Chorgesang in Zeiten von Corona
Chorgesang in Zeiten von Corona
Der Mädchenchor am Kölner Dom mit Corona-Abstand
Der Mädchenchor am Kölner Dom mit Corona-Abstand

08.12.2020

Dürfen Kirchenchöre zu Weihnachten singen? "Es wird ganz herausfordernd"

Die Corona-Pandemie setzt dem gemeinsamen Singen im Chor zu. Aber auch der Chorgesang im Gottesdienst ist stark eingeschränkt. Wie lassen sich Musik im Gottesdienst und das Chorleben trotzdem organisieren? Erfahrungen aus der Praxis.

DOMRADIO.DE: Die Schutzverordnung wurde verschärft. Das heißt, bis zu sechs Personen zusätzlich zu einem Leiter dürfen mit einem Abstand von mindestens zwei Metern im Gottesdienst singen. Im Kölner Dom haben wir ganz viel Platz. Aber wie ist Ihre Erfahrung aus der Praxis? Ist das so einfach umsetzbar?

Christian Reckendrees (Chorleiter der Pfarrgemeinde St. Elisabeth Bonn): Bei uns in der Bonner Südstadt ist das noch gut umsetzbar, denn die Kirche St. Elisabeth ist auch relativ groß. Das Problem ist dann allerdings nicht der Platz, sondern die Personenzahl. Unser Kirchenchor hat normalerweise zwischen 20 und 40 Mitgliederm, vor Corona waren es zumindest 40. Und ich hoffe, dass es auch nach Corona wieder 40 sind. Wie ich da sechs Personen auswähle, die dann einen vielleicht vielstimmigen Satz singen sollen zu Weihnachten, das ist eben die Herausforderung.

DOMRADIO.DE: Wie gehen Sie diese Herausforderung an, wenn Sie sagen, Sie haben nur sechs Leute?

Reckendrees: Wir haben jetzt im November, wo es ja auch schon darum ging, ob wir wirklich weiter proben können oder nicht, mit denjenigen aus dem Chor, die singen wollten unter den gegebenen Bedingungen, gesungen. Das waren dann circa 13 Personen. Damit konnten wir dann auch vierstimmige Sätze singen. Dabei ging es darum, dass die einzelnen Stimmen mindestens doppelt besetzt sind. Denn es ist natürlich kein professioneller Chor, sondern ein Laienchor, wie das bei vielen Kirchenchören ist. Jetzt für Weihnachten ist es so, dass wir uns bei uns im Pfarrverband dazu entschieden haben, alles kirchenmusikalisch anders zu besetzen. Denn die Chöre möchten teilweise nicht proben aufgrund der Solidarität nach außen hin.

DOMRADIO.DE: Was heißt das konkret?

Reckendrees: Das heißt konkret, die einzelnen Sängerinnen und Sänger bekommen oft als Rückmeldung: Wieso dürft ihr in der Kirche proben und wieso dürfen andere Leute das nicht? Wieso dürfen die anderen freien Vereine nicht proben? Und wieso dürfen die das in der Kirche machen? Ich leite auch einen Männergesangsverein. Darüber hatten wir uns im Chor unterhalten. Da war dieses Solidaritätsgefühl etwas größer als das gemeinsame Singen. Deswegen haben wir auch für den Dezember die gemeinsamen Proben abgesagt und werden an Weihnachten jetzt das Ganze kirchenmusikalisch anders gestalten: Mit einem Kantor bzw. mit viel Gesangssolisten, die dann eingekauft werden.

DOMRADIO.DE: In diesen Tagen wird viel diskutiert, wie die Feiertage in Zeiten einer Pandemie ablaufen sollen. Mit welchem Gefühl generell gucken sie auf die Advents- und Weihnachtszeit?

Reckendrees: Es wird ganz herausfordernd, denke ich, für alle. Sowohl für die Zelebranten als auch für die Kirchenmusiker und Kirchenmusikerinnen als auch für alle, die aus der Gemeinde - oder gemeindefremd - die Kirche besuchen. Denn ich selber als Musiker, als leidenschaftlicher Musiker, empfinde das Singen gerade im Gottesdienst als äußerst wichtig. Und ich sehe jetzt, dass seit März viele Kirchen gar nicht mehr erfüllt sind von Gemeindegesang, weil es teilweise aufgrund der Abstände, die jetzt vorgegeben sind, gar nicht gestemmt werden kann. Und da glaube ich, dass das Weihnachtsfest ein ganz besonderes wird. In den Christmetten bei uns in St. Elisabeth, da sind zwei hintereinander, wird in der einen etwas gesungen werden, in der anderen wird viel Instrumentalmusik gespielt werden. Und da bin ich sehr gespannt auf die Reaktionen und Rückmeldungen der einzelnen Gemeindemitglieder, wie die das dann empfinden. Denn wir machen das ja nicht aus Spaß für uns, sondern eben für alle Menschen, die da gerne in die Kirche kommen wollen.

DOMRADIO.DE: Es gibt viele Einschränkungen momentan für Sie, es gibt kaum Proben. Wie erleben Sie gerade den Zusammenhalt der Sängerinnen und Sänger im Chor?

Reckendrees: Es ist sehr zweigeteilt. Es gibt einige Sängerinnen und Sänger, gerade aus den älteren Semestern, die sich im März ausgeklinkt haben. Und als wir dann im Sommer mal kurz wieder proben konnten, dann auch nicht zur Probe erschienen sind, weil denen das einfach zu riskant war, aus verständlichen medizinischen Gründen. Es gibt andere, die gerade jetzt sehr engagiert sind und gerade jetzt sehr viel versuchen, eben auch andere Möglichkeiten zu finden, diese Gemeinschaft am Laufen zu halten. Denn Kirchenchor, das ist nicht einfach nur: wir kommen einmal in der Woche zur Probe und singen, sondern es geht eben auch um diese christliche Gemeinschaft und die wird jetzt von einigen auch gut mitgetragen. 

Das Interview führte Carsten Döpp.

Zur Info: Dieser Artikel ist nicht mehr auf dem neuesten Stand. Inzwischen gestattet das Erzbistum Köln "eine Chorgruppe" anstatt von sechs Sängerinnen und Sängern.

(DR)

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