Kathedrale Notre-Dame in Paris
Kathedrale Notre-Dame in Paris
Barbara Schock-Werner
Barbara Schock-Werner
Die Arbeiten an Notre-Dame wurden wegen des Coronavirus unterbrochen
Die Arbeiten an Notre-Dame wurden wegen des Coronavirus unterbrochen

15.04.2020

Kölner Ex-Dombaumeisterin über Wiederaufbau von Notre-Dame "Das wird sehr viel länger dauern"

Es gibt viele Vorschläge, die Kathedrale Notre-Dame zu modernisieren. "Alles Unsinn", sagt Kölns Ex-Dombaumeisterin. Zunächst seien andere Schritte notwendig, denn das Gemäuer sei so durchnässt, dass es zehn Jahre bis zur Trocknung brauche.

DOMRADIO.DE: Wie ist denn der Stand des Wiederaufbaus ein Jahr nach dem Brand?

Prof. Barbara Schock-Werner (Koordinatorin der Unterstützungsarbeiten zum Wiederaufbau von Notre-Dame für Deutschland und ehemalige Kölner Dombaumeisterin): Der Stand ist im Moment ganz schlecht, weil auf der Baustelle wegen Corona seit März nicht gearbeitet wird. Und so wie es in Paris aussieht, kann wohl auch mindestens bis Mitte Mai dort nicht gearbeitet werden. Im Moment passiert gar nichts.

DOMRADIO.DE: Der französische Staatspräsident Macron hat gesagt, in fünf Jahren wird Notre-Dame wieder so sein, wie vor dem Brand. Ist das noch realistisch?

Schock-Werner: Ob das je realistisch war, ist eine andere Frage. Aber das hängt auch davon ab, wie man "fertig" definiert. Der Architekt der Kathedrale, Philippe Villeneuve, möchte den Menschen als erstes den Raum wieder geben. Das heißt, wenn die gegenwärtigen Probleme gelöst sind, möchte er die Gewölbe wieder schließen und damit wäre der Innenraum wieder betretbar. Das könnte – wenn die Gewölbe, die noch oben sind und sich als standfest erweisen – sogar in der Zeit passieren.

Aber "fertig" in einer Gesamtrestaurierung wird es mit Sicherheit nicht sein. Das wird sehr viel länger dauern. Nur als Beispiel, die französischen Kollegen meinen, das Gemäuer sei so durchnässt, dass es zehn Jahre brauchen würde, bis es wieder trocken ist.

DOMRADIO.DE: Deutsche Politiker wollen nun ein besonderes Zeichen der deutsch französischen Freundschaft setzen. NRW-Ministerpräsident Laschet, Kulturstaatsministerin Grütters und die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Böhmer, haben heute in Berlin gesagt, Deutschland wolle einen besonderen Beitrag zum Wiederaufbau leisten. Sie schlagen Frankreich jetzt eine Beteiligung an der Restaurierung vor. Wie wichtig ist das für die deutsch-französische Freundschaft und Beziehung?

Schock-Werner: Das ist ganz wichtig für die deutsch-französische Freundschaft. Wir haben lange daran gearbeitet, einen konstruktiven Vorschlag zu machen, der dann auch in Frankreich akzeptiert wurde. Wenn die Zeiten wieder normaler sind, werden wir an die detaillierten Ausarbeitungen gehen können. Deutschland möchte sich an der Restaurierung der bereits ausgebauten Obergadenfenster beteiligen. Das geht auch deshalb sehr gut, weil diese Fenster in deutschen Glasrestaurierungswerkstätten bearbeitet werden können. Wir müssen also nicht auf der Baustelle mitmischen, aber können so einen sehr wichtigen konstruktiven Beitrag leisten.

DOMRADIO.DE: Es gibt mittlerweile alle möglichen Vorschläge von Architekten, dass man die Gelegenheit nutzen könnte, Notre-Dame in der einen oder anderen Weise zu verändern oder zu modernisieren. Was halten Sie von den teilweise abenteuerlichen Vorschlägen?

Schock-Werner: Das ist natürlich alles Unsinn. Was soll ein Glasdach auf der Kathedrale, nur um den Dachraum zu beleuchten? Ich habe einen Vorschlag gesehen, da waren die Gewölbe entfernt, sodass das Licht ganz durchfallen kann. Das ist natürlich alles dilettantisch, weil natürlich eine gotische Kathedrale auch die Gewölbe zu ihrer Stabilität braucht. Nein, der Architekt möchte einen Holzdachstuhl wiederhaben, den er auch braucht, um die nötige Auflast zu bekommen, damit das Gebäude wieder ins Gleichgewicht kommt.

Wie der Vierungsturm aussehen wird, darüber ist noch kein Konsens da. Ich bin der Überzeugung, dass da kein Kristalllaser- oder Edelstahlgebilde draufkommt, sondern eine dem Vorgänger möglichst angenäherte Rekonstruktion. Vielleicht wird es ein bisschen mehr abstrahiert, vielleicht auch aus einem anderen Material, aber so etwas ganz Utopisches – ich glaube nicht, dass das kommt.

Das Interview führte Julia Reck.

(DR)

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