Ein Holzkreuz mit Weintrauben
Ein Holzkreuz mit Weintrauben
Deutsche Weinprinzessin Carolin Hillenbrand
Deutsche Weinprinzessin Carolin Hillenbrand

10.08.2020

Deutsche Weinprinzessin über Glaube und Romreise "Ein edler Tropfen bei den zwei Herren im Vatikan"

Wein und Glaube - passt das zusammen? Natürlich, findet Carolin Hillenbrand. Im Interview erzählt die Theologin und Weinprinzessin von ihrem Glauben, Wein in der Bibel und wie sie Benedikt XVI. einen edlen Tropfen zukommen ließ.

DOMRADIO.DE: Wie wird man eigentlich deutsche Weinprinzessin?

Hillenbrand: Der Weg ist ein bisschen länger. Natürlich braucht man einen Weinhintergrund - Wein gerne trinken, ist schon mal eine sehr gute Voraussetzung. Und dann bewirbt man sich irgendwann für die Gebietsweinkönigin. Es gibt 13 Gebietsweinköniginnen für jedes der 13 deutschen Qualitätsanbaugebiete. Manche waren vorher vielleicht noch Ortshoheit.

Ich wurde zuerst Gebietsweinkönigin der hessischen Bergstraße, wo ich auch ursprünglich herkomme, Heppenheim an der Bergstraße (Hessen). Und da durfte ich 14 Monate lang dann erst mal den Bergsträßer Wein nach innen und außen repräsentieren. Und dann kommt natürlich die große Wahl zur Deutschen Weinkönigin. Da hab ich letztes Jahr im September teilgenommen und wurde überraschenderweise tatsächlich zur deutschen Weinprinzessin gewählt. Wir sind ein Trio auf deutscher Ebene - zwei Weinprinzessinnen und eine Weinkönigin.

Bei dem Wettbewerb gab eine riesige Fachbefragung, man muss also Fachwissen mitbringen, auftreten, spontan Reden halten. Eine Blindverkostung war auch dabei. Und eine 80-köpfige Expertenjury stellt einem dann die Fragen. Dann muss man am Ende auch einfach ein bisschen Glück haben, dass man gewählt wird. Aber ich freue mich einfach, dass ich dieses Jahr diese Ehre hatte.

DOMRADIO.DE: Sie sind seitdem quasi das Gesicht des deutschen Weines. Was sind das für Aufgaben? Was müssen Sie da machen?

Hillenbrand: Einerseits innerhalb von Deutschland: ich war auf großen Messen, auf der Buchmesse in Frankfurt, auf Weinmessen natürlich. Als noch Messen stattgefunden haben, war das relativ viel. Da waren wir auf der Bühne und haben die Menschen für den deutschen Wein begeistert.

Und dann gibt es natürlich auch Auslandstermine. Ich war im Februar noch bei einer großen Weinmesse in Paris und habe da in verschiedenen Sprachen Präsentationen über deutsche Weine gehalten, sie auch mit den Menschen vor Ort verkostet. Und das wäre jetzt, wenn Corona nicht wäre, das Jahr so weiter gegangen.

DOMRADIO.DE: Ich nehme an, Corona hat Ihre Wege als Weinprinzessin ganz schön durchkreuzt?

Hillenbrand: Das stimmt. Ab März war auch für uns der Lockdown. Und was macht eine Weinprinzessin denn im Home-Office? Wir mussten ziemlich schnell umschalten auf digitale Regentschaft, wie wir es genannt haben. Ich habe dann ganz viel online gemacht, online Weinproben initiiert. Wir haben Kochshows live gemacht.

Ich habe nach Kanada ein Video auf Französisch gedreht - eigentlich wäre ich hingeflogen. Ich wäre eigentlich auch nach China geflogen. Stattdessen habe ich dann hier in den heimischen Weinbergen ein Video, einen Gruß gesendet aus Deutschland. Die großen Auslandstermine sind natürlich alle weggefallen, auch die großen anderen Messen sind weggefallen. Aber wir konnten in Deutschland Touren weiterführen. Und das war auch sehr toll, die heimischen Weinberge und Winzerinnen und Winzer besser kennenzulernen.

DOMRADIO.DE: Uns interessiert natürlich auch ihre theologische Karriere. Die Wurzeln liegen in Ihrer Kindheit?

Hillenbrand: Genau, ich bin sehr christlich aufgewachsen und erzogen worden. Unsere Eltern haben es uns immer freigestellt, ob wir sonntags in die Kirche wollen oder nicht. Aber irgendwann war es ganz eigenständig. Wir hatten eine tolle Gemeinde, einen tollen Pfarrer. Ich habe mich dann dazu entschieden, Messdienerin zu sein, war in der Gruppenleitung dabei, habe viel für Kinder und Jugendliche gemacht, Sommerfreizeiten, Romwallfahrten, Messdienerwallfahrten organisiert. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Unglaublich viele Taizé-Fahrten haben wir organisiert.

Dann bin ich nach dem Abi ein Jahr nach Peru gegangen und habe mir da auch nochmal die Frage nach dem eigenen Glauben, nach der eigenen Glaubensgeschichte gestellt. Und ich habe mir gedacht, das würde ich auch gern nochmal wissenschaftlich behandeln und mit der Vernunft durchdringen. Und dann habe ich mich dazu entschieden, Theologie und Politik zu studieren. Das war das Beste, was mir hätte passieren können. Ich habe super viel über die Welt und über mich gelernt. Zu der Fächerkombination haben mich meine Eltern am Anfang gefragt: Was ist denn das? Was macht man mit Politik und Theologie? Aber mittlerweile kann ich das immer wieder sehr gut verbinden. Und das geht bis in die Promotion jetzt hinein. Ich hätte das genauso nochmal gemacht.

DOMRADIO.DE: Ich wollte gerade fragen: Wie klappt das denn jetzt? Auf der einen Seite Studentin und Doktorandin der Theologie und Politikwissenschaft und auf der anderen Seite Weinprinzessin.

Hillenbrand: Ich sage immer: Krone ab, Doktorhut auf, Doktorhut ab, Krone auf. 50 Prozent der Zeit mache ich deutschen Wein und 50 Prozent Doktorarbeit. Aber ich glaube, es funktioniert so gut, weil mir beides unglaublich viel Spaß macht und mein Thema in der Promotion ist der gesellschaftliche Zusammenhalt. Ich untersuche, wann die Religion die Menschen zusammenbringen und Gemeinschaft stiften kann.

Und wie das bei dem Wein ist, spüre ich natürlich auch. Auch Wein kann Grenzen überwinden und Menschen miteinander verbinden. Bei den ganzen Abenden und Terminen kommt man natürlich über Gott und die Welt ins Gespräch, über die eigene Persönlichkeit, die eigenen Interessen. Und da kann ich immer wieder beides ganz gut verbinden.

DOMRADIO.DE: Ein besonderer Termin war eine Weinprobe an der Päpstlichen Universität Gregoriana inklusive Wein-Slam - wie können wir uns das vorstellen?

Hillenbrand: Das war sehr cool. Ich war eingeladen worden und habe vor ungefähr 30 Menschen im Freien unter Corona-Bedingungen eine Weinprobe gehalten und habe über den deutschen Wein erzählt. Damit es nicht zu trocken bleibt, hatte ich über 30 Weinflaschen im Gepäck. Ich habe aber auch eine Vorliebe für den Poetry-Slam, und da kann man ja zu verschiedenen Themen schreiben. Deswegen habe ich das am Ende auch noch gemacht. Und es hat sehr, sehr viel Freude bereitet.

DOMRADIO.DE: Und Sie hatten extra ein paar lustige Fakten zum Thema Wein und Bibel herausgesucht. Haben Sie mal ein Beispiel?

Hillenbrand: Ich habe mich gefragt, wie oft denn das Wort Wein in der Bibel erwähnt wird. Und das ist sage und schreibe 400 Mal. Es gibt über tausend Zitate rund um das Themenfeld des Weines. Das war erstaunlich für viele.

Und ein zweites Beispiel: Wer ist denn der älteste dokumentierte Winzer? Da kann man Noah nennen. Denn er hat auch einen Weinacker gehabt, Wein angepflanzt. Und es heißt so schön in der Bibel: Er lag dann entblößt im Innern seines Zeltes nach seinem Weingenuss. Das sind so Fakten, die Theologinnen und Theologen sehr interessieren. Man kann zum Thema Bibel und Wein sehr, sehr viel herausholen.

DOMRADIO.DE: Das haben Sie dann ausführlich gemacht bei der Weinprobe in der Uni. Sie waren aber auch auf dem Petersplatz mit dabei, als Papst Franziskus seine Generalaudienz gehalten hat. Wie haben Sie das erlebt?

Hillenbrand: Da ist ein kleiner Traum von mir in Erfüllung gegangen. Ich wollte ihn immer mal persönlich erleben. Das war eine ganz gute Zeit jetzt in Rom, weil fast nichts los war. Also konnte man ihn auch wirklich am Fenster sehen und seine Stimme live hören. Das war so ein Gänsehaut-Feeling auf diesem Petersplatz. Für mich ein unbeschreiblich tolles Gefühl. Ein toller Mensch.

DOMRADIO.DE: Und Sie haben dem Papa emeritus, Benedikt XVI., auch ein Fläschchen Wein zukommen lassen. Das müssen Sie auch nochmal erzählen.

Hillenbrand: Das war auch eine sehr lustige Geschichte. Wir waren sonntagabends in der deutschen Gemeinde dort vor Ort eingeladen und haben eine Kirchenführung bekommen. Und in dieser Kirche läuft uns Georg Gänswein über den Weg. Er ist dann stehen geblieben und hat mit uns geredet, das Thema Wein hat ihn interessiert.

Er hat dann gefragt, ob ich nicht zwei Flaschen von meinem Wein - es gibt einen Hoheitenwein, den Royal Riesling, wie ich ihn nenne - in den Vatikan bringen könnte. Am nächsten Tag kam ich dann also in den Vatikan, in die Vatikanischen Gärten, und habe dann zwei Flaschen meines Royal Rieslings mitgebracht. Und jetzt ist da ein edler Tropfen deutscher Wein bei den zwei Herren im Vatikan.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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