Eine Mitarbeiterin des Unternehmens Walter & Prediger in Kaufbeuren hält eine Platte mit Schneekugeln
Eine Mitarbeiterin des Unternehmens Walter & Prediger in Kaufbeuren hält eine Platte mit Schneekugeln
Hans Walter, Inhaber des Unternehmens Walter & Prediger, Hersteller von Schneekugeln
Hans Walter, Inhaber des Unternehmens Walter & Prediger, Hersteller von Schneekugeln
Eine Mitarbeiterin bemalt mit einem Pinsel Figuren, die einen Weihnachtsmann im Schlitten zeigen
Eine Mitarbeiterin bemalt mit einem Pinsel Figuren, die einen Weihnachtsmann im Schlitten zeigen

08.12.2019

Pinseln, wässern, Flocken spritzen - So entstehen Schneekugeln Ein kleiner Kosmos zwischen Kitsch und Kult

Seit 1954 produziert die Firma Walter & Prediger im Allgäu Schneekugeln. Die Zauberwelten im Kunststoffgehäuse erfordern viel Handarbeit - und kommen längst nicht immer nur winterlich daher.

Es hat was von Gott spielen: Hans Walter schafft ständig neue Welten. "Es ist schon irre, was man mit etwas Farbe, winzigen Bildchen und deren Positionierung erzeugen kann. Einen ganzen kleinen Kosmos", sagt Walter. Dann greift er sich einen solchen Kosmos - eine winterprächtige Berglandschaft - und schüttelt ihn kräftig. Und plötzlich ist er da: dieser Moment von Gebanntheit und Traumseligkeit. Walter erklärt: "Pfui Schnee - das sagt doch keiner. Schnee macht alle friedlich."

Hans Walter ist ein Garant für Gemütlichkeit. Dank ihm gibt's jedes Jahr weiße Weihnachten - wenn auch nur unterm gewölbten Kunststoffgehäuse. Der 67-Jährige ist Chef der Firma Walter & Prediger, eines Herstellers von Spielzeug, Souvenirs und Dekoartikeln aus Kaufbeuren-Neugablonz. Das Unternehmen mit seinen 20 Mitarbeitern fabriziert ein Produkt, das deutschlandweit nur noch an einem anderen Ort gefertigt wird: die Schneekugel.

Erfunden im 19. Jahrhundert in Frankreich

In Neugablonz entsteht sie in immer wieder neuer Optik: als Naturidylle, Stadtansicht oder Straßenszene. Doch nicht immer steckt Schnee in dem Oval, wie Walter berichtet: "Wir haben für die Schweizer Post schon Briefe stöbern lassen und Buchstaben für das Mainzer Gutenberg-Museum." Erfunden worden sei die Schneekugel wohl im 19. Jahrhundert in Frankreich, ergänzt der Firmenchef. Walter & Prediger habe die erste 1954 herausgebracht.

Seit jeher steckt in der Produktion viel Handwerk. Sie beginnt aber maschinell: mit dem Herstellen der Figurenformen. Rund 3.000 alte Stahlplatten mit eingravierten Motiven besitzt das Unternehmen, neue Vorlagen entstehen digitaltechnisch. Das Muster wird dann in eine Spritzgussmaschine eingesetzt. "In die fülle ich Kunststoffgranulat", erklärt Mitarbeiter Harald Wolf (50). Er spricht extra laut - in seiner Werkstatt dröhnt es. "Das Granulat wird auf etwa 110 Grad erhitzt und dadurch zähflüssig. So wird's in die Form gespritzt, das Ganze kühlt aus, fertig ist der Rohling."

Rentier, Schlitten und Nikolaus

Dieser kommt zu Christiane Albrecht (56). Die Malerin verpasst dem weißen Stück Plastik einen Anstrich. Mit wimpernfeinen Strichen bepinselt sie Figuren, die kaum so groß sind wie ein kleiner Finger. Dann tunkt sie ihr Utensil in Lösungsmittel. "Das verdünnt die Farbe, so dass sie auch in Rillen läuft. Hier etwa in das Fell am Rentierhals, das gewinnt dadurch an Tiefenwirkung."

Das Rentier zieht einen Schlitten samt Nikolaus und Tanne. Braun, rot und grün färbt Albrecht das Gespann. Es steht vor einem Hintergrund aus verschneiten Bäumen im Mondenschein. So wie das aussieht, riecht es an Albrechts Arbeitsplatz auch: süßlich. Dem Lösungsmittel sei Dank - und dem Klebstoff von Albrechts Kollegin Ayla Esen (51). Sie hat den Hintergrund ausgedruckt und ausgestanzt, das Papier wasserdicht eingeschweißt und hinter die Figur auf den Kugelboden gepappt. "Der Kleber muss trocknen, dann kommt die Haube drüber, die wie die Figur aus der Spritzgussmaschine stammt."

Schnee aus Kunststoffpartikeln

Danach bewässert Nebiye Aydogdu (50) die Kugel, indem sie einen dünnen Schlauch in ein Loch in deren Boden steckt. "Die Flüssigkeit ist destilliert, damit sie nicht gammelt." Dann greift Aydogdu zu einer Art Spritzpistole und flößt der Kugel ihre Seele ein: Schnee aus Kunststoffpartikeln. "Das Ganze bleibt über Nacht stehen, damit die Luft sich oben sammelt. Am nächsten Tag gieße ich etwas Wasser nach, damit die Bläschen entweichen. Stöpsel drauf und fertig."

Über 100.000 Kugeln entstehen so in Neugablonz pro Jahr. Gut zwei Drittel davon werden in Deutschland verkauft, der Rest fast weltweit. "Von den Kugeln allein könnten wir zwar nicht leben", sagt Hans Walter. Insgesamt aber sei der Absatz zufriedenstellend - trotz Billigkonkurrenz aus Fernost. Und trotz Kritikern, die meinten, die Kugeln seien bloß Kitsch. "Sind sie auch - aber der Mensch braucht so was." Mancher sehr: Es gibt Sammler, die Tausende der Objekte horten. Kult ist die Schneekugel demnach ebenfalls. Und im Wandel: "Wir denken über Exemplare mit personalisierten 3-D-Drucken nach", verrät Walter. In Neugablonz arbeitet man also weiter am Schnee von morgen.

(KNA)

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