ich zum ersten Mal gesehen, wie schön die jüdische Welt ist - in Tel Aviv konnten Juden alles sein, sogar Polizisten oder Prostituierte, das war verrückt", sagte er in einem Interview der "Zeit" zu seinem 70. Geburtstag.

"Der Abschied aus Polen war dramatisch. Wir kamen mit fast nichts nach Israel. Ich hatte ein Akkordeon, ein Instrument, das man üblicherweise mit armen Leuten assoziiert, aber auch ein Instrument wie ein Orchester", erinnerte er sich. Und: Er wäre nie Architekt geworden, wenn er es nicht gespielt hätte, denn: Das Akkordeon habe seine Leidenschaft für Kunst geweckt.

Das Leben in den Vereinigten Staaten

Nur drei Jahre später folgte der nächste große Schritt: 1960 machte sich die Familie auf den Weg in die Vereinigten Staaten, die für ihn wie ein zweites gelobtes Land gewesen seien, sagte Libeskind in dem Interview. Auch wenn er und seine Eltern kaum Englisch gesprochen und zunächst niemanden in New York gekannt hätten, sei man ihnen freundlich begegnet, als Ausländer hätten sie sich nicht gefühlt.

Libeskind nahm die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an. In Israel und den Vereinigten Staaten studierte er Musik, arbeitete auch als professioneller Musiker, bevor er sich in den USA und später in England der Architektur zuwandte. Er lernte Zeichnen, und sein erster Entwurf mitten im Kalten Krieg sei ein Bunker für den Atomkrieg gewesen: "ein dunkles, apokalyptisches Projekt".

Bis 1985 war er Dekan des Instituts für Architektur an der Cranbrook Academy of Art in Bloomfield Hills (Michigan), von 1986 bis 1989 leitete Libeskind "Architecture Intermundium", ein Institut für Architektur und Stadtplanung in Mailand.

Bau des Jüdischen Museums

Als er 1989 in dem Wettbewerb für den "Erweiterungsbau des Berlin Museums mit Abteilung Jüdisches Museum" den Zuschlag bekam, zog er mit seiner Familie in die deutsche Hauptstadt. Der Entwurf trug den Titel "Between the Lines" (Zwischen den Linien), das Gebäude wurde 2001 eröffnet. Der Aufbau des markanten Zickzack-Baus aus Titanzink lässt sich nicht auf den ersten Blick erschließen, wenn man darin steht. Hinein gelangt man durch eine unterirdische Verbindung vom Eingang im barocken Altbau.

"Das Gebäude lässt viele Interpretationen zu: Manche erinnert es an einen zerbrochenen Davidstern, andere an einen Blitz; bei vielen hinterlässt es ein Gefühl der Verunsicherung oder Desorientierung", heißt es dazu vom Jüdischen Museum. Libeskind wolle mit dem Entwurf eine deutsch-jüdische Geschichte erzählen. 1999 bekam er dafür den Deutschen Architekturpreis.

Libeskind bei Papst Benedikt XVI.

Libeskind erhielt Ehrendoktorwürden, war 2009 mit anderen Künstlern zum Austausch bei Papst Benedikt XVI. und wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter 2010 mit der Buber-Rosenzweig-Medaille: Er habe mit seinen Schöpfungen neue Maßstäbe für die Wahrnehmung jüdischer Geschichte gesetzt, hieß es zur Begründung.

Libeskind entwarf unter anderem auch das Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück, das Militärhistorische Museum in Dresden, das Dänische Jüdische Museum in Kopenhagen und das Imperial War Museum North in Manchester. Seit 2003 ist Libeskind mit seinem Büro wieder in New York - er hatte den Zuschlag erhalten für eine Beteiligung an der Neugestaltung des Geländes des World Trade Centers mit Ground Zero.

"Ein Architekt ist wie ein Komponist"

Die Musik hat ihn in all den Jahren offenbar nicht losgelassen. Zu seinem 70. Geburtstag sagte er im "Zeit"-Interview: "Ein Architekt ist wie ein Komponist: Er muss Raum lassen für Interpretationen seiner Ideen und sollte nur die wichtigsten Vorgaben machen."

Leticia Witte
(KNA)

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