Das Münchner Stadtmuseum
Das Münchner Stadtmuseum

04.10.2020

Münchner Stadtmuseum zeigt die Kunst der 1920-er Jahre Die Welt vor hundert Jahren

Kein Zweifel, die 1920er-Jahre sind gerade "in". Im Fernsehen läuft die dritte Staffel von "Babylon Berlin" und im Münchner Stadtmuseum widmet sich eine neue Ausstellung der Kunst dieser Zeit.
 

Die "Goldenen Zwanziger" - diese Dekade des vergangenen Jahrhunderts muss schon etwas Besonderes gehabt haben. Die exzentrische Mode, die facettenreiche Kultur und das schillernde Nachtleben prägen das Bild von dieser Zeit und üben bis heute eine starke Faszination aus. Dabei war die Phase zwischen den zwei Weltkriegen eine der Extreme und Gegensätze. Hoffnung und Elend, Licht und Schatten wechselten sich ab. Dazu kamen starke soziale und politische Spannungen. Wirtschaftskrisen und hohe Arbeitslosigkeit erschütterten das Vertrauen in die junge Demokratie.

Blütezeit der Künste und Wissenschaft

Die Epoche steht aber auch für einen Wirtschafts-, Industrie- und Technik-Boom und für eine Blütezeit der Künste und Wissenschaften. Das führt die großangelegte Ausstellung "Welt im Umbruch - Kunst der 1920er-Jahre" im Münchner Stadtmuseum vor Augen. Bis 10. Januar sind rund 250 Exponate zu sehen. Sie stammen ausschließlich von Künstlerinnen und Künstlern, die zwischen 1920 und 1935 in Deutschland gelebt und gewirkt haben. Dazu gehören Aenne Biermann, Otto Dix, Carl Grossberg, Florence Henri, Albert Renger-Patzsch oder August Sander. Mehr als 30 öffentliche und private Sammlungen steuerten Leihgaben bei.

Genres werden nicht getrennt

Bei der Hängung der Werke wird bewusst nicht mehr unterschieden zwischen Malerei, Grafik und Fotografie. So können die Genres miteinander in einen Dialog treten. In der Malerei nannte man den damals entstandenen Kunststil "Neue Sachlichkeit" und in der Fotografie "Neues Sehen". Beiden ging es um eine realistische Wiedergabe des Gegenstands mit kühl distanziertem Blick, der die Welt ohne Illusionen, nüchtern und weitgehend emotionslos erfasst. Diese künstlerische Haltung ist als Versuch zu verstehen, vor dem Hintergrund der traumatischen Kriegserfahrungen und des Zusammenbruchs der Monarchie der gesellschaftlich instabilen Lage ein tragendes Fundament entgegenzusetzen.

"Das vermeintlich Banale" im Fokus

Die Künstler richteten ihre Aufmerksamkeit auf das vermeintlich Banale, auf den Alltag der Großstadt, auf Randbezirke und scheinbar anspruchslose Motive. Zur Schärfe dieses Blicks gehörte auch, dass er alle Details gleich wichtig nahm und jede Einzelheit exakt registrierte. Die Gegenstände wirken wie erstarrt und isoliert in einem gläsernen Raum - genauso wie die Menschen, als wäre die Welt um sie herum zum Stillstand gekommen. Jetzt zählten die wirklichkeitsgetreue Wiedergabe von Stoffen, Materialien und Oberflächen, die Fragmentierung und Isolierung des Gegenstands und dynamische Blickwinkel mit Nah-, Auf- und Schrägsichten.

Dieses Bekenntnis zur "Ordnung der Dinge" ging einher mit der Rückbesinnung auf die handwerkliche Tradition der altmeisterlichen Öllasur-Technik. Die vielfach als "Maschinenkunst" bezeichnete Fotografie schien dabei besonders geeignet, die Welt der Technik und die Stätten der industriellen Produktion bildlich zu erfassen. Die Schattenseiten einer technisierten Gesellschaft blieben jedoch in der Malerei und Fotografie weitgehend ausgespart.

Auch technische Gegenstände wie Stromstecker und Glühbirne oder gewöhnliche Alltagsobjekte wie Putzeimer, Scheuerlappen und Schrubber wurden nun für bildwürdig erachtet und geradezu liebevoll wiedergegeben. Unscheinbare Pflanzen wie Kakteen und Gummibäume stiegen zu beliebten Modepflanzen auf, wie viele gemalte oder fotografierte Stillleben beweisen.

Künstler zeigten sich als Träger bestimmter Rollen

Bei ihren Selbstbildnissen zeigten sich die Künstler oft als Träger einer bestimmten Rolle. Bisweilen wollten sie ein Statement über ihr Selbstverständnis abgeben. Und in der Porträtkunst dieser Epoche stand jedes Individuum auch für einen speziellen gesellschaftlichen Typus: die geistige Elite und die Boheme, die Dame von Welt und die Straßendirne, der Arbeiter und der Arbeitslose und die am Rande der Gesellschaft Stehenden wie Kriegskrüppel und Bettler. Eine Zeitreise, die es in sich hat. Parallelen zu den heutigen Zwanzigern drängen sich wie von selber auf.

Karl Honorat Prestele
(KNA)

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