Kolumba, Kunstmuseum des Erzbistums Köln
Kolumba, Kunstmuseum des Erzbistums Köln
Kolumba-Museumsdirektor Dr. Stefan Kraus im Gespräch mit Kardinal Woelki
Kolumba-Museumsdirektor Dr. Stefan Kraus im Gespräch mit Kardinal Woelki

10.03.2021

Museum Kolumba öffnet mit Terminvergabe "Ein geschlossenes Museum ist keines"

Museen dürfen mit Terminvergabe wieder öffnen. Eine Nachricht, die auch das Museum Kolumba mit Erleichterung aufgenommen hat. Für die Besucher ist einiges vorbereitet.

DOMRADIO.DE: Wie fühlen Sie sich kurz vor der Wiedereröffnung?

Dr. Stefan Kraus (Direktor des Kolumba-Museums): Aufgeregt, wir freuen uns riesig. Ich stehe im Windfang wie Sie hören, mit Maske zwar, aber wir dürfen wieder aufmachen. Endlich, nach über vier Monaten, was eine lange Zeit für uns alle war.

DOMRADIO.DE: Was bedeutet es für das Kolumba, tatsächlich wieder geöffnet zu haben?

Kraus: Ganz konkret bedeutet das, dass wir endlich eine Jahresausstellung zeigen können, die in Gänze noch niemand gesehen hat. Wir hatten ja eine wunderbare Woche im September letztes Jahr, wo wir mit dem ersten Kapitel angefangen haben, aber die weiteren sieben Kapitel hat ja in der Folge als gesamte Ausstellung noch keiner sehen können.

Und deshalb freuen wir uns, dass wir unsere Aufgabe wieder wahrnehmen können. Ein geschlossenes Museum, muss ich ganz ehrlich sagen, ist natürlich keines.

DOMRADIO.DE: Wie viele Menschen erwarten Sie heute? Wie wird das ablaufen?

Kraus: Wir haben zwei Slots gebildet: Wir haben die Öffnungszeiten täglich um drei Stunden verlängert, das Museum ist also von 10 bis 18 Uhr geöffnet, weil wir ja keine Führungen und keine Veranstaltung haben. Daraus ergeben sich zwei Slots von 10 bis 14 Uhr und von 14 bis 18 Uhr.

Man kann sich anmelden für einen der beiden Slots und kann dann im Grunde genommen, in diesem Zeitraum kommen und gehen, wann man möchte.

Wir haben das versucht zu entzerren, damit die großen Räume und die weite Atmosphäre, die Frischluft, die wir hier hereinpumpen, im Grunde genommen allen Gästen und unserer Aufsicht auch eine große Sicherheit verschafft, dass man den Betrieb auch verantworten kann.

DOMRADIO.DE: Meinen Sie, das funktioniert auch tatsächlich so, wie Sie sich das vorstellen?

Kraus: Die Sache hat ja einen großen Haken, denn was da letzte Woche Mittwochabend kam, war für die Museumswelt völlig unvorbereitet, dass wir Terminvergaben machen sollen. Ich weiß nicht, wer sich sowas ausdenkt. Das mag bei Blockbustern funktionieren. Wenn ich dann lese, dass bei der Andy Warhol-Ausstellung, wo wir als Kolumba Leihgeber sind, der Server zusammengebrochen ist. Die haben solche Einrichtungen, um Ticketing machen zu können.

In der Fläche behaupte ich mal, dass 95 Prozent der Museen damit völlig überfordert sind. Sie müssen sich vorstellen, dass von meinem kleinen Team von elf Mitarbeiterinnen jetzt drei den Telefondienst leisten, dass wir die Anmeldungen, die per E-Mail oder telefonisch kommen, eben auch buchen können.

Das ist eine Riesenherausforderung, der wir uns natürlich stellen. Wir wollen offen sein, aber ich glaube, man hätte das einfacher regeln können, indem man im Verhältnis von Quadratmeterzahl und Raumgröße eine bestimmte Besucherzahl festgelegt hätte, so wie im Einzelhandel auch und dann eben an den Eingängen und den Ausgängen der Museen eine strikte Kontrolle gemacht hätte, was wir ja ohnehin eigentlich immer tun.

Also ich glaube, es wäre einfacher gewesen für alle Beteiligten.

DOMRADIO.DE: Auf Ihrer Homepage findet sich ein Statement: "Damit leben". Kolumba-Kuratoren und Kuratorin äußern sich da zur Wiedereröffnung nach vier Monaten Lockdown. Da wird ein Vergleich auch mit dem Friseur betrieben. Was ärgert Sie an den neuen Vorgaben jetzt für die Wiedereröffnung der Museen?

Kraus: Das ist eigentlich etwas, was wir schon im November reklamiert haben, dass wir doch denken, dass Kultur durchaus systemrelevant ist, dass Kultur als Resonanzraum in einer Zeit, wo wir durch Enge behindert sind, wo wir keine Kontakte halten können, wo wir nicht verreisen können.

Dass Kultur und gerade die Museen mit ihrem großen Angebot, mit ihren weiten Räumen ein Angebot stellt, das verantwortbar gewesen wäre, wenn man differenziert und wenn man sich die einzelnen Häuser eben mal genau anschaut und sich klarmacht, dass hier keine Schlangen vor der Türe stehen, sondern in fünf Stunden, das war unser letzter Stand bei Corona, 70 Besucher das Haus hier betreten und das eben mit allen Sicherheitsauflagen, Maske und Hände desinfizieren und so weiter und so fort.

Also ich glaube, was einfach Not tut, dass man weiß, Corona wird uns noch eine ganze Weile beschäftigen und deshalb beim Kulturbetrieb man mal genau hinguckt: Wo ist denn das Risiko überhaupt? Ich behaupte mal, dass in Kolumba beim Besuch viele Menschen wahrscheinlich sicherer aufgehoben sind als in ihrem privaten Leben sonstwo.

DOMRADIO.DE: Wir werden mit Corona auch in der Zukunft leben müssen, das ist klar. Wie wird sich Ihr Ausstellungskonzept verändern oder hat es sich schon verändert? Was werden Sie tun müssen in der Zukunft?

Kraus: Wir haben uns bewusst gemacht, dass es wenig Sinn macht, jetzt zu versuchen, das, was man in Kolumba vor Ort erleben kann, das Gebäude und die Atmosphären und die Präsenz der Kunstwerke, das jetzt irgendwie zu übersetzen ins Netz, in einer Art und Weise, die dann doch nicht richtig funktioniert.

Wir haben auf der Homepage zum Beispiel Hörstücke eingeführt, also etwas, was man durchaus dann auch wirklich hören kann und wo man spürt, dass etwas von dem, was wir hier vor Ort machen, sich dann tatsächlich auch in diese Medien hineintransportieren lässt. Ansonsten ist die Frage natürlich, wie für alle anderen auch: Wohin planen wir?

Sie wissen, dass Kolumba sich zum 14. September in jedem Jahr neu erfindet. Und natürlich haben wir da etwas in der Planung seit zweieinhalb Jahren vorbereitet. Ich hoffe sehr, dass wir jetzt aufbleiben, damit die jetzige Jahresausstellung noch vier bis fünf Monate zu sehen ist, bis zum 16. August, damit wir dann am 14. September in diesem Jahr mit einer neuen Jahresausstellung wieder starten.

Und die jetzige Jahresausstellung, das darf ich an der Stelle vielleicht auch nochmal sagen, ist ja eine Kooperation mit Tanz Köln. Also auch da etwas ganz Ungewöhnliches, dass eine städtische Institution und eine Bühne im Grunde genommen mit einem Museum kooperiert.

Und ich würde mir wünschen, dass viele Menschen doch neugierig geworden sind und sich das hier bei uns anschauen. 

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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