Lebkuchenherzen auf dem Oktoberfest
Lebkuchenherzen auf dem Oktoberfest

21.04.2020

Schon Cholera und Weltkriege stoppten das größte Volksfest Oktoberfest abgesagt

Fast nichts ist in München so heilig wie der Termin des Oktoberfestes. Doch das Corona-Virus sorgt nun dafür, dass nach 73 Jahren wieder einmal die Wiesn ausfällt. Zuletzt waren zwei Weltkriege und die Cholera der Grund.

Stark und mächtig steht sie da, die Bavaria hoch oben über der Münchner Theresienwiese. Während ihr Blick hinausgeht ins Land, reckt sie mit der linken Hand den Lorbeerkranz in die Höhe.

Als ob die kräftige Frau trotzig sagen wollte: "Ich bin noch da!" Genauso wie der Löwe zu ihrer Rechten. Doch auf die Mega-Bierzelte, das Riesenrad und Karussells zu ihren Füßen wird sie 2020 vergeblich warten. Das Oktoberfest ist abgesagt, erstmals wieder seit 73 Jahren. Wegen der Pandemie.

Zu groß wäre die Gefahr, dass sich die Besucher ansteckten. Denn die kommen bekanntlich von nah und sehr fern, um an den Biertischen die viel gepriesene bayerische Gemütlichkeit zu erleben. Ob allerdings wirklich Stimmung aufgekommen wäre, mit Sicherheitsabstand und Schunkelverbot, darf bezweifelt werden.

Ein Opfer der Absage wurde auch das alle vier Jahre stattfindende Zentrale Landwirtschaftsfest. Herdenimmunität mag wie ein Begriff aus der Agrarwirtschaft klingen; ist aber, wie alle gelernt haben, eine Methode aus der Virologie, wie man die Krankheit bekämpfen kann.

Dieser haben sich die meisten Staaten nicht verschrieben, und wenn doch, protestierte irgendwann die Bevölkerung.

Im nächsten Jahr "intensiver und freudiger" feiern

In seiner Regierungserklärung am Montag hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schon kundgetan, dass er und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sehr skeptisch seien, ob ein Fest "in der Größe, mit der Internationalität unter den gegenwärtigen Bedingungen überhaupt einen Sinn macht". Einen Tag später traten sie vor die Presse und verkündeten die schlechte Nachricht.

Großveranstaltungen bis 31. August waren da bereits verboten. Zu glauben, dass ab September für die Wiesn eine Ausnahme gelten würde, wäre ehrlich gesagt einem Wunder gleichgekommen. Nun hofft man, das Fest im nächsten Jahr "intensiver und freudiger" feiern zu können.

Für die Wiesnwirte, vor allem aber für die Schausteller und kleinen Geschäfte ist die Entscheidung eine Katastrophe. Nachdem den Gastronomiebetrieben und den Karussell-Betreibern seit März das Geschäft weggebrochen ist, wird nun auch das Oktoberfest nicht mehr ihre leeren Kassen ein wenig füllen können.

Dabei ist das größte Volksfest der Welt für die meisten wirtschaftlich so etwas wie eine "g'mahte Wiesn". 6,3 Millionen Menschen kamen 2019, tranken 7,3 Millionen Maß, verzehrten zusammen 124 Ochsen und 29 Kälber. Ganz zu schweigen von den Tausenden Hendln, Steckerlfischen, Würstln, Brezn und gebrannte Mandeln, die verzehrt werden.

Aber über 20 Mal fiel das Fest aus

Vom 19. September bis 4. Oktober hätte das 187. Oktoberfest dauern sollen. An der Zahl lässt sich erkennen, dass seit der Premiere 1810 nicht jedes Jahr gefeiert werden konnte. Am Anfang stand ein Pferderennen anlässlich der Hochzeit von Kronprinz Ludwig von Bayern mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen.

50.000 Besucher aus Bayern kamen damals am 17. Oktober auf das Gelände vor den Toren Münchens. 18 Minuten dauerte das Rennen. Die Euphorie war so groß, dass sich alle einig waren: Das Ereignis verdient eine Wiederholung.

So hielt man es. Aber über 20 Mal fiel seither das Fest aus. Zwei Weltkriege und die Inflation waren unter anderem der Grund. 1854 raffte die Cholera in Bayern 3.000 Menschen dahin. Als die Erkrankungen und Todesfälle in München zunahmen, entschied sich die Regierung für eine Absage, der zahllose Klagen der Geschäftsleute folgten. 1876 war die Brechruhr erneut der Anlass, dass das Volksfest nicht stattfand.

Von Bruno Jonas stammt die "Gebrauchsanweisung für das Oktoberfest". Philosophisch geht der Kabarettist darin dem Spektakel auf den Grund und entdeckte sogar religiöse Dimensionen. Und jetzt? "Eine oktoberfestfreie Zeit gibt es aufgrund meiner These nicht", so der Experte.

Das Oktoberfest finde statt, "aber eben auf dem Zeitstrahl weiter nach vorne in die Zukunft verlegt". In verschiedenen Realitätszuständen sei es ohnehin permanent präsent: "Oktoberfest ist, selbst wenn es nicht auf der Theresienwiese aufgebaut ist, vom seelisch, geistigen Zustand immer vorhanden." Es existiere in der Erwartung oder im Nachgang des Erlebten, was sofort übergangslos transformiert werde in die Hoffnung, dass es weiter gehe.

Barbara Just
(KNA)

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