Eine Szene des Films "Die zwei Päpste"
Eine Szene des Films "Die zwei Päpste"
Plakat für den Film "Die zwei Päpste"
Plakat für den Film "Die zwei Päpste"
Sir Anthony Hopkins & Jonathan Pryce
Sir Anthony Hopkins & Jonathan Pryce
Zwei Päpste
Zwei Päpste

20.12.2019

"Die zwei Päpste" startet bei Netflix Streamingdienst mit ironischem Blick hinter Vatikan-Kulissen

Regisseur Meirelles inszeniert in "Die zwei Päpste" das Ringen um den Kurs der katholischen Kirche als Zwiegespräch zwischen den beiden Päpsten Franziskus und Benedikt XVI. Am 20. Dezember läuft der Film bei Netflix an.

Die Papstwahl des argentinischen Kardinals Jorge Mario Bergoglio am 13. März 2013 markiert eine Zäsur in der katholischen Kirche. Der brasilianische Regisseur Fernando Meirelles hat das Thema seines jüngsten Films "Die zwei Päpste" eigentlich schon in seinem aufsehenerregenden Drama "City of God" (2002) aus den Favelas von Rio de Janeiro vorweggenommen.

Denn die fiktionalisierte Geschichte eines Aufeinandertreffens der beiden Päpste Benedikt XVI. und Franziskus ist unverkennbar ein gesellschaftlich-soziales Plädoyer für eine überfällige und grundsätzliche Veränderung innerhalb der katholischen Kirche.

Eingeleitet wird die (fiktive) Geschichte durch eine Ansprache Bergoglios, der als Erzbischof von Buenos Aires 2005 zu den von der Wirtschaftskrise gebeutelten Argentiniern spricht. Acht Jahre später ermöglicht Joseph Ratzinger als Benedikt XVI. durch seinen Verzicht auf das Papstamt eine Kurskorrektur im Vatikan.

Seither drängt der "Papst der Armen" zumindest nach außen und medienwirksam in eine neue Ära. Zu heftig hatten Gerüchte über dubiose Verbindungen der Kirche zur Mafia, intransparente Geldgeschäfte und Vertuschung sexuellen Missbrauchs durch kirchliche Würdenträger den Vatikan erschüttert.

Die Schauspieler Jonathan Pryce als Franziskus und Anthony Hopkins als Benedikt XVI. verkörpern die beiden gegensätzlichen Positionen und Charaktere hervorragend. Ihre Leistung korrespondiert mit der handwerklich perfekten, unterhaltsam-ironischen und im Erzählrhythmus gut getakteten Inszenierung. Die Kamera von Cesar Charlone unterstützt den dialoglastigen Film vorzüglich. Ihr Blick gleitet subtil über Details der Ausstattung wie etwa die zahlreichen kirchlichen Insignien. In fast jeder Einstellung ist emotionale Spannung sowie die Sympathie des Regisseurs für den südamerikanischen "Menschenversteher" spürbar.

Bei der Papstwahl 2005 strafte Ratzinger - so die Darstellung des Films - seinen "progressiven" Konkurrenten Bergoglio noch mit Missachtung. Dessen Entscheidung für das Priesteramt und gegen seine Jugendliebe, seine angebliche Verstrickung in Argentiniens Militärdiktatur (1976-1983), als er als Jesuiten-Provinzial mehrere Mitpriester in die Folterkammern geliefert habe, wird ausführlich dargestellt.

Für die Figur Ratzingers fehlt eine solche historische Perspektive, was ein Ungleichgewicht erzeugt. Nur einige Stimmen anlässlich seiner Wahl zum Kirchenoberhaupt, in denen er angesichts angeblicher Jugendsünden kommentarlos als "Nazi" apostrophiert wird, reichern sein hintergrundarmes Porträt etwas an.

Bewegend ist die wechselseitige "Beichte" der beiden Kirchenmänner in der Sommerresidenz Castel Gandolfo, wo Benedikt tief erschüttert von der Einsamkeit seiner Rolle und der Last der Verantwortung als Stellvertreter Christi erzählt. Bergoglio hält dagegen: Die Zeit für eine Veränderung sei gekommen; Frauen müsse mehr Raum in der Amtskirche eingeräumt werden.

Beim gewichtigen Thema Missbrauch zieht sich die Kamera sanft zurück, der Ton wird bis zur Unhörbarkeit abgeblendet, die Türen werden verriegelt. Entlarvend, wie "Die zwei Päpste" hier versucht, das brisante Problem in all seiner Widerwärtigkeit von einer Aufklärung fernzuhalten. Ebenso wie eine verkürzte Darstellung der argentinischen Geschichte ist dies eine Schwachstelle des Werkes, aber auch eine subtile Anspielung auf die Unfähigkeit zum Schuldeingeständnis sowie konsequenteren Schritten - die man auch Franziskus immer wieder vorgeworfen hat.

"Die zwei Päpste", der schon am 5. Dezember in den deutschen Kinos anlief und ab 20. Dezember bei Netflix zu sehen ist, wirft gefällige, freilich fiktive Blicke hinter die Kulissen, wenn die Protagonisten gemeinsam Pizza essen, das Finale der Fußball-WM 2014 zwischen Deutschland und Argentinien verfolgen oder ihren unterschiedlichen musikalischen Vorlieben huldigen. Während der Film-Bergoglio Tango, Abba oder die Beatles schätzt, bevorzugt Benedikt das klassische Fach und spielt auf dem Klavier sogar ein Album ein.

Josef Nagel
(KNA)

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