Madonna aus den Trümmern
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Madonna aus den Trümmern
Madonna aus den Trümmern

13.03.2021

"Madonna aus den Trümmern" zurück in St. Peter Nach Odyssee durch Keller und Garage

Die Augen niedergeschlagen, das Gesicht fleckig, die Krone verschwunden: Dass diese Maria viel erlebt hat, sieht jeder; auch daran, dass dem Jesuskind auf ihrem Arm die rechte Hand fehlt. Nun ist die Figur nach einer Odyssee wieder aufgetaucht.

Anfang des Jahres ist die "Madonna aus den Trümmern" in die Pfarrkirche Sankt Peter Rommerskirchen zurückgekehrt und steht jetzt im Alten Turm, der als einziger Gebäudeteil den Bombenangriff vom 1. März 1945 überstanden hat.

Mahnmal gegen den Krieg

Für Gabi Paulus, die Vorsitzende des örtlichen Kirchenvorstands, ist die Maria damit ein Mahnmal gegen den Krieg. Schließlich wurde auch die Figur bei dem Bombardement damals verschüttet, nur zwei Tage übrigens, bevor die Amerikaner in Rommerskirchen einmarschierten. Nach Augenzeugenberichten lag sie dann so lange unter Trümmerbergen begraben, bis Gemeindemitglieder diese für den Neubau der Kirche an derselben Stelle abtrugen. Sie zogen die Skulptur aus dem Schutt und stellten sie in den Keller des Pfarrhauses. Dort blieb sie, bis ein Pfarrer sie in den 1980er Jahre nicht mehr wollte und weitergab. Die hölzerne Maria wanderte jetzt in die Garage eines Schreiners, wo sie jahrzehntelang in Vergessenheit geriet.

Im Jahr 2018 aber stieß Pfarrarchivar Ernst Gruszin auf einen bis dahin unbeachteten Brief von 2003, in dem der Aachener Kunsthistoriker Dr. Ernst Coester eben diese Marienfigur als wertvollstes Ausstattungsstück der ursprünglichen Pfarrkirche Sankt Peter beschrieb und davor warnte, sie verrotten zu lassen. Aus dem Schreiben ging hervor, dass die Maria um 1862/63 vom Kölner Bildhauer Christoph Stephan (1797 -1864) oder seinen Söhnen geschaffen und aufwändig farbig gefasst worden war.

Gruszin reagierte sofort und musste nicht lange recherchieren, bis er das verschollene Kunstwerk gefunden hatte – wie befürchtet in desolatem Zustand in einer Garage. Die Rettung kam quasi in letzter Minute. "Der Garagenbesitzer hatte schon einen Container bestellt, um die Maria endgültig zu entsorgen." So aber konnte Gruszin die Madonna erst einmal in sein Archiv bringen und sie dann einem Restaurator der Kalker Werkstätten übergeben.

Diese Madonna ist konservierungswürdig!

An dieser Stelle schaltete sich der Kirchenvorstand Rommerskirchen ein. Zwar hielten einige die von Schädlingen befallene Maria für nicht viel mehr als ein hässliches Stück Holz, erinnert sich Gabi Paulus.  Alle zusammen aber wandten sich aber an die zuständigen Stellen im Erzbischöflichen Generalvikariat Köln und der Denkmalbehörde. Auch ein Gutachten des Landschaftsverbandes Rheinland kam zum Schluss: Diese Madonna ist konservierungswürdig! Konservierungsbedürftig war sie allemal – die vielen Jahre in feuchten Kellern und Garagen hatten der Lindenholzfigur massiv zugesetzt. Sie war von Holzwürmern zerfressen, von Pilzen befallen, von einer hartnäckigen Schmutzschicht überzogen.

Der Kirchenvorstand beschloss 2020, die Heiligenfigur instand setzen zu lassen und beauftragte die Kalker Werkstätten. "Die Kosten waren mit unter 10.000 Euro überschaubar", berichtet Gabi Paulus. Besonders schön findet sie, dass sich die Tochter einer der Männer, die damals die Maria aus dem Schutt bergen konnten, jetzt mit ihrer Spende beteiligt hat. "Sie hat etwas zu Ende gebracht, was ihr Vater einst begonnen hatte."

Nur dezent restaurieren

Dass die Muttergottes in erster Linie konserviert und nur dezent restauriert werden sollte, darüber waren sich Gabi Paulus und die anderen schnell einig. Sie wollten eben keine Hochglanz-Sanierung mit buntem Lack, sondern die Kriegsschäden sichtbar halten. Und so steht die "Madonna aus den Trümmern" jetzt als Versehrte da, von ihrer einstigen strahlenden Bemalung erzählen nur Farbreste, ihr wechselvolles Schicksal steht ihr buchstäblich ins Gesicht geschrieben.

Auf diese Weise lädt sie ein, über den Wert von Vergänglichem und Bleibendem nachzudenken. Im Kirchenvorstand, erzählt Gabi Paulus, sei ihnen bald noch ein Gedanke gekommen: "Vielleicht ist es kein Zufall, dass die Madonna gerade jetzt in unsere Kirche zurückgekehrt ist, wo durch Corona und die Krise in der Kirche so vieles in Frage steht."

Sie selbst, sagt Gabi Paulus weiter, habe es eigentlich "nie so mit Marienfrömmigkeit gehabt". "Aber diese Madonna mit diesem Hintergrund, mit diesem gebrauchten Leben rührt mich sehr."  Vor ihr könne sie doch gut beten: ‚Maria, Mutter Gottes, bitte für uns!‘ "Das bekommt für mich dann einen ganz anderen Wert.

Hilde Regeniter
(DR)

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