Bekannter: Felsenkirchen in Lalibela
Bekannter: Felsenkirchen in Lalibela
Felsenkirche Bet Giyorgis in Lalibela
Felsenkirche Bet Giyorgis in Lalibela

23.05.2020

Forscher wollen Äthiopiens uraltes Erbe bewahren Felsenkirchen in Tigray

Nur über steile Felswände gelangen die Forscher des Ethiopian Heritage Fund ans Ziel: in die uralten Felsenkirchen in Tigray. Die Kirchen, ihre Malereien drohen zu verschwinden und damit ein Teil des christliche Erbes.

Die Region Tigray im nördlichen Hochland Äthiopiens: Rote Tafelberge aus Sandstein und bizarre Felsnadeln, einige bis zu 3.000 Meter hoch, ragen in den Himmel. In ihrem Inneren bergen sie wahre Kunst- und Kulturschätze. Tief in den Stein geschlagen finden sich hier uralte Felsenkirchen mit kunstvollen Wandmalereien - Zeugnisse des frühen Christentums in Äthiopien, dessen Traditionen bis ins vierte Jahrhundert zurückreichen.

Rund 150 Felsenkirchen mit zahlreichen Wandbildern vermuten Forscher in der etwa 50.000 Quadratmeter großen Region Tigray. Anders als die Felsenkirchen im etwa 500 Kilometer entfernten Lalibela, die durch Wallfahrten, Tourismus und wissenschaftliches Interesse internationale Bekanntheit erlangt haben, sind die Kirchen in Tigray mit ihren einzigartigen Wandgemälden außerhalb Äthiopiens weitgehend unbekannt.

Forschungsprojekt

Ihre Erfassung, Untersuchung und Konservierung ist Ziel eines aktuellen Projekts von Blair Priday. Als Direktorin des Ethiopian Heritage Fund (EHF) setzt sie sich gemeinsam mit dem äthiopischen Ministerium für Kultur und Tourismus, der Behörde für Forschung und Erhalt des Kulturerbes (ARCCH), regionalen Kulturbüros, sowie der Universität Addis Abeba und der Universität Mek'ele für den Schutz des kulturellen religiösen Erbes in den Kirchen Tigrays ein. Gefördert wird das Projekt "Ikonografie in Äthiopien. Die Konservierung der Wandgemälde in den Kirchen Tigrays" von der deutschen Gerda-Henkel-Stiftung.

"Die Tigray-Region ist aufgrund ihrer bergigen Landschaften ein wichtiger Teil der Geschichte des äthiopischen Christentums", erklärt Priday. Immer wieder gab es in der Geschichte des Landes Einwanderung von Muslimen, viele Kirchen in den Tälern wurden zerstört. "Aber die Felsenkirchen waren schwierig zu finden, insofern sind viele von ihnen mit ihren Wandbildern erhalten geblieben." Die uralten Malereien zeigen etwa die sogenannten "Neun Heiligen", die der Überlieferung zufolge um das Jahr 550 auf der Flucht vor Verfolgung aus Syrien nach Äthiopien kamen und dort das Mönchtum verbreiteten, aber auch Apostel, Erzengel und Heilige der orthodoxen Kirche.

Stark christlich geprägt

Anders als die meisten afrikanischen Länder ist Äthiopien stark christlich geprägt. Etwa 43 Prozent der Bevölkerung sind äthiopisch-orthodoxe Christen. Die Funktion der Felsenkirchen ist über die Jahrhunderte hinweg dieselbe geblieben, noch immer klettern Menschen jeden Alters die engen Bergpfade und steilen Felsen empor, um dort Gottesdienst zu feiern und zu beten.

Auch die EHF-Forscher gelangen ausschließlich auf diese abenteuerliche Weise in die hochgelegenen Felsenkirchen - in Klettermontur und mit vollgepackten Rucksäcken. Doch das ist nicht die einzige Herausforderung. Neben logistischen Problemen erschwert die Bürokratie die Arbeit. Häufig liegt die Verantwortung für die Kirchen nicht in einer Hand; religiöse Obrigkeiten, staatliche und regionale Behörden beanspruchen Mitspracherecht. Hier sei Überzeugungsarbeit gefragt. "Die Verantwortlichen erkennen häufig nicht, dass ihr Erbe bedroht ist und verschwinden könnte. Und wenn, dann fehlen ihnen unter Umständen die Mittel, um etwas dagegen zu tun", so Priday.

Grundsätzlich sei es wichtig, eng mit den Menschen vor Ort zu kooperieren. Dabei spiele gegenseitiger Respekt eine ebenso große Rolle, wie Wissenstransfer und die Schaffung eines Bewusstsein für den Wert der Kirchen. Denn die größte Gefahr für ihren Erhalt stellen laut Priday menschliche Eingriffe und Vernachlässigung da. Zudem gefährden Steinschläge, Feuchtigkeit und ungünstige Wetterbedingungen die Kirchen und ihre Malereien. In den vergangenen 50 Jahren verschwanden so 19 Prozent aller Wandgemälde in den Kirchen Tigrays, die Hälfte davon in den vergangenen fünf Jahren.

Kulturelles Erbe

Im Mittelpunkt der Arbeiten des Ethiopian Heritage Fund stehen zwei besonders bedrohte Gemälde der Region: das freiliegende Wandbild in der Kirche Ara Ero des Heiligen Tekla Haymanot aus dem frühen 18. Jahrhundert und die Darstellungen der Kirche Petros und Paulos Melehayzenghi aus dem 17. Jahrhundert. Neben dem Erhalt der christlichen Ikonografie, die prägend auf die nationale äthiopische Identität wirkte, ist ihre Erfassung zentral für das Forschungsvorhaben. Die Untersuchungen sollen auf weitere Standorte ausgedehnt werden, um eine umfassende Bestandsaufnahme in der gesamten Region zu ermöglichen.

Ein wichtiges Ziel des Teams um Priday ist es, in einem nachhaltigen Ansatz mit den lokalen Gemeinschaften zusammenzuarbeiten, um mehr Touristen in die abgelegenen Regionen zu bringen. Die Wertschätzung des kulturellen Erbes durch die Besucher übertrage sich auf die einheimische Bevölkerung, stärke Stolz und Respekt für die Kunstschätze. Zudem komme Geld in die Gemeinden. Beides könne am Ende dazu führen, dass sich die Gemeinschaften vor Ort stärker um den Erhalt ihrer Kirchen bemühten, hofft Priday.

Inga Kilian
(KNA)

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