Brezeln auf dem Oktoberfest
Brezeln auf dem Oktoberfest
Auch schon als Kellner auf dem Oktoberfest aktiv: Pfarrer Schießler
Pfarrer Schießler in seinem Element
Wiesn-Bier soll in den Wirtschaften für das Oktoberfest-Gefühl sorgen
Wiesn-Bier soll in den Wirtschaften für das Oktoberfest-Gefühl sorgen
Auch das Oktoberfest ist abgesagt
Lebkuchenherzen auf dem Oktoberfest

08.09.2020

Pfarrer Schießler über den Ausfall des Oktoberfests "Wir trauern tief in unseren bayerischen Herzen"

Mehrere Millionen Menschen dicht an dicht bilden ein zu hohes Infektionsrisko. Das Oktoberfest fällt in diesem Jahr aus. "Wir sind vernünftig", sagt Pfarrer Schießler, der jedoch schon über eine Aktion für das nächste Jahr nachdenkt.

DOMRADIO.DE: Als im April die Absage kam, haben Sie im Interview gesagt, dass es keine Überraschung sei, dass die Wiesn ausfällt, man habe ja keine andere Wahl gehabt. Wie sehen Sie das jetzt im September?

Pfarrer Rainer Maria Schießler (Pfarrer in München): Ganz genauso. Wir haben keinen Impfstoff, wir haben keine Medizin, wir haben überhaupt kein schlüssiges Konzept, wie man sechs Millionen Menschen – oder wie viele da kommen - kontrollieren und eine Infizierung vermeiden kann.

Es genügt ja schon eine Corona-Party mit 25 Leuten, bei der ein Infizierter dabei ist. Da schnellen die Zahlen nach oben. Wie will man das bei so einem riesigen Fest machen? Die Bestimmung ist gleich geblieben.

DOMRADIO.DE: Die Münchner freuen sich natürlich auf ihre Wiesn. Viele haben sich Urlaub genommen oder nehmen sich Urlaub, um auf andere Gedanken zu kommen, zu feiern, Freunde zu treffen. Was spüren Sie jetzt gerade? Wie sehr setzt es den Menschen in der Stadt zu, dass ein gewohntes Ritual im Herbst in diesem Jahr fehlt?

Schießler: Es ist eine gewisse leise Stimmung da. Dazu muss man wissen, dass die Wiesn nicht nur einfach eine Veranstaltung ist. Das ist nicht, wie viele sagen, ein "Intersuff 2020", ein Massenbesäufnis. Die Wiesn ist ein Lebensgefühl.

Das findet seit über 200 Jahren in München statt, es beschließt den Sommer. Es hat etwas mit tiefer Lebensfreude zu tun, mit Dankbarkeit dafür, dass wir so miteinander leben und feiern können. Es ist nur in härtesten Zeiten ausgefallen. Nämlich immer dann, wenn eine Pandemie oder eine Pest herrschte oder schlimmste Kriegszeiten.

An das werden wir natürlich jetzt erinnert. Wir sind vernünftig. Wir wissen, es führt kein Weg vorbei. Wir können jetzt so nicht feiern, aber wir trauern. Wir trauern tief in unseren bayerischen Herzen.

DOMRADIO.DE: Also keine große Wiesn in diesem Jahr. Aber es gibt kleine Alternativen, oder?

Schießler: Ja. Die Wiesnwirte haben 54 Wirtschaften in München dafür gewinnen können, speziell in diesen beiden Wochen das Wiesn-Flair zu verbreiten. Allen voran mein Chef, unter dem ich zehn Jahre gedient habe, Christian Schottenhamel vom Schottenhamel-Zelt, der jetzt einer der beiden Wiesnwirte-Sprecher ist.

Die Gasträume werden hergerichtet wie ein Bierzelt, es gibt eigens gebrautes Wiesn-Bier und Wiesn-Speisen, da denkt man ans berühmte Hendl, es gibt Wiesn-Musik, Blaskapellen spielen so, wie Corona es möglich macht. Also ein gewisses kleines Mini-Wiesn-Flair, das die Leute genießen können, die nicht ganz ohne Wiesn leben können.

DOMRADIO.DE: Also gibt es zumindest ein kleines Oktoberfest.  

Schießler: Ja, und immer noch in der Hauptstadt des Originals. Das Oktoberfest wird vielerorts weltweit kopiert, aber nie erreicht.

DOMRADIO.DE: Sie selbst kellnern ja auch immer auf der Wiesn. Werden Sie sich vom 19. September bis zum 4. Oktober einen anderen Job suchen?

Schießler: Nein. Ich war zehn Jahre dran, habe aber die letzten beiden Jahre schon nicht mehr gekellnert. Ich werde heute 60, da denkt man dann doch ein bisschen ans Alter. Das ist dann doch ein Job für die Jungen.

Aber ich hab es wahnsinnig gerne gemacht. Jedes Jahr, wenn die Wiesn heranrückt - ob ich draußen kellnere oder nicht - spürt man, wie in einem etwas vorgeht. Man beobachtet viel deutlicher den Wetterbericht. Man merkt eine gewisse Grundnervosität. Man schaut in den Schrank und entdeckt die alte Wiesn-Kleidung, seine alten Wiesn-Geldbeutel. Man merkt, dass man wieder Teil von einem wunderbaren Geschehen wird – auch, wenn man nicht teilnimmt.

DOMRADIO.DE: Ab jetzt arbeiten wir auf das Oktoberfest 2021 hin, einverstanden?

Schießler: Absolut. Ich habe mir schon fast überlegt: Wenn es wirklich klappen würde und wir Corona bis dahin überstanden hätten, könnte ich doch, sozusagen als Zeichen der Dankbarkeit, eine Wallfahrt machen und auf der Wiesn noch einmal bedienen. Ich glaube, mein Wirt, der Herr Schottenhamel, würde ausflippen vor Freude.

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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