Altes Rathaus in Chemnitz
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Chemnitz wird Kulturhauptstadt 2025
Chemnitz wird Kulturhauptstadt 2025

27.01.2021

Propst sieht in Kulturhauptstadt 2025 große Chance für Chemnitz Innovationskraft und Ökumene

Chemnitz wird 2025 Kulturhauptstadt Europas. Die Stadt hat seit der Wende einen großen Sturkturwandel durchlebt, geriet aber auch in Negativschlagzeilen. Die Ernennung zur Kulturhauptstadt 2025 könnte einiges ändern, meint Propst Benno Schäffel.

DOMRADIO.DE: Wie sehr haben Sie sich über die Ernennung von Chemnitz zur Kulturhauptstadt 2025 gefreut?

Propst Benno Schäffel (Katholische Pfarrei Heilige Mutter Teresa, Chemnitz): Das war eine riesige Freude in der Stadt. Ich bin selber noch neu in Chemnitz. Vorher war ich in Dresden und bin gerne nach Chemnitz gekommen, obwohl diese Stadt im Reigen der sächsischen Großstädte jetzt nicht den besten Ruf hat. Aber es ist eine Stadt, die sich streckt.

Dass sie bei der Bewerbung um den Kulturhauptstadt-Titel 2025 das Rennen gemacht hat, war eine ganz große Freude, weil es auch darum geht, dass diese Stadt so betrachtet wird, wie sie es verdient hat.

DOMRADIO.DE: Chemnitz hat durch die Krawalle im Jahr 2018 auch landesweit für negative Schlagzeilen gesorgt. Was bedeutet die Ernennung zur Kulturhauptstadt?

Schäffel: Es bedeutet, dass honoriert wird, dass es in dieser Stadt seit 2018, aber auch schon vorher, ein ganz breites bürgerschaftliches Engagement gibt.

Das schlägt sich jetzt auch dahingehend nieder, dass diese rechten Tendenzen, mit denen wir hier in der Region zu tun haben, an Bedeutung verlieren. Das konnte man zum Beispiel bei der letzten Oberbürgermeisterwahl festmachen.

DOMRADIO.DE: Sie hoffen, dass sich die Stadt durch das Ereignis Kulturhauptstadt 2025 dann rehabilitieren könnte?

Schäffel: Das hoffe ich auf jeden Fall. Das Wort "rehabilitieren" scheint mir sogar schwierig, weil es in der Stadt vieles gibt, was sehenswert ist und was man vorzeigen kann. Es ist eine Stadt, die gerade im Jahr 1989 einen gewaltigen Knick erlebt hat.

Chemnitz ist eine Industriestadt. Es ist vielleicht nicht das erste, woran man bei dieser Stadt denkt. Gerade diese industrielle Stärke der Stadt hat einen gewaltigen Einbruch erlitten, was Bevölkerungsabwanderung und Arbeitslosigkeit betraf. Eines der industriellen Standbeine, nämlich die Textilindustrie, ist praktisch komplett eingegangen.

Dass diese Stadt jetzt mit viel Innovationskraft versucht, auch wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen und von dieser Aufmerksamkeit als Kulturhauptstadt flankiert wird, empfinde ich als eine große Chance.

DOMRADIO.DE: Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, wie sich die katholische Kirche, überhaupt wie sich die Kirchen und Religionen in Sachen Kulturhauptstadt im Jahr 2025 einbringen können?

Schäffel: Da erscheint das Datum noch in weiter Ferne. Aber tatsächlich gibt es auf ökumenischer Ebene jetzt schon erste Abstimmungen und es gab schon im Vorfeld der Bewerbung professionelle Leute aus der Künstlerszene, die Vorschläge gemacht haben, wie wir uns als Kirchen platzieren oder einbringen können.

Wir überlegen jetzt auch, wie wir präsent sein wollen und zwar sowohl in der Stadt als auch in der Region. Das ist typisch für die Bewerbung von Chemnitz, dass auch die Erzgebirgs-Region wieder vorkommen soll. Da gibt es Aufhänger-Themen, dass man von den hiesigen Bergen her zum Beispiel zur Bergpredigt kommt und versucht, die Botschaft mit einzuspielen, die uns bewegt.

DOMRADIO.DE: Chemnitz ist insgesamt sehr säkular geprägt. Welche Rolle spielen Religionen überhaupt in der Stadt?

Schäffel: Wir sind eine deutliche Minderheit, aber immer stark ökumenisch vernetzt. Und ich denke, wichtiger als dass wir jetzt das Programm auf die Beine stellen, ist die Unterstützung derjenigen, die da unterwegs sind.

Eine sehr schöne Idee, mit der sich Chemnitz beworben hat, ist nämlich der Slogan "C the Unseen". Also Chemnitz ist einerseits die Stadt, auf die man vielleicht nicht so schaut, die gerne übersehen wird, aber so schön, dass Chemnitz sich selbst bescheidet und darüber nicht hinwegtäuschen will, sondern dieser Wirklichkeit ehrlich ins Gesicht schaut.

Zugleich ist es ein toller Slogan, den ich so wunderbar in Einklang mit dem Evangelium bringen kann, dass es unsere Aufgabe ist, einerseits die Übersehenen, die nicht Gesehenen zu sehen, aber auch aufmerksam zu werden für das, was an Neuem hervorbricht, was schon da ist, und sich damit zu vernetzen.

Das scheint mir erst einmal der innere Vorbereitungsweg zu sein, auf den wir uns jetzt begeben können.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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